{"id":14989,"date":"2022-09-24T19:06:02","date_gmt":"2022-09-24T16:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/klimawandel-wegen-einer-durre-steht-somalia-vor-der-hungersnot\/"},"modified":"2022-09-24T19:06:02","modified_gmt":"2022-09-24T16:06:02","slug":"klimawandel-wegen-einer-durre-steht-somalia-vor-der-hungersnot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/klimawandel-wegen-einer-durre-steht-somalia-vor-der-hungersnot\/","title":{"rendered":"Klimawandel: Wegen einer D\u00fcrre steht Somalia vor der Hungersnot"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">In Somalia hat der Klimawandel ganze Landstriche unbewohnbar gemacht, der Hunger treibt Millionen in die St\u00e4dte. Besuch in Baidoa, wo Hilfsorganisationen und ein B\u00fcrgermeister versuchen, den Massenansturm zu bew\u00e4ltigen.  <\/p>\n<p>Es sind hohe G\u00e4ste gekommen, mal wieder. Mit blauen kugelsicheren Westen laufen sie durch das Fl\u00fcchtlingslager, werden sofort umringt von Dutzenden Bewohnerinnen und Bewohnern. Nein, Hilfe sei hier noch nicht angekommen, die Lage sei dramatisch, erz\u00e4hlt ihnen ein \u00e4lterer Mann.<\/p>\n<p>Die Delegation der Vereinten Nationen macht sich Notizen. Ein lokaler Mitarbeiter r\u00e4umt ein, dass es schlicht zu viele Neuank\u00f6mmlinge seien, um alle zu versorgen. Im Hintergrund bauen Frauen aus d\u00fcnnen Zweigen, T\u00fcchern und Plastikplanen improvisierte Zelte auf, sie werden f\u00fcr die meisten hier auf Monate \u2013 wenn nicht Jahre \u2013 ihr Zuhause sein.<\/p>\n<p>\u00bbSomalia steht am Abgrund\u00ab, sagt Mohammed Abdiker, Regionaldirektor der Uno-Migrationsorganisation IOM. Mehr als sieben Millionen Menschen seien vom Hunger bedroht, fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung. \u00bbUnsere Antwort reicht nicht aus\u00ab, erg\u00e4nzt der Uno-Verantwortliche. Immerhin kommen langsam mehr Gelder der internationalen Gