{"id":158,"date":"2020-05-28T16:57:14","date_gmt":"2020-05-28T13:57:14","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-verwechslung-weshalb-lorne-grabher-vor-gericht-landete\/"},"modified":"2020-05-28T16:57:14","modified_gmt":"2020-05-28T13:57:14","slug":"donald-trump-verwechslung-weshalb-lorne-grabher-vor-gericht-landete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-verwechslung-weshalb-lorne-grabher-vor-gericht-landete\/","title":{"rendered":"Donald-Trump-Verwechslung: Weshalb Lorne Grabher vor Gericht landete"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/73f47dd5-23a4-42ea-8652-1e02b58bf804_w948_r1.77_fpx35.35_fpy50.jpg\" title=\"Grabher\" alt=\"Grabher\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p><strong>Grabher<\/strong><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Lorne Grabher, 71 Jahre alt, ist ein Mann, der an Recht und Ordnung glaubt. Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter in Sydney in der kanadischen Provinz Nova Scotia, 27 Jahre lang. Aber sein Glaube bekam Risse, als er pl\u00f6tzlich selbst vor einer Richterin stand.<\/p>\n<p>Es begann im Dezember 2016, zwei Monate nachdem die &quot;Washington Post&quot; w\u00e4hrend des US-Wahlkampfs berichtet hatte, dass Donald Trump stolz darauf sei, Frauen ungefragt in den Schritt greifen zu k\u00f6nnen. Die Zeitung hatte online ein Video aus dem Jahr 2005 ver\u00f6ffentlicht, in dem Trump damit prahlte: &quot;Grab them by the pussy. You can do anything.&quot; Jugendfrei \u00fcbersetzt: &quot;Greif ihnen zwischen die Beine. Du kannst alles mit ihnen machen.&quot; Trump bestritt die Vorw\u00fcrfe nicht, versuchte aber, sie herunterzuspielen, er nannte seine Aussagen &quot;locker room talk&quot;, &quot;Umkleidekabinengerede&quot;. Kurze Zeit sp\u00e4ter erhielt Grabher seinen Brief von der Kfz-Zulassungsstelle.<\/p>\n<p>Es war ein kurz gehaltenes Schreiben, das die Chefin des Amtes an Grabher adressiert hatte. Sie lie\u00df Grabher wissen, dass sich jemand \u00fcber das Nummernschild seines Autos beschwert und er sich nun um ein neues Schild zu k\u00fcmmern habe, innerhalb von f\u00fcnf Wochen. Grabher war, gelinde gesagt, \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>In Kanada und auch in den USA sind auf Nummernschildern \u00fcblicherweise mehrere Buchstaben und Ziffern zu sehen, Wunschkennzeichen sind allerdings m\u00f6glich. FCKTRMP zum Beispiel. Oder ASSMAN.<\/p>\n<p><strong>Das Nummernschild GRABHER wird von Lorne Grabhers Familie seit 30 Jahren an verschiedenen Autos genutzt, <\/strong>und nie hatte irgendjemand irgendetwas daran auszusetzen, sagt Grabher. Er selbst habe das Schild beantragt, als Geschenk f\u00fcr seinen Vater, Herman Charles Grabher, zu lesen mit langem A. Grabhers Familie stammt aus \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Die Leiterin der Zulassungsstelle teilte Grabher nicht mit, wer sich beschwert hatte, nur den Grund. Sein Name k\u00f6nnte von Passanten interpretiert werden als eine Aufforderung, als &quot;sozial unakzeptabler Slogan&quot;, so formulierte sie es. Sie sah darin offenbar eine Anspielung auf Trumps Spruch &quot;Grab her&quot;.<\/p>\n<p>Er sei emp\u00f6rt gewesen, erz\u00e4hlt Grabher am Telefon. Sein Familienname sei kein Slogan, und er sei auch nicht sozial inakzeptabel. Sein Name sei einfach sein Name, und er sei stolz auf ihn. Welche Assoziation Passanten h\u00e4tten, wenn sie sein Nummernschild lesen, sei nicht seine Sache. Jahr f\u00fcr Jahr habe er die Geb\u00fchr von 20 Dollar gezahlt, um das Schild weiter nutzen zu d\u00fcrfen. Nie sei GRABHER als Slogan gesehen worden. Nie habe es auch nur eine Beschwerde gegeben.