{"id":15588,"date":"2022-10-20T19:25:54","date_gmt":"2022-10-20T16:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gros-stromkendorf-nach-brandanschlag-auf-fluchtlingsunterkunft-im-ort-herrscht-fassungslosigkeit\/"},"modified":"2022-10-20T19:25:54","modified_gmt":"2022-10-20T16:25:54","slug":"gros-stromkendorf-nach-brandanschlag-auf-fluchtlingsunterkunft-im-ort-herrscht-fassungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gros-stromkendorf-nach-brandanschlag-auf-fluchtlingsunterkunft-im-ort-herrscht-fassungslosigkeit\/","title":{"rendered":"Gro\u00df Str\u00f6mkendorf nach Brandanschlag auf Fl\u00fcchtlingsunterkunft: Im Ort herrscht Fassungslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Polizei geht von einem politischen Anschlag auf das Fl\u00fcchtlingsheim in Gro\u00df Str\u00f6mkendorf aus. Der kleine Ort ist ersch\u00fcttert \u2013 wie passt der Brand zu all der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit bislang?  <\/p>\n<p>Der Gasthof ist nur noch ein schwarzes Gerippe. Verkohlte Giebelbalken recken sich gen Himmel, m\u00fchsam gest\u00fctzt auf die Fassade des einst imposanten Geb\u00e4udes. Letzte Glutnester verschlingen das restliche Reet auf dem Dach. \u00bbIch kann nicht mehr\u00ab, sagt Thilo Rau, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Mecklenburg-Vorpommern, und sch\u00fcttelt den Kopf.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Mittwochabend brach in dem ehemaligen Hotel Sch\u00e4fereck, das seit dem Fr\u00fchjahr vom DRK als Fl\u00fcchtlingsunterkunft betrieben wird, ein Feuer aus. F\u00fcr Rau ein pers\u00f6nlicher Albtraum. Mehr noch f\u00fcr die Bewohner: 14 Ukrainerinnen und Ukrainer lebten hier, das j\u00fcngste Kind gerade ein Jahr alt. Sie versuchten noch, den Brand selbst zu l\u00f6schen, doch schnell stand das gesamte Dach des Hauses in Flammen. K\u00f6rperlich wurde niemand verletzt. Doch die wenigen Habseligkeiten der Kriegsfl\u00fcchtlinge verbrannten in dem Hotel, das ihnen eine sichere Zuflucht sein sollte. Das Geb\u00e4ude wurde komplett zerst\u00f6rt, es soll m\u00f6glichst bald abgerissen werden.<\/p>\n<p>Schnell war klar: Das war sehr wahrscheinlich Brandstiftung. Das Feuer ging von einem Loch im Dach des Geb\u00e4udes aus, das nicht nat\u00fcrlich entstanden sein kann, so die Einsch\u00e4tzung der Feuerwehr. Ein Brandsatz k\u00f6nnte hineingeworfen worden sein. Seitdem treibt Rau und seine Kollegen vom DRK die Frage um, ob ihre Sicht auf die Welt noch stimmt \u2013 vor allem seit der Sache mit dem Hakenkreuz.<\/p>\n<p>Erst wenige Tage vor dem Brand prangte auf einer Tafel vor der Unterkunft pl\u00f6tzlich eine Schmiererei. Unbekannte hatten das Logo des DRK als Hakenkreuz verunstaltet. \u00bbIch glaubte an einen Dummejungenstreich\u00ab, sagt Andrej Bondartschuk, Leiter der Fl\u00fcchtlingsunterkunft.<\/p>\n<p>Er wirkt blass, Schatten liegen dunkel unter seinen Augen. Bondartschuk stammt selbst aus der Ukraine, 2004 kam er nach Deutschland. \u00bbDas hier war eine Herzensangelegenheit. Mein Versuch, meinen Landsleuten zu helfen\u00ab, sagt er.<\/p>\n<p>In der Brandnacht k\u00e4mpfte er mit den Gefl\u00fcchteten noch selbst gegen die Flammen, drei oder vier Feuerl\u00f6scher habe er bis zum Eintreffen der Feuerwehr verbraucht, genau wisse er das nicht mehr, sagt Bondartschuk. \u00bbEs waren keine Glutnester mehr zu sehen.\u00ab Doch das Feuer habe auf den Dachstuhl \u00fcbergegriffen, die Feuerwehr habe keine Chance mehr gehabt.<\/p>\n<h3>Erinnerungen \u00bban ganz dunkle Zeiten\u00ab<\/h3>\n<p>Die Sache scheint auf den ersten Blick eindeutig: Ein Fl\u00fcchtlingsheim wird mit einem Hakenkreuz beschmiert, kurz darauf brennt es nieder. