{"id":15973,"date":"2022-11-06T11:15:59","date_gmt":"2022-11-06T08:15:59","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/cop27-in-agypten-was-von-der-weltklimakonferenz-zu-erwarten-ist\/"},"modified":"2022-11-06T11:15:59","modified_gmt":"2022-11-06T08:15:59","slug":"cop27-in-agypten-was-von-der-weltklimakonferenz-zu-erwarten-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/cop27-in-agypten-was-von-der-weltklimakonferenz-zu-erwarten-ist\/","title":{"rendered":"COP27 in \u00c4gypten: Was von der Weltklimakonferenz zu erwarten ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Vermeintlich ehrgeizig versprachen fast 200 L\u00e4nder, ihre Klimaziele gr\u00fcndlich aufzupolieren. Daraus geworden ist fast nichts. Bringt die anstehende Weltklimakonferenz endlich die Wende?  <\/p>\n<p>Jedes Jahr m\u00fcssen fast 200 L\u00e4nder die Klima-Karten auf den Tisch legen. In diesem Jahr treffen sie sich im \u00e4gyptischen Badeort Scharm al-Scheich. Die Vorzeichen sind denkbar schlecht: Die Energiekrise, befeuert durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, treibt die Welt zur\u00fcck zu fossilen Energien. Die Beziehungen zwischen den USA und China sind auf einem Tiefpunkt. Und die \u00fcberraschend ehrgeizigen Versprechen der vergangenen Weltklimakonferenz haben sich nahezu in Luft aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Kann die diesj\u00e4hrige Weltklimakonferenz dennoch zum Erfolg werden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.<\/p>\n<h3>Was ist die Weltklimakonferenz?<\/h3>\n<p>Die Weltklimakonferenz tritt j\u00e4hrlich zusammen, immer in einem anderen Land. COP steht f\u00fcr \u00bbConference of the Parties\u00ab, also die Konferenz der Parteien \u2013 gemeint sind jene Staaten, die die sogenannte Klima-Rahmenkonvention unterschrieben haben. Die erste COP fand 1995 in Berlin statt. Angela Merkel war damals die deutsche Verhandlungsf\u00fchrerin, als Umweltministerin unter Kanzler Helmut Kohl.<\/p>\n<p>Dieses Jahr trifft man sich in \u00c4gypten zum 27. Mal \u2013 daher COP27. Die Konferenz mit fast 200 Staaten beginnt am Sonntag und dauert zwei Wochen. Etwa 45.000 Menschen werden in Scharm al-Scheich erwartet, darunter Regierungsvertreter, Journalistinnen und Klimasch\u00fctzer. Kommen tats\u00e4chlich so viele Menschen, w\u00e4re es die gr\u00f6\u00dfte Weltklimakonferenz aller Zeiten.<\/p>\n<h3>Worum geht es bei dieser Klimakonferenz \u2013 und warum ist sie wichtig?<\/h3>\n<p>Die Konferenz startet von einer denkbar angespannten Ausgangslage. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise treibt viele Staaten dazu, verst\u00e4rkt auf klimasch\u00e4dliche Kohle zu setzen und den Verbrauch von Sprit und Gas mit Milliarden zu subventionieren. Au\u00dferdem \u00fcberschatten politische Spannungen zwischen den USA und China die Konferenz.<\/p>\n<p>Lambert Schneider, der zur EU-Verhandlungsdelegation in Scharm al-Scheich geh\u00f6rt, h\u00e4lt eine Zusammenarbeit mit Russland und China dennoch f\u00fcr m\u00f6glich. Zumindest wenn es um technische Fragen geht. \u00bbChina hat die ganzen letzten Jahre auf dieser technischen Ebene konstruktiv mitverhandelt\u00ab, sagte Lambrecht bei einem Pressegespr\u00e4ch zum Start der COP27            .<\/p>\n<p>Die Probleme k\u00f6nnten kaum dr\u00e4ngender sein: Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht eigentlich vor, die Erw\u00e4rmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen oder mindestens auf deutlich unter zwei Grad. Gelingt das nicht, bef\u00fcrchten Klimaforscherinnen und Forscher das \u00dcberschreiten von Kippelementen                                       , die das Klima vollends aus dem Gleichgewicht bringen und eine ganze Kaskade unkontrollierter Kettenreaktionen ausl\u00f6sen k\u00f6nnten \u2013 ein Dominoeffekt, der sich nicht mehr aufhalten lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Im Moment ist die Staatengemeinschaft weit davon entfernt, das vereinbarte Ziel zu erreichen. Laut Weltklimarat IPCC m\u00fcssten daf\u00fcr die weltweiten Emissionen 2025 ihren H\u00f6hepunkt erreichen und danach z\u00fcgig sinken \u2013 bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019. Sp\u00e4testens zum Start der Konferenz m\u00fcssten also ehrgeizigere Klimaziele her, die viele Staaten jedoch schuldig bleiben.