{"id":162,"date":"2020-05-28T22:12:28","date_gmt":"2020-05-28T19:12:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mordverdachtige-erzieherin-in-viersen-atemnot-beim-mittagsschlaf\/"},"modified":"2020-05-28T22:12:28","modified_gmt":"2020-05-28T19:12:28","slug":"mordverdachtige-erzieherin-in-viersen-atemnot-beim-mittagsschlaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/mordverdachtige-erzieherin-in-viersen-atemnot-beim-mittagsschlaf\/","title":{"rendered":"Mordverd\u00e4chtige Erzieherin in Viersen: Atemnot beim Mittagsschlaf"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/cfd8922b-0f46-46c1-a0a9-3f2f7daed5db_w948_r1.77_fpx47.84_fpy49.98.jpg\" title=\"Bemalte Steine vor der Kita &quot;Am Steinkreis&quot;\" alt=\"Bemalte Steine vor der Kita &quot;Am Steinkreis&quot;\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Bemalte Steine vor der Kita &quot;Am Steinkreis&quot;<\/p>\n<p> Sascha Rixkens\/ dpa <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor dem Eingang der Kindertageseinrichtung &quot;Am Steinkreis&quot; in Viersen gehen am Donnerstagmittag zwei Sicherheitsm\u00e4nner in schwarzer Kleidung auf und ab. Ihre Pr\u00e4senz ist offenbar n\u00f6tig geworden. Wer in der Kita nichts verloren hat, soll drau\u00dfen bleiben. So l\u00e4sst sich ihr Gesichtsausdruck deuten.<\/p>\n<p>Gerade kommt ein Vater mit seiner Tochter aus der T\u00fcr. Sie gehen an Dutzenden kleinen Steinen vorbei, die die Menschen in einer Reihe auf den Boden gelegt haben. Sie sind mit Herzchen und Engel bemalt. Auf einem Stein steht: &quot;In liebevoller Erinnerung&quot;.<\/p>\n<p>Was vor ein paar Wochen in der integrativen Kindertageseinrichtung in Viersen passierte, hat das Land geschockt. Ein M\u00e4dchen soll am 21. April von einer Erzieherin so schwer verletzt worden sein, dass sie es nicht \u00fcberlebte. Der Notarzt kam, brachte das Kind ins Krankenhaus. Doch seine Verletzungen waren so gravierend, dass das Kind am 4. Mai starb. Das M\u00e4dchen, ihr Name war Greta, wurde drei Jahre alt.<\/p>\n<h3>Tod durch Fremdeinwirkung<\/h3>\n<p>Die Obduktion ergab sp\u00e4ter, dass Greta durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen war. Deswegen nahm die Polizei vergangene Woche eine 25 Jahre alte Erzieherin fest, sie sitzt in Untersuchungshaft. Und im Raum steht ein ungeheuerlicher Vorwurf: Mord.<\/p>\n<p>Bislang hielten sich die Polizei und die Staatsanwaltschaft in M\u00f6nchengladbach mit Details zu dem Fall zur\u00fcck, f\u00fcr Donnerstagnachmittag hatte man dann zu einer ersten Pressekonferenz ins Polizeipr\u00e4sidium geladen.<\/p>\n<h3>&quot;Das bereitet einigen von uns schlaflose N\u00e4chte&quot;<\/h3>\n<p>Auf dem Podium vor den Mikrofonen sitzen drei Herren mit versteinerten Gesichtern. Schnell wird klar: Bei den Ermittlungen gegen die beschuldigte Erzieherin blicken die Beamtinnen und Beamten in einen Abgrund.<\/p>\n<p>Manfred Joch, der Leiter der Direktion Kriminalit\u00e4t, dr\u00fcckt es zu Beginn seiner Ausf\u00fchrungen so aus: &quot;Das hier f\u00fchrt zu gro\u00dfer Betroffenheit, selbst bei hart gesottenen Ermittlern.