{"id":15079,"date":"2022-09-28T17:17:17","date_gmt":"2022-09-28T14:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nord-stream-werden-die-ostsee-pipelines-je-wieder-gas-transportieren-konnen\/"},"modified":"2022-09-28T17:17:17","modified_gmt":"2022-09-28T14:17:17","slug":"nord-stream-werden-die-ostsee-pipelines-je-wieder-gas-transportieren-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nord-stream-werden-die-ostsee-pipelines-je-wieder-gas-transportieren-konnen\/","title":{"rendered":"Nord Stream: Werden die Ostsee-Pipelines je wieder Gas transportieren k\u00f6nnen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">D\u00e4nemark und Schweden sprechen von Sabotage: Die Nord-Stream-Pipelines verlieren gigantische Mengen Erdgas. Was das f\u00fcr Schifffahrt und Umwelt bedeutet \u2013 und was f\u00fcr eine staatliche Attacke spricht: der \u00dcberblick.  <\/p>\n<p>An den Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 in der Ostsee tritt Gas aus. Wer ist verantwortlich? Und was bedeutet das f\u00fcr die Gaspreise? Was wir wissen \u2013 und was unklar ist.<\/p>\n<h3>Was ist passiert?<\/h3>\n<p>Nach einem ersten Druckabfall in der Nacht zum Montag sind bis Dienstag insgesamt drei Lecks entdeckt worden, eines in einer der R\u00f6hren von Nord Stream 2 und je eines in beiden R\u00f6hren der Nord-Stream-1-Pipeline. Alle drei Lecks befinden sich in der N\u00e4he der d\u00e4nischen Insel Bornholm: Das Leck in der Nord-Stream-2-Pipeline ist s\u00fcd\u00f6stlich, die Lecks in Nord Stream 1 sind nord\u00f6stlich der Insel. An den betroffenen Stellen str\u00f6men nun gro\u00dfe Mengen Gas in die Ostsee, Schiffe m\u00fcssen den Bereich weitr\u00e4umig umfahren.<\/p>\n<p>Der Schaden ist offenbar auch gr\u00f6\u00dfer als zun\u00e4chst angenommen. Nach SPIEGEL-Informationen m\u00fcssen die Leitungen \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere L\u00e4nge aufgerissen sein. Durch Nord Stream 1 hatte Russland bis zum 31. August Erdgas nach Deutschland geliefert, Nord Stream 2 wurde zwar fertiggestellt, aber wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nie in Betrieb genommen. Die Pipeline war nur einmalig mit Gas bef\u00fcllt worden.<\/p>\n<h3>Wie k\u00f6nnten die Lecks entstanden sein?<\/h3>\n<p>D\u00e4nemark und Schweden gehen \u2013 wie auch andere L\u00e4nder, die EU und die Nato \u2013 von Sabotage aus. In D\u00e4nemark seien die Beh\u00f6rden zu der eindeutigen Bewertung gekommen, dass es sich um absichtliche Taten handle und nicht um ein Ungl\u00fcck, sagte Ministerpr\u00e4sidentin Mette Frederiksen. Innerhalb kurzer Zeit seien mehrere Explosionen beobachtet worden. Auch die Bundesregierung glaubt nicht an einen Zufall, wie ein Insider dem SPIEGEL gesagt hat. Nach SPIEGEL-Informationen hatten die USA Deutschland bereits vor Wochen vor m\u00f6glichen Anschl\u00e4gen auf Gaspipelines  in der Ostsee gewarnt.<\/p>\n<p>Eine seismische Messstation auf Bornholm hatte in dieser Woche au\u00dferdem zwei Ereignisse registriert, die laut Fachleuten nicht auf Erdbeben zur\u00fcckgehen k\u00f6nnen. Zuerst schoss die Kurve im Messbereich von zwei bis acht Hertz am fr\u00fchen Montagmorgen um 2.03 Uhr abrupt nach oben, sp\u00e4ter noch mal um 19.04 Uhr. In beiden F\u00e4llen zeigte sich im Anschluss \u00fcber Stunden ein erh\u00f6htes Rauschen (mehr dazu lesen Sie hier ).<\/p>\n<p>An einen Unfall glaubt derzeit also fast niemand. Der Betreiber von Nord Stream 2 hatte erkl\u00e4rt, dass die Leitungen so verlegt seien, dass eine gleichzeitige Besch\u00e4digung mehrerer Leitungen etwa durch einen einzelnen Schiffsunfall h\u00f6chst unwahrscheinlich sei. Au\u00dferdem liegen die Leitungen Fachleuten zufolge in etwa 70 Meter Tiefe und sind sehr robust gebaut, aus Stahl und Beton.<\/p>\n<h3>Wer k\u00f6nnte dahinterstecken?<\/h3>\n<p>Sollte es sich um einen Anschlag handeln, w\u00fcrde angesichts des Aufwands nur ein staatlicher Akteur infrage kommen, hie\u00df es. Ein Motiv k\u00f6nnte sein, Unsicherheit auf dem europ\u00e4ischen Gasmarkt zu sch\u00fcren \u2013 wer aber wirklich dahintersteckt und warum, ist v\u00f6llig unklar.<\/p>\n<p>Die Ukraine und einige europ\u00e4ische Politiker machen Russland f\u00fcr die Lecks verantwortlich: Es handele sich um einen \u00bbvon Russland geplanten Terroranschlag\u00ab, schrieb der ukrainische Pr\u00e4sidentenberater Mychailo Podoljak auf Twitter. Kreml-Pressesprecher Dmitrij Peskow nannte solche Vorw\u00fcrfe \u00bbdumm\u00ab. Peskow schloss ebenfalls Sabotage nicht aus, sieht Russland aber als Opfer: Nord Stream 2 sei bereit gewesen, Gas zu pumpen, und nun str\u00f6me das teure Gas in die Luft, sagte er. Russische Medien sehen die Verantwortung hingegen bei der Ukraine oder den USA.<\/p>\n<h3>Wie reagiert die internationale Gemeinschaft?<\/h3>\n<p>Ein Leck in der Nord-Stream-1-Pipeline befindet sich in d\u00e4nischen und das andere in schwedischen Gew\u00e4ssern. Das Leck von Nord Stream 2 liegt in d\u00e4nischen Gew\u00e4ssern. Sowohl in D\u00e4nemark als auch in Schweden wurden inzwischen Krisenst\u00e4be einberufen. Beide L\u00e4nder betonen aber, dass ihr Territorium nicht angegriffen worden sei. Zu den Vorf\u00e4llen sei es in internationalen Gew\u00e4ssern in den ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszonen beider Staaten gekommen.<\/p>\n<p>In der EU sorgt man sich \u00fcber m\u00f6gliche Sabotage \u2013 auch bei anderen Pipelines und Gasversorgungsanlagen werden nach SPIEGEL-Informationen deshalb nun die Sicherheitskonzepte gepr\u00fcft. Norwegen hat angek\u00fcndigt, die Sicherheitsvorkehrungen an seinen \u00d6lanlagen zu erh\u00f6hen, sieht die \u00d6l- und Gasanlagen aber nicht in konkreter Gefahr. Die d\u00e4nische Regierung sorgt sich um die Sicherheitslage im gesamten Ostseeraum und wirft Russland S\u00e4belrasseln in der Region vor.<\/p>\n<p>Die EU hat bereits mit Gegenma\u00dfnahmen gedroht, sollte die Sabotagetheorie best\u00e4tigt werden. Jede vors\u00e4tzliche St\u00f6rung der europ\u00e4ischen Energieinfrastruktur werde \u00bbmit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet werden\u00ab, sagte der EU-Au\u00dfenbeauftragte Josep Borrell.<\/p>\n<h3>Sind die Lecks gef\u00e4hrlich?<\/h3>\n<p>Die genaue Zusammensetzung des austretenden Gases ist nicht bekannt. Der Hauptbestandteil von Erdgas ist aber Methan. Laut dem Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz (BUND) k\u00f6nnten in der N\u00e4he der Lecks Tiere ersticken, das Bundesumweltministerium sieht hingegen keine direkte Gefahr f\u00fcr die Meeresumwelt. Das Ministerium, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der BUND sehen aber eine Klimagefahr durch das entweichende Methan: Der Stoff ist 25-mal klimasch\u00e4dlicher als CO\u2082.<\/p>\n<p>Die Lecks k\u00f6nnen au\u00dferdem Schiffen gef\u00e4hrlich werden: Nach Angaben der d\u00e4nischen Energiebeh\u00f6rde k\u00f6nnen Schiffe den Auftrieb verlieren, wenn sie in das Gebiet hineinfahren. Zudem bestehe m\u00f6glicherweise Entz\u00fcndungsgefahr. Schiffe m\u00fcssen das Gebiet deshalb umfahren. Au\u00dferhalb der Zone gibt es laut der Beh\u00f6rde aber keine Gefahr, auch nicht f\u00fcr die Einwohner von Bornholm und der kleinen Nachbarinsel Christians\u00f8.