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund, der Staatsschutz hat die Ermittlungen in der Sache \u00fcbernommen. Auch Ministerpr\u00e4sidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich am Donnerstagvormittag vor Ort, ihre Botschaft: \u00bbMenschen, die vor Krieg fl\u00fcchten, brauchen unseren Schutz und unsere Unterst\u00fctzung. Hetze und Gewalt dulden wir nicht!\u00ab Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Julian Barlen, sagte, die Hakenkreuz-Funde vor Ort weckten 30 Jahre nach Lichtenhagen und M\u00f6lln Erinnerungen \u00bban dunkle Zeiten\u00ab.<\/p>\n<p>Doch Einrichtungsleiter Andrej Bondartschuk will nicht glauben, dass es sich um einen Anschlag von Rechtsextremen handelt. Noch nie habe es hier am Fl\u00fcchtlingsheim Probleme aus der Richtung gegeben. Im Gegenteil: Als die Unterkunft im vergangenen Fr\u00fchjahr den Betrieb aufnahm, habe man sich vor Spenden kaum retten k\u00f6nnen. \u00bbAm Ende mussten wir die Menschen bitten, uns nichts mehr zu bringen\u00ab, sagt Bondartschuk. Hinter dem Gasthof sei eigens ein Spielplatz entstanden, 30.000 Euro habe der gekostet, zum Gro\u00dfteil finanziert aus Spenden. Er sollte am morgigen Freitag eingeweiht werden.<\/p>\n<p>Auch Landrat Tino Schomann betont die gro\u00dfe Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort. Erst vor Kurzem habe man gemeinsam ein Sommerfest gefeiert. \u00bbAlle hier im Ort sind schockiert und sprachlos\u00ab, sagt Schomann.<\/p>\n<h3>\u00bbDas geht mir an die Nieren\u00ab<\/h3>\n<p>Gro\u00df Str\u00f6mkendorf ist eines von neun D\u00f6rfern der Gemeinde Blowatz, die insgesamt rund 1100 Einwohner z\u00e4hlt. Direkt neben dem Gasthof beginnt die Weite von Wiesen und Feldern, die Landwirtschaft pr\u00e4gt das Dorf. Am Zaun vor der Unterkunft hat sich eine Menschentraube gesammelt. Dabei ist auch Monika Feiereisen, 69 Jahre alt. Sie kennt den Gasthof Sch\u00e4fereck noch von fr\u00fcher, Feiereisen ist in Gro\u00df Str\u00f6mkendorf aufgewachsen. \u00bbDas geht mir an die Nieren\u00ab, sagt sie mit Tr\u00e4nen in den Augen. \u00bbUnser sch\u00f6nes Sch\u00e4fereck.\u00ab Fasching habe sie hier gefeiert, sei mit ihren Enkeln Eis essen gegangen. Der Gasthof sei ein Ort der Zusammenkunft f\u00fcr die Dorfbewohner gewesen, bis er vor einigen Jahren insolvent gegangen sei. Die Nutzung als Fl\u00fcchtlingsunterkunft habe sie begr\u00fc\u00dft, sagt Feiereisen. \u00bbHier aus dem Dorf macht keiner sowas\u00ab, ist sie sich sicher.<\/p>\n<p>Marean Eckert, 22, steht neben ihr und hat eine Vermutung. Eckert kommt aus dem nahe gelegenen Wismar und ist bei der Freiwilligen Feuerwehr \u2013 auch er wurde vergangene Nacht zu Hilfe gerufen. \u00bbEs geht das Ger\u00fccht herum, dass es jemand aus den eigenen Reihen war, jemand von der Feuerwehr.\u00ab Er hoffe, dass der T\u00e4ter bald gefunden werde, f\u00fcgt Eckert noch hinzu.<\/p>\n<p>Landrat Schomann verweist auf eine Reihe von ungekl\u00e4rten Br\u00e4nden aus dem vergangenen Sommer. Mehr als 15 solcher Eins\u00e4tze habe die Feuerwehr in der Region in den letzten Monaten gehabt. Erst in der vergangenen Woche habe eine Reetdachkate in der N\u00e4he in Flammen gestanden, ohne dass die Ursache erkennbar gewesen sei. Auch die Brandserie sei Teil der Ermittlungen, so die Polizei.<\/p>\n<p>DRK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rau hofft, dass sich der Verdacht des rechten Anschlags nicht best\u00e4tigt. \u00bbSo etwas f\u00e4rbt ab\u00ab, sagt Rau. Das h\u00e4tten die Bewohner von Gro\u00df Str\u00f6mkendorf nicht verdient, die seien alle \u00bbherzensgut\u00ab. Dann zuckt er mit den Schultern. \u00bbAber klar, der Verdacht liegt nahe.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Polizei geht von einem politischen Anschlag auf das Fl\u00fcchtlingsheim in Gro\u00df Str\u00f6mkendorf aus. 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