&quot; Und Guido Ro\u00dfkamp, der Chef der Mordkommission, sagt: &quot;Das bereitet einigen von uns schlaflose N\u00e4chte, die Ermittler nehmen diesen Fall pers\u00f6nlich. Auch die, die keine kleinen Kinder haben.&quot;<\/p>\n<p>Der Grund: Vieles deutet darauf hin, das die Erzieherin im April vors\u00e4tzlich gehandelt hat. Mehr noch: Der Mordkommission liegen Indizien daf\u00fcr vor, dass die Frau in den vergangenen Jahren in verschiedenen Kitas in der Region immer wieder lebensgef\u00e4hrliche \u00dcbergriffe auf kleine Kinder ver\u00fcbte. Meistens, so sieht es derzeit aus, ging sie dabei gleich vor. Die Ereignisse sollen bis ins Jahr 2017 zur\u00fcckreichen.<\/p>\n<h3>Weitere F\u00e4lle in anderen Kitas<\/h3>\n<p>Die Beamten in M\u00f6nchengladbach ermittelten zuletzt an drei ehemaligen Arbeitsstellen der Frau, in Kitas in Krefeld, Kempen und T\u00f6nisvorst. Am 29. Oktober 2019 erlitt ein M\u00e4dchen in einer Kita in T\u00f6nisvorst einen Atemstillstand, sie kam in eine Klinik. Zuvor soll das Kind zusammen mit der Beschuldigten an der Wickelstation gewesen sein.<\/p>\n<p>Im November 2017 soll es in einer Kita in Krefeld zu einem m\u00f6glichen \u00dcbergriff gekommen sein. Die Erzieherin absolvierte in der Kita ihr Anerkennungsjahr. W\u00e4hrend der Mittagszeit rief die Beschuldigte andere Erzieherinnen herbei, es ging um einen Jungen, der gerade seinen Mittagsschlaf machte. &quot;Mit dem ist etwas nicht in Ordnung&quot;, soll die Beschuldigte ihren Kolleginnen gesagt haben. Das Kind soll nicht ansprechbar gewesen sein, seine Augen soll es merkw\u00fcrdig verdreht haben. Der Junge kam mit dem Notarzt ins Krankenhaus, die \u00c4rzte konnten die Ursache f\u00fcr seinen Zustand nicht finden. So berichten es die Polizisten bei der Pressekonferenz.<\/p>\n<p>Auch in einer Kita in Kempen, wo die Erzieherin zwischen August 2018 und Juli 2019 arbeitete, bekam ein zweij\u00e4hriger Junge w\u00e4hrend des Mittagsschlafs pl\u00f6tzlich Atemnot. Wieder soll die Beschuldigte direkt beteiligt gewesen sein. &quot;Wir gehen davon aus&quot;, sagt Ro\u00dfkamp, &quot;dass sie meistens \u00e4hnlich gehandelt hat.&quot;<\/p>\n<p>Die Kinder, an denen die Frau in T\u00f6nisvorst, Krefeld und Kempen die \u00dcbergriffe begangen haben soll, \u00fcberlebten. Greta aber nicht.<\/p>\n<h3>Rote Punkte auf den Augenlidern<\/h3>\n<p>Ein Arzt der Kinderklinik in Viersen meldete sich Ende April bei der Polizei. Ihm waren bei dem M\u00e4dchen, das zu diesem Zeitpunkt noch lebte, sogenannte Petechien aufgefallen, kleine, rote Punkte auf den Augenlidern und im Gesicht, die durch Sauerstoffmangel entstehen k\u00f6nnen. Am Tag darauf \u00fcbernahm die Mordkommission die Ermittlungen. Die Mutter von Greta soll ihr Kind als &quot;aktiv und gesund&quot; beschrieben haben, das erz\u00e4hlen die Beamten.<\/p>\n<p>Mitte Mai wurde auch die Beschuldigte vernommen. Was geschah an jenem 21. April in der Kita?<\/p>\n<p>Laut der Aussage der Erzieherin habe sie w\u00e4hrend des Mittagsschlafs des M\u00e4dchens festgestellt, dass das Kind nicht mehr atmen w\u00fcrde. Sie habe andere Erzieherinnen alarmiert, der K\u00f6rper von Greta soll zu diesem Zeitpunkt schon &quot;blass und blau&quot; gewesen sein, sagen die Ermittler. Die Beschuldigte habe das Kind reanimiert, dann kam der Notarzt. Doch Greta kam nicht wieder zu Bewusstsein, am 4. Mai wurde im Krankenhaus ihr Hirntod festgestellt.