{"id":1563,"date":"2020-08-01T20:51:33","date_gmt":"2020-08-01T17:51:33","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/berlin-reggae-gegen-rechts-und-pegidaflagge-bei-corona-protest\/"},"modified":"2020-08-01T20:51:33","modified_gmt":"2020-08-01T17:51:33","slug":"berlin-reggae-gegen-rechts-und-pegidaflagge-bei-corona-protest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/berlin-reggae-gegen-rechts-und-pegidaflagge-bei-corona-protest\/","title":{"rendered":"Berlin: Reggae gegen rechts und Pegidaflagge bei Corona-Protest"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/c9a79584-defc-4923-a25b-b0fa7153733e_w948_r1.77_fpx66.67_fpy50.jpg\" title=\"Demonstranten in Berlin: Neue Zielgruppen f\u00fcr Populisten\" alt=\"Demonstranten in Berlin: Neue Zielgruppen f\u00fcr Populisten\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Demonstranten in Berlin: Neue Zielgruppen f\u00fcr Populisten<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Paul Zinken\/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu Beginn der Kundgebung gegen die Corona-Politik legten die Demonstranten die Hand auf die Brust zur &quot;Herzmeditation&quot;. Dann forderte der Pegida-Redner Thorsten Schulte unter Jubel die Abdankung der Bundesregierung wegen der Corona-Ma\u00dfnahmen. Als die Demonstration aufgel\u00f6st wurde, weil sich kaum jemand an die Hygienema\u00dfnahmen hielt, skandierte die Menge: &quot;Wir sind das Volk&quot;. Ein Sprecher rief zu spontanen Kundgebungen auf. F\u00fcnf Erkenntnisse der Proteste.  <\/p>\n<h3>1. Breites Spektrum<\/h3>\n<p>Der Demonstrationszug durch Berlin-Mitte bestand aus einer verwirrenden Mischung von Leuten, die sonst nicht gemeinsam auf die Stra\u00dfe gehen. Da flatterten Regenbogenfahnen und Pegida-Flaggen nebeneinander. Auf einem Wagen stand: &quot;Reggae gegen rechts&quot;, nebenher lief eine junge Frau mit umgeh\u00e4ngter Pegida-Fahne. Esoteriker und Impfgegner waren auch darunter, stellten aber nicht die Mehrheit. Die Demonstranten riefen alte Slogans der Friedensbewegung und erinnerten dabei an die Stuttgart 21-Bewegung: wei\u00dfhaarig, eher gr\u00fcn, bildungsb\u00fcrgerlich. Als ein Passant wegen einer Reichskriegsflagge rief: &quot;Ihr marschiert mit Nazis!&quot;, antworteten Demonstranten nur: &quot;Was sollen wir tun, das ist Meinungsfreiheit!&quot;<\/p>\n<h3>2. Populistische Folklore<\/h3>\n<p>Im ersten Wagen des Demonstrationszuges stand ein Schwabe, der sonst Fahrraddemos gegen die Corona-Politik in Stuttgart organisiert. Gemeinsam mit seiner Frau streute Michael Ballweg unter Trommelmusik Aussteiger-Utopien unter die Leute. Viele w\u00fcrden ihre &quot;bl\u00f6den Jobs&quot; k\u00fcndigen und stattdessen mit anderen nach Bauernh\u00f6fen auf dem Land suchen, um dort gemeinsam zu leben. Der Mann sagte, er sei \u00fcberw\u00e4ltigt, mit welcher Liebe die Menschen hier seien. Das Publikum antwortet mit &quot;Liebe&quot;-Rufen.<\/p>\n<h3>3. Keine sachliche Kritik<\/h3>\n<p>Das Paar auf dem ersten Wagen las Grundrechte vor, die Demonstranten antworteten: &quot;Eingeschr\u00e4nkt!