{"id":1524,"date":"2020-07-31T11:12:18","date_gmt":"2020-07-31T08:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wirtschaft-sturzt-ab-doch-tech-branche-boomt\/"},"modified":"2020-07-31T11:12:18","modified_gmt":"2020-07-31T08:12:18","slug":"us-wirtschaft-sturzt-ab-doch-tech-branche-boomt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wirtschaft-sturzt-ab-doch-tech-branche-boomt\/","title":{"rendered":"US-Wirtschaft st\u00fcrzt ab, doch Tech-Branche boomt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7c32f817-58e0-4bff-8ae5-328f3a05274f_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Wie in den Drei\u00dfigerjahren: Hungernde vor einer kirchlichen Essensausgabe in Minneapolis\" alt=\"Wie in den Drei\u00dfigerjahren: Hungernde vor einer kirchlichen Essensausgabe in Minneapolis\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wie in den Drei\u00dfigerjahren: Hungernde vor einer kirchlichen Essensausgabe in Minneapolis<\/p>\n<p>  Foto:\u2002KEREM YUCEL\/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Wirtschaftskollaps &#8211; historisch. Die Arbeitsmarktkrise &#8211; gigantisch. Und die Corona-Hilfen f\u00fcr Amerikaner in Not &#8211; fallen wohl Ende der Woche weg. Am Donnerstag jagte in den USA eine \u00f6konomische Hiobsbotschaft die andere. Tr\u00f6stende, ermutigende oder aufr\u00fcttelnde Worte kamen nicht aus Washington oder New York, sondern aus Atlanta.<\/p>\n<p>Dort wurde John Lewis beigesetzt, der demokratische Kongressabgeordnete und Held der B\u00fcrgerrechtsbewegung, der vor zwei Wochen gestorben war. Bei der Trauerfeier sprachen Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton, die letzten drei US-Pr\u00e4sidenten. Die eindrucksvollste Rede aber kam von Lewis&#039; Mentor, dem 91-j\u00e4hrigen Aktivisten Jim Lawson, ein Weggef\u00e4hrte von Martin Luther King.<\/p>\n<p>&quot;Wir werden nicht schweigen&quot;, donnerte Lawson in der Ebenezer Baptist Church, der alten Kirche Kings, &quot;solange unsere Wirtschaft von einem Plantagen-Kapitalismus gepr\u00e4gt ist, der weiterhin Vorherrschaft und Kontrolle schafft statt Freiheit und Gleichheit.&quot;<\/p>\n<p>Plantagen-Kapitalismus, das Wort hallt nach. Am Donnerstag zeigten gleich mehrere Wirtschaftsdaten, wie dramatisch die Coronakrise Amerikas Ungleichheit versch\u00e4rft, wer am meisten darunter leidet &#8211; und wer davon profitiert.<\/p>\n<p>Zu den Gewinnern geh\u00f6ren die Techgiganten Amazon, Apple, Google (Alphabet) und Facebook,  wie sich am Abend zeigte, als sie ihre Bilanzen vorlegten. Tags zuvor hatten sich die Vorstandschefs Jeff Bezos, Tim Cook, Sundar Pichai und Mark Zuckerberg noch im Kongress Raffgier und Monopoltricks vorhalten lassen m\u00fcssen. 24 Stunden sp\u00e4ter hatten sie schon wieder Anlass zur Freude &#8211; denn der Corona-Lockdown befl\u00fcgelt ihre Branche.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Der Umsatz von Amazon, dem zweitgr\u00f6\u00dften US-Arbeitgeber, explodierte um 40 Prozent auf fast 89 Milliarden Dollar.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Auch Apple \u00fcberraschte mit fast 60 Milliarden Dollar.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Facebook postete 18,7 Milliarden Dollar, fast zwei Milliarden mehr als im Fr\u00fchjahr 2019.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Nur Google-Mutterkonzern Alphabet erlitt den ersten Umsatzr\u00fcckgang seiner Geschichte, der allerdings auch nur schwach war: minus zwei Prozent auf 38,3 Milliarden Dollar.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Konzerne verdienten an Ger\u00e4ten, Apps, Onlinehandel und digitaler Werbung. Ihre Aktien schossen im nachb\u00f6rslichen Handel hoch, was ihre Chefs auf dem Papier noch reicher machte. Bezos ist der reichste Mann der Welt, mit einem Verm\u00f6gen von 114 Milliarden Dollar, Zuckerberg der f\u00fcnftreichste (67 Milliarden Dollar). Alphabet-Boss Pichai ist mit zuletzt 280 Millionen Dollar der bestbezahlte CEO Amerikas. Und gerade wegen Corona d\u00fcrfte dieser Trend weiter aufw\u00e4rtsgehen: &quot;Letztendlich glauben wir, dass diese gro\u00dfen Techunternehmen einen noch permanenteren R\u00fcckenwind haben&quot;, sagte Analyst Brent Thill dem &quot;Wall Street Journal&quot;.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber stehen Millionen Verlierer, wie sich Stunden zuvor noch einmal gezeigt hatte.