<\/p>\n<h3>Inzwischen verweigert die beschuldigte Erzieherin die Aussage<\/h3>\n<p>&quot;Sie hat sehr abgekl\u00e4rt \u00fcber die Ereignisse gesprochen&quot;, sagt Ro\u00dfkamp \u00fcber die Vernehmung. Die Staatsanwaltschaft M\u00f6nchengladbach ermittelt jetzt wegen des Verdachts auf heimt\u00fcckischen Mord, inzwischen verweigert die Erzieherin die Aussage.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne derzeit &quot;keine Angaben zum Tathergang&quot; in der Kita in Viersen machen, sagt Ro\u00dfkamp. Ein Motiv? Auch dazu kann der Leiter der Mordkommission zurzeit nichts sagen. Allerdings, erz\u00e4hlt Ro\u00dfkamp, sei man im Zusammenhang mit der Beschuldigten auf ein Verfahren aus dem Jahr 2019 gesto\u00dfen. Damals soll die Frau behauptet haben, im Wald von einem Mann mit einem Messer im Gesicht verletzt worden zu sein. Gerichtsmediziner stellten sp\u00e4ter jedoch fest, dass sich die Frau die Verletzungen wohl selbst zugef\u00fcgt hatte. Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelte gegen sie, es ging um das Vort\u00e4uschen einer Straftat. Am Ende wurden die Ermittlungen aber eingestellt.<\/p>\n<p>In der Kita in Krefeld, berichtet Kripo-Chef Joch, sei allen schnell klar gewesen, dass die Erzieherin den falschen Job gew\u00e4hlt habe. &quot;Man hat sich dort gewundert, warum ein Mensch, dem offenbar jeder Zugang zu Kindern fehlt, sich so einen Beruf raussucht&quot;, sagt Joch. Laut den Aussagen der fr\u00fcheren Kolleginnen und Kollegen fehle es der Beschuldigten an Empathie. Jemand, der mit ihr gearbeitet hat, soll es so beschrieben haben: &quot;Die w\u00e4re selbst dann nicht dazwischen gegangen, wenn zwei Kinder mit Eisenst\u00f6cken aufeinander losgegangen w\u00e4ren.&quot;<\/p>\n<p>Am Ende ihres Anerkennungsjahrs in Krefeld soll die Frau ein schlechtes Zeugnis bekommen haben. Man habe ihr bescheinigt, so berichtet es Joch, dass sie wenig geeignet sei f\u00fcr den Beruf der Erzieherin. Warum sie trotzdem noch fast zwei Jahre lang in anderen Kitas immer wieder einen Job fand?<\/p>\n<p>Im Polizeipr\u00e4sidium in M\u00f6nchengladbach erz\u00e4hlen die Ermittler auch von Kitakindern, die vor der Erzieherin Angst gehabt haben sollen. Von Kindern, die ihretwegen nicht mehr in die Kita gehen wollten. Je l\u00e4nger die Pressekonferenz dauert, desto klarer wird die Frage, die \u00fcber allem steht: Warum konnte diese Frau so lange in Kindertageseinrichtungen arbeiten, ohne dass jemand auffiel, dass sie offenbar gef\u00e4hrlich ist?<\/p>\n<p>Es fehlen noch viele Antworten in diesem Fall. <\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Bemalte Steine vor der Kita &quot;Am Steinkreis&quot; Sascha Rixkens\/ dpa Vor dem Eingang der Kindertageseinrichtung &quot;Am Steinkreis&quot; in Viersen gehen am Donnerstagmittag zwei Sicherheitsm\u00e4nner in schwarzer Kleidung auf und ab. 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