<\/p>\n<p>Grabher weigerte sich, der Aufforderung Folge zu leisten, und versuchte, die Mitarbeiter der Zulassungsstelle umzustimmen. Sie blieben hart. Grabher suchte Hilfe bei einem \u00f6rtlichen Radiosender, das Interview h\u00f6rte ein Mitarbeiter des &quot;Justice Centre for Constitutional Freedoms&quot;. Der meldete sich bei Grabher, und bald darauf schrieb der Jurist der B\u00fcrgerrechtsorganisation im Namen Grabhers einen Brief an die Zulassungsstelle, nannte das Vorgehen &quot;diskriminierend&quot;, &quot;willk\u00fcrlich&quot; und &quot;unangemessen&quot;. Dieses Schreiben, formuliert im M\u00e4rz 2017, markiert den Moment, in dem Lorne Grabher Teil von etwas Gr\u00f6\u00dferem wurde, er wurde ein K\u00e4mpfer f\u00fcr die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p>Die juristischen Argumente der Nummernschildgegner f\u00fcllten mehrere Seiten, sie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Aussage auf einem Nummernschild ist nicht gesch\u00fctzt durch die Meinungsfreiheit, denn ein Nummernschild ist kein \u00f6ffentliches Forum, sondern gleicht einem offiziellen Dokument, auf dem nur das stehen darf, was der Staat f\u00fcr akzeptabel h\u00e4lt. Ohne zus\u00e4tzliche Informationen erschlie\u00dft sich beim Lesen von Lorne Grabhers Nummernschild nicht, dass es sich um einen Familiennamen handelt. Man kann es auch als Aufforderung zu sexueller N\u00f6tigung verstehen.<\/p>\n<p>Die Argumente von Grabher und der B\u00fcrgerrechtsorganisation lauteten: Das Transportministerium hat mit der Einf\u00fchrung von Wunschnummernschildern die M\u00f6glichkeit geschaffen, dass sich Fahrzeughalter individuelle Schilder anfertigen lassen, die etwas \u00fcber sie, ihre Werte oder auch ihre Familie aussagen.<\/p>\n<p>Nichts anderes habe Lorne Grabher getan. Das Nummernschild spiegele die Vergangenheit seiner Familie wider, es sei repr\u00e4sentativ f\u00fcr sie und k\u00f6nne deswegen auch nicht durch ein anderes Schild ersetzt werden. Au\u00dferdem gebe es auch andere Bezeichnungen im \u00f6ffentlichen Raum, die anst\u00f6\u00dfig klingen k\u00f6nnten, Ortsnamen beispielsweise wie &quot;Dildo&quot; auf der Insel Neufundland.<\/p>\n<p>Der Rechtsstreit begann vor mehr als drei Jahren, Sachverst\u00e4ndige wurden geh\u00f6rt. Die Provinz bat Carrie Rentschler, Professorin f\u00fcr feministische Medienforschung, um ein Gutachten, Grabhers Anwalt bot eine ehemalige Sexualforscherin auf, die auch im &quot;Playboy&quot; ver\u00f6ffentlicht hat. Richterin Darlene Jamieson wog die Argumente ab &#8211; und entschied Ende Januar im Sinne der Zulassungsstelle. Bei Nummernschildern endet ihrer Ansicht nach die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p>Grabher hat nun Berufung gegen das Urteil des Supreme Court von Nova Scotia eingelegt. Es geht ihm ums Prinzip. Sein Name steht allerdings immer noch an seinem Wagen, gut sichtbar, an zwei Stellen, auf der Front- und auf der Heckscheibe. &quot;Dagegen kann niemand etwas machen&quot;, sagt Grabher. Er klingt zufrieden. Scheiben sind keine Nummernschilder, es gilt die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Grabher Lorne Grabher, 71 Jahre alt, ist ein Mann, der an Recht und Ordnung glaubt. 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