&quot; Es gab aber keine inhaltliche Rede, in der die realen Probleme der Coronakrise detailliert angesprochen wurden, etwa die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr K\u00fcnstler und Selbstst\u00e4ndige, die Nachteile f\u00fcr Studenten und Auszubildende. Die Auswirkungen f\u00fcr Familien oder Arbeitslose wurden allenfalls kurz angerissen. Es gab kaum Argumente, nur Stimmungsmache.<\/p>\n<h3><strong>4. Aufgeladene Atmosph\u00e4re<\/strong><\/h3>\n<p>Der Hauptredner der Kundgebung, Thorsten Schulte, bediente das \u00fcbliche Populistenvokabular, er zitierte Tacitus und sprach von &quot;zu vielen Gesetzen&quot; und &quot;Fremdbestimmung&quot;. Er nahm Bezug auf die erste Montagsdemo in Leipzig 1989. Da habe fast niemand geglaubt, dass kurze Zeit sp\u00e4ter die Wiedervereinigung komme. Dann wurde er kitschig und hielt das Buch &quot;Der kleine Prinz&quot; hoch: &quot;Man sieht nur mit dem Herzen gut.&quot; Die Demonstranten nannte er &quot;Kinder des Lichts&quot;. Und dann lief immer wieder aggressive, einpeitschende Technomusik aus den Boxen. Als die Veranstaltung aufgel\u00f6st werden sollte, appellierten die Redner auf der B\u00fchne an alle Polizeibeamten, die den Befehl bekommen h\u00e4tten, die Veranstaltung aufzul\u00f6sen: &quot;Verweigert den Befehl!&quot;<\/p>\n<h3>5. Neue Zielgruppen f\u00fcr Populisten<\/h3>\n<p>Mit seinen teils r\u00fchrseligen, teils populistischen Phrasen schaffte es Schulte, ein sehr gro\u00dfes und heterogenes Publikum anzusprechen. In der Coronakrise kann man beobachten, wie Populisten das Potenzial einer neuen Pegida-Bewegung wittern. Man muss aber zwischen Ideologen und Frustrierten unterscheiden. Die Frustrierten kommen nach ihrer Wahrnehmung im politischen Geschehen nicht richtig vor. Familien, \u00c4ltere, aber auch viele junge Leute, die sonst eher auf Festivals gehen. Ein Mann br\u00fcllt: &quot;Weg mit der Corona-Diktatur&quot; und erkl\u00e4rt dann, es sei gut, die Emotionen mal herauszulassen.<\/p>\n<p>All diese Leute als Verschw\u00f6rungsideologen auszugrenzen, l\u00f6st das Problem nicht, sondern es ist auch ein Grund daf\u00fcr, dass sie am Samstag so zahlreich auf die Stra\u00dfe gingen. Der Erfolg der Populisten beruht darauf, die Stimmung jenes Teils der Bev\u00f6lkerung aufzugreifen, der sich vernachl\u00e4ssigt f\u00fchlt. Das war beim Brexit so und bei den Pegida-M\u00e4rschen. Ein Fahrradfahrer mit Polohemd fuhr an den Demonstranten vorbei und sagte abf\u00e4llig: &quot;Ein Sammelbecken f\u00fcr Vollidioten.&quot;<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Die Populisten auf der B\u00fchne k\u00f6nnen sich damit br\u00fcsten, ein Massenpublikum angezogen zu haben. Angemeldet waren 10.000 Menschen, die Polizei z\u00e4hlte 17.000 Teilnehmer. Die Veranstalter selbst sprachen von 1,3 Millionen. Die Stimmung war teilweise explosiv. Jeder filmte jeden, Passanten hielten den Mittelfinger hoch. Die Gewinner sind auch die Rechtsextremen, die sich mit Reichsflagge strategisch geschickt unter die Demonstranten mischten: mal hier einer, mal da einer.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Demonstranten in Berlin: Neue Zielgruppen f\u00fcr Populisten Foto:\u2002Paul Zinken\/ dpa Zu Beginn der Kundgebung gegen die Corona-Politik legten die Demonstranten die Hand auf die Brust zur &quot;Herzmeditation&quot;. 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