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Ungeachtet des Techbooms erlitt die US-Volkswirtschaft insgesamt einen historischen Absturz: Im zweiten Quartal schrumpfte Amerikas Bruttoinlandsprodukt aufs Jahr gerechnet um 32,9 Prozent &#8211; der st\u00e4rkste Einbruch seit Beginn dieser Statistik 1947. Die Pandemie hat ein Drittel des Outputs vernichtet. &quot;Jetzt wissen wir, wie tief das Loch ist, aus dem wir uns herausbuddeln m\u00fcssen&quot;, schreibt die \u00d6konomin Aneta Markowska. &quot;Es wird zwei Jahre dauern, bis wir die Werte von vor Covid-19 wieder erreichen.&quot;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die fast zeitgleich ver\u00f6ffentlichten US-Arbeitslosenzahlen unterstrichen das. Fast 1,4 Millionen Amerikaner stellten vergangene Woche einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Das war die 19. Woche in Folge mit mehr als einer Million solcher Erstantr\u00e4ge, ebenfalls ein H\u00f6chstwert. Am schwersten betroffen sind Schwarze und Latinos. &quot;Wir stecken weiter in einer verzweifelten Lage&quot;, sagte die \u00d6konomin Diane Swonk der &quot;New York Times&quot;. &quot;Dies ist beispiellos.&quot;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Da zeitweise drei von vier Amerikanern unter Lockdown standen, brachen die Konsumausgaben ein, ein Motor der US-Konjunktur. Das Verbrauchervertrauen schwand. Jeder zweite US-Haushalt erlitt einen Einkommensverlust, in jedem zehnten gibt es nicht mehr genug zu essen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Coronakrise hat die USA erst in eine humanit\u00e4re Katastrophe gerissen, mit inzwischen mehr als 150.000 Toten, und nun in eine \u00f6konomische. Vergleichbar ist nur die <em>Great Depression<\/em> der Drei\u00dfigerjahre. Damals pr\u00e4gten lange Warteschlangen an den Suppenk\u00fcchen das US-Stra\u00dfenbild. Neun Jahrzehnte sp\u00e4ter sind diese Schlangen zur\u00fcckgekehrt, samt Schlangen an den Corona-Teststellen &#8211; nur sitzen die Leute diesmal in ihren Autos.<\/p>\n<p>Trotzdem laufen die staatlichen Corona-Finanzhilfen an diesem Freitag aus, ohne dass sich der US-Kongress bisher auf eine Verl\u00e4ngerung einigte. Allein das ist f\u00fcr viele unbegreiflich. Bisher bekamen Amerikaner, die ihre Jobs verloren haben, zus\u00e4tzlich zur mageren Arbeitslosenst\u00fctze pro Woche 600 Dollar extra. Diese Hilfen fallen nun auch weg, fast 32 Millionen Menschen sind betroffen.<\/p>\n<p>Wochenlang stritten sich Demokraten, Republikaner und das Wei\u00dfe Haus um ein neues Billionenprogramm. Die Demokraten wollen die Zahlungen bis zum Jahresende verl\u00e4ngern. Die Republikaner wollen sie von 600 auf 200 Dollar reduzieren, doch zugleich dem Pentagon 14 Milliarden Dollar zuweisen und der R\u00fcstungsindustrie 11 Milliarden Dollar. Das Wei\u00dfe Haus will teure Lieblingsprojekte von Pr\u00e4sident Trump finanzieren.<\/p>\n<p>Eine Unwucht gibt es auch bei den Chefgeh\u00e4ltern: W\u00e4hrend viele US-Konzerne Millionen Arbeitnehmer fristlos auf die Stra\u00dfe setzten, bekommen ihre Vorstandsvorsitzenden weiter Millionenbez\u00fcge. Manche verzichten zwar demonstrativ auf Teile ihres Sal\u00e4rs, der US-Gewerkschaftsbund AFL-CIO kritisiert das aber als &quot;kosmetisch&quot;. Er hatte eine Umfrage unter gut 3000 Firmen durchgef\u00fchrt, darunter wankende Branchenriesen wie Disney, Delta Air Lines, United Airlines und Marriott.<\/p>\n<p>Welche Folgen diese Diskrepanzen haben k\u00f6nnen, je l\u00e4nger sie anhalten, beschreiben die Politologen Michael Bang Petersen, Mathias Osmundsen und Alexander Bor in einer neuen Studie: &quot;Hervortreten demagogischer F\u00fchrer, Ausbruch von Stra\u00dfenkrawallen, Umlauf von Falschinformationen und extrem feindselige politische Gefechte in den sozialen Medien.&quot; Kommt einem bekannt vor?<\/p>\n<p>Die Weltwirtschaftskrise der Drei\u00dfigerjahre bef\u00f6rderte in Europa einst den Faschismus. Die USA retteten sich mit dem New Deal aus der Rezession &#8211; mit den Wirtschaftsreformen von Franklin D. Roosevelt. Die Autoren der besagten Studie sind nicht so optimistisch, was Donald Trump angeht.<\/p>\n<p>Dieser ignoriert die Realit\u00e4t weiter, behauptete am Donnerstagabend sogar, die USA erlebten gerade ein &quot;\u00f6konomisches Comeback&quot;, und brachte erneut eine Verschiebung der Pr\u00e4sidentschaftswahlen ins Gespr\u00e4ch, was er gar nicht selbst entscheiden kann. Den ersten Tweet dazu postete er um 8.46 Uhr morgens &#8211; genau 16 Minuten nach den BIP-Zahlen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wie in den Drei\u00dfigerjahren: Hungernde vor einer kirchlichen Essensausgabe in Minneapolis Foto:\u2002KEREM YUCEL\/ AFP Der Wirtschaftskollaps &#8211; historisch. Die Arbeitsmarktkrise &#8211; gigantisch. 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