<\/p>\n<p>Geht es so weiter, d\u00fcrfte sich die Welt bis 2100 um mindestens 1,8 Grad erw\u00e4rmen \u2013 und das ist schon das g\u00fcnstigste Szenario. Als wahrscheinlicher gilt jedoch ein Plus von 2,5 Grad, hei\u00dft es vom Uno-Klimasekretariat. Analysen des Thinktanks \u00bbClimate Action Tracker\u00ab kommen zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis. Derzeit ist die Welt in keinem Bereich auf Kurs f\u00fcr das 1,5-Grad-Ziel, hei\u00dft es in einem aktuellen Bericht mehrerer Klima-Initiativen.<\/p>\n<h3>Was sind die Knackpunkte?<\/h3>\n<p>Bei der vergangenen Weltklimakonferenz in Glasgow hatten viele L\u00e4nder bahnbrechende Klimaziele versprochen, ein Lippenbekenntnis wie sich nun zeigt. \u00bbDer Plan ist leider nicht aufgegangen\u00ab, sagte Niklas H\u00f6hne vom New Climate Institute K\u00f6ln, der in Scharm al-Scheich dabei sein wird. \u00bbDa hat sich quasi nichts getan im letzten Jahr.\u00ab<\/p>\n<p>Die Staaten haben die selbst gesetzten Fristen immer wieder gerissen. Urspr\u00fcnglich sollte jedes der teilnehmenden L\u00e4nder schon 2020 ehrgeizigere Klimaziele pr\u00e4sentieren. Wegen der Coronakrise gab es einen Aufschub bis 2021, doch selbst bis dahin legten nur 23 Staaten von fast 200 neue Pl\u00e4ne vor.<\/p>\n<p>Die meisten Regierungen haben ihre nationalen Pl\u00e4ne zum Klimaschutz dagegen nicht nachgesch\u00e4rft. Der Ausstieg aus Kohle, \u00d6l und Gas wird verschleppt, der Umbau von Verkehr und Landwirtschaft vernachl\u00e4ssigt. Vor allem China gibt d\u00fcnne Versprechen: Erst 2060 will das Land mit dem mengenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften CO2-Aussto\u00df klimaneutral sein \u2013 zehn Jahre sp\u00e4ter als die meisten Industrienationen.<\/p>\n<p>Selbst die deutsche Delegation, die eigentlich als Treiberin beim Klimaschutz gilt, kann nur mit einer durchwachsenen Klimabilanz aufwarten. Das Emissionsziel f\u00fcr 2021 ist verfehlt, stillgelegte Kohlekraftwerke gehen wegen der Energiekrise wieder ans Netz und die FDP dr\u00e4ngt darauf, dass nicht mehr jeder Sektor feste Klimaziele erf\u00fcllen muss . Selbst die Klimaziele f\u00fcr 2030 drohen zu scheitern. \u00bbMit einem \u203aWeiter so\u2039 werden wir die Klimaziele f\u00fcr das Jahr 2030 definitiv nicht erreichen\u00ab, mahnte der Expertenrat der Bundesregierung am Freitag.<\/p>\n<p>Und auch in anderer Hinsicht ist die COP27 eine Konferenz, die geplatzte Versprechen gerader\u00fccken soll. Die Industriestaaten haben sich eigentlich verpflichtet, \u00e4rmere L\u00e4nder beim Klimaschutz zu unterst\u00fctzen, bis 2020 sollte das Budget auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen. Tats\u00e4chlich erreicht wurden aber nur 83,3 Milliarden Dollar und es gibt Zweifel, dass das im kommenden Jahr anders sein wird. \u00bbDamit ist ein zentrales Versprechen in der internationalen Klimapolitik gebrochen worden\u00ab, sagte Wolfgang Obergassel vom Wuppertaler Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie. Das werde die Verhandlungen belasten.<\/p>\n<p>Der Bruch des 100-Milliarden-Dollar-Versprechens hat gerade \u00e4rmere L\u00e4nder verprellt, der Frust ist entsprechend gro\u00df. \u00bbEs herrscht ein Mangel an Vertrauen\u00ab, sagte der Gastgeber \u00c4gyptens Au\u00dfenminister Samih Schukri vor Beginn der Konferenz.<\/p>\n<h3>Wann w\u00e4re die COP27 erfolgreich?<\/h3>\n<p>Gastgeber \u00c4gypten ist entschlossen, in diesem Jahr einen Agenda-Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, vor dem sich die Industrienationen bislang str\u00e4uben. Denn er k\u00f6nnte f\u00fcr sie unbezahlbar teuer werden.<\/p>\n<p>Bisher machen reichere L\u00e4nder Geld locker, wenn Entwicklungsl\u00e4nder in den Klimaschutz investieren oder sich gegen die Auswirkungen sch\u00fctzen. Doch wer bezahlt, wenn der Schaden angerichtet ist? Wenn Extremwetter, angeheizt vom Klimawandel, Landstriche verw\u00fcsten, D\u00fcrren \u00c4cker unfruchtbar machen, der steigende Meeresspiegel Menschen aus ihrer Heimat treibt?<\/p>\n<p>Wenn es nach den besonders betroffenen Entwicklungsl\u00e4ndern geht, sollten die bezahlen, die haupts\u00e4chlich f\u00fcr den menschengemachten Klimawandel verantwortlich sind: Die L\u00e4nder, die am meisten Treibhausgase in die Luft blasen. Bisher spielte das Thema der sogenannten \u00bbLoss and Damage\u00ab (\u00fcbersetzt in etwa Verlust und Schaden) eine Nebenrolle, eine sehr kleine Nebenrolle noch dazu. In all den Jahren der Klimaverhandlungen gab es nie einen Fonds f\u00fcr klimabedingte Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Kein Wunder, es k\u00f6nnte ein Fass ohne Boden werden. \u00bbInsbesondere die USA sind da sehr zur\u00fcckhaltend\u00ab, sagte Klimaexperte H\u00f6hne. Schlie\u00dflich k\u00f6nne die ben\u00f6tigte Summe endlos sein, wenn ganze L\u00e4nder nicht mehr bewohnbar sind. Allein die Monsunregen, die im Sommer ein Drittel Pakistans unter Wasser setzten und mindestens 1600 Menschen das Leben kosteten, verursachten Sch\u00e4den von zehn Milliarden Dollar. Deutschland kostet der Klimawandel im Schnitt etwa 6,6 Milliarden Euro pro Jahr, sch\u00e4tzt das Prognos-Institut.<\/p>\n<p>Entwicklungsl\u00e4nder dr\u00e4ngen darauf, die Frage des Loss und Damage kurzfristig auf die Agenda zu setzen. Schon am ersten Tag der Konferenz droht also ein Streit losbrechen, wor\u00fcber \u00fcberhaupt verhandelt werden soll. Es w\u00e4re deshalb bereits ein Erfolg, wenn die Industrienationen das Thema nicht abschmettern, zu konkreten Zusagen d\u00fcrften sie sich aber nicht hinrei\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00fcssen uns klarmachen, was so eine Konferenz \u00fcberhaupt leisten kann\u00ab, sagte Obergassel. Schlie\u00dflich k\u00f6nne jedes Land souver\u00e4n \u00fcber die eigenen Klimaziele entscheiden. Dass die Staaten aber jedes Jahr gezwungen werden, Rechenschaft \u00fcber ihre Klimaschutzpl\u00e4ne abzulegen und so das Thema Klimaschutz wieder ganz oben auf die politische Agenda zu katapultieren, sei schon ein Erfolg. \u00bbDas allerwichtigste w\u00e4re f\u00fcr mich, dass die Konferenz das Thema Klimaschutz wieder an Nummer 1 setzt, vor die Energiekrise\u00ab, sagte auch H\u00f6hne.<\/p>\n<p>Angesichts der Ausgangslage haben viele ihre Erwartungen an den Gipfel heruntergeschraubt. Eigentlich soll auch am Ende dieser Konferenz ein Abschlussdokument stehen, in dem die Staatengemeinschaft darlegt, wie sie das 1,5-Grad-Ziel erreichen will. Doch selbst das k\u00f6nnte platzen. Auch Bundesau\u00dfenministerin Annalena Baerbock wirkt ern\u00fcchtert. Gefragt, welches Minimalziel die Bundesregierung bei der Weltklimakonferenz erwartet, antwortete die Gr\u00fcnen-Politikerin: \u00bbDas sie stattfindet.\u00ab<\/p>\n<p><em>Mit Material von dpa und AFP.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vermeintlich ehrgeizig versprachen fast 200 L\u00e4nder, ihre Klimaziele gr\u00fcndlich aufzupolieren. Daraus geworden ist fast nichts. Bringt die anstehende Weltklimakonferenz endlich die Wende? 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