{"id":1647,"date":"2020-08-05T17:06:25","date_gmt":"2020-08-05T14:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/libanon-so-kam-das-ammoniumnitrat-in-den-hafen-von-beirut\/"},"modified":"2020-08-05T17:06:25","modified_gmt":"2020-08-05T14:06:25","slug":"libanon-so-kam-das-ammoniumnitrat-in-den-hafen-von-beirut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/libanon-so-kam-das-ammoniumnitrat-in-den-hafen-von-beirut\/","title":{"rendered":"Libanon: So kam das Ammoniumnitrat in den Hafen von Beirut"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/9044bbe9-0dba-4c58-aa7f-ef3f996d5eed_w948_r1.77_fpx53.15_fpy50.jpg\" title=\"Zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude nach der Explosion im Hafen von Beirut\" alt=\"Zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude nach der Explosion im Hafen von Beirut\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude nach der Explosion im Hafen von Beirut<\/p>\n<p>  Foto:\u2002-\/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Noch ist nicht bekannt, was der Ausl\u00f6ser der furchtbarsten Explosion war, die Libanons Hauptstadt Beirut je ersch\u00fcttert hat. Weder was den ersten Brand verursachte, noch was die Serie kleinerer Explosionen in Lagerhaus 12 des Hafens von Beirut ausl\u00f6ste. Doch zur Ursache der folgenden Megadetonation um 18.08 Uhr Ortszeit, die Tausende verletzte, mehr als hundert Menschen t\u00f6tete und bis nach Zypern sp\u00fcrbar war, kommen immer mehr Details ans Licht. Sie erlauben mittlerweile eine belastbare Rekonstruktion.<\/p>\n<p>Noch am Dienstagabend erkl\u00e4rte der Chef der libanesischen Zollverwaltung, Badri Daher, dass &quot;Tonnen von Nitrat&quot; explodiert seien. Was er nicht erkl\u00e4rte: warum die Ladung jahrelang in wenigen hundert Metern Entfernung zum Stadtzentrum gelagert wurde.<\/p>\n<p>Bereits im Oktober 2013 war der unter moldawischer Flagge fahrende Frachter &quot;Rhosus&quot; mit 2750 Tonnen des hochexplosiven Stoffs Ammoniumnitrat auf dem Weg von Georgien nach Mosambik im Mittelmeer unterwegs gewesen. Der Stoff wird zur Herstellung von D\u00fcngemitteln und Sprengstoff genutzt. <\/p>\n<h3>Die &quot;schwimmende Bombe&quot;<\/h3>\n<p>Vermutlich wegen eines Maschinenschadens hatte die &quot;Rhosus&quot; den Hafen von Beirut angelaufen. Ausweislich eines Berichts des Monitordienstes FleetMon vom Juli 2014 war das Schiff anschlie\u00dfend in Beirut festgesetzt worden. Die vierk\u00f6pfige Besatzung, ein Russe, drei Ukrainer, durften das Schiff nicht verlassen. Niemand f\u00fchlte sich verantwortlich, die &quot;schwimmende Bombe&quot; wieder flottzumachen: Der Besitzer, ein Russe mit Wohnsitz auf Zypern, &quot;kommuniziert nicht, schickt keine Geh\u00e4lter, keine Unterst\u00fctzung&quot;, so FleetMon damals. Der Besitzer der Ladung habe sie als aufgegeben gemeldet. Aber auch die libanesischen Beh\u00f6rden unternahmen nichts, um der &quot;Rhosus&quot; das Verlassen des Hafens wieder zu erm\u00f6glichen. Nach einem l\u00e4ngeren Rechtsstreit durfte die Crew ausreisen, das Schicksal des Schiffes ist unbekannt.<\/p>\n<p>Die Ladung wurde 2015 an Land gebracht: in jene Lagerhalle 12, die Dienstag erst in Brand geriet, dann zum Epizentrum jener gewaltigen Explosion wurde. Die Halle war nicht besonders gesichert oder klimatisiert, wie das Sicherheitsstandards zur Lagerung von Ammoniumnitrat in anderen L\u00e4ndern vorsehen. <\/p>\n<p>Warum wurde die Ladung nicht an einen anderen Ort gebracht? Ein undatierter Aktenvermerk &#8211; mutma\u00dflich von der Hafenbeh\u00f6rde &#8211; f\u00fchrt auf, dass es 2014, 2015, 2016 und 2017 Antr\u00e4ge gegeben habe, die hochgef\u00e4hrliche Fracht aus dem Hafengel\u00e4nde herauszuschaffen, sie &quot;entweder an den Entsender zur\u00fcckzuschicken oder die notwendigen Schritte einzuleiten, sie an eine auf Sprengstoffe spezialisierte libanesische Firma verkaufen zu k\u00f6nnen&quot;. <\/p>\n<p>Nichts davon geschah. Bis es zu sp\u00e4t war. <\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der Verw\u00fcstungen ist bislang noch nicht g\u00e4nzlich absehbar: Zwar sind nur wenige Geb\u00e4ude g\u00e4nzlich eingest\u00fcrzt. Aber in mehreren Kilometern Umkreis zerschmetterte die Druckwelle Fenster, Fassaden, Inneneinrichtungen, was die enorme Zahl von Verletzten erkl\u00e4rt. <\/p>\n<p>Die Katastrophe hat das Land im Moment der ohnehin schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte getroffen. Schon zuvor arbeiteten die Krankenh\u00e4user am Rand ihrer Kapazit\u00e4ten, da sich durch den W\u00e4hrungsabsturz die Preise f\u00fcr Importg\u00fcter vervielfacht haben oder sie schlicht gar nicht mehr ins Land kommen. Jetzt sind mehrere der gro\u00dfen Kliniken schwer besch\u00e4digt, manche verweigerten Dienstagabend Verletzten den Zutritt auch aus Furcht um die Statik der Geb\u00e4ude. <\/p>\n<p>Dass die Explosion zudem den gr\u00f6\u00dften Getreidespeicher des Landes zerst\u00f6rt hat, wird die angespannte Versorgungslage weiter versch\u00e4rfen. Dass der Libanon unter einer steigenden Zahl von Corona-Infektionen leidet, spielt da im Moment kaum eine Rolle. <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude nach der Explosion im Hafen von Beirut Foto:\u2002-\/ AFP Noch ist nicht bekannt, was der Ausl\u00f6ser der furchtbarsten Explosion war, die Libanons Hauptstadt Beirut je ersch\u00fcttert hat. Weder was den ersten Brand verursachte, noch was die Serie kleinerer Explosionen in Lagerhaus 12 des Hafens von Beirut ausl\u00f6ste. 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