<\/p>\n<h3>Wie viel Gas war in den Leitungen und wem geh\u00f6rt es?<\/h3>\n<p>Nach SPIEGEL-Berechnungen  k\u00f6nnte es um gut 500 Millionen Kubikmeter Gas gehen. So viel verbraucht Deutschland durchschnittlich an zwei Tagen. Bei den derzeitigen Preisen am EU-Gasmarkt k\u00e4me diese Menge auf einen Marktwert von mehr als 800 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Laut einem Marktinsider geh\u00f6rt das Gas aus Nord Stream 1 h\u00f6chstwahrscheinlich dem russischen Staatsmonopolisten Gazprom \u2013 im Fall von Nord Stream 2 soll das indirekt auch so sein: Laut einem Insider soll die Nord Stream 2 AG aus der Schweiz das Gas besitzen, diese Firma geh\u00f6rt Gazprom zu 100 Prozent. Sollten nun gro\u00dfe Mengen Gas verloren gehen, k\u00f6nnte die Nord Stream 2 AG endg\u00fcltig vor der Insolvenz stehen.<\/p>\n<h3>Was hei\u00dft das f\u00fcr die Gasversorgung?<\/h3>\n<p>Schon seit dem 1. September flie\u00dft kein Gas mehr durch Nord Stream 1 \u2013 und Nord Stream 2 wurde nie in Betrieb genommen. Zuletzt sind die Preise an Europas Gasb\u00f6rsen trotzdem gesunken, die deutschen Gasspeicher sind zu mehr als 90 Prozent gef\u00fcllt. Sollte es nicht extrem kalt werden oder zu gr\u00f6\u00dferen Lieferunterbrechungen etwa aus Norwegen oder den USA kommen, ist ein Gasmangel in Deutschland in diesem Winter aus heutiger Sicht unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich k\u00f6nnte es aber im Winter 2023\/2024 nochmals eng werden, wenn Russland gar kein Gas mehr liefert. In den ersten Monaten dieses Jahres hatte Gazprom noch gro\u00dfe Mengen Erdgas nach Europa exportiert, was es m\u00f6glich machte, die Speicher zu f\u00fcllen.<\/p>\n<h3>Steigen die Gaspreise jetzt noch st\u00e4rker?<\/h3>\n<p>Das ist noch nicht klar. Im europ\u00e4ischen Gro\u00dfhandel waren die Preise in den vergangenen Wochen stetig gefallen. Am Dienstag zogen die Preise f\u00fcr eine Megawattstunde Erdgas zur Lieferung im Oktober am niederl\u00e4ndischen Referenzmarkt wieder etwas an, an diesem Mittwoch gaben sie bis zum Mittag aber wieder ein St\u00fcck nach.<\/p>\n<h3>Wie geht es jetzt weiter?<\/h3>\n<p>Die Inspektion der Lecks wird nach Angaben der d\u00e4nischen Regierung voraussichtlich erst in ein bis zwei Wochen m\u00f6glich sein. Der d\u00e4nische Verteidigungsminister Morten B\u00f8dskov machte deutlich, dass der derzeit in den Leitungen herrschende Druck und die Menge des austretenden Gases die Inspektion behindern. Die Marine der Bundeswehr soll bei der Inspektion helfen: \u00bbUnsere Marine wird sich mit ihrer Expertise bei der Aufkl\u00e4rung einbringen\u00ab, sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht.<\/p>\n<p>Langfristig stellt sich die Frage, ob die Pipelines je wieder in Betrieb gehen. Eine Reparatur k\u00f6nnte teuer werden, wenn sie \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Der \u00bbTagesspiegel\u00ab             berichtet, dass die Pipelines korrodieren k\u00f6nnten, wenn Salzwasser einlaufe, sie m\u00fcssten also schnell repariert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00e4nemark und Schweden sprechen von Sabotage: Die Nord-Stream-Pipelines verlieren gigantische Mengen Erdgas. Was das f\u00fcr Schifffahrt und Umwelt bedeutet \u2013 und was f\u00fcr eine staatliche Attacke spricht: der \u00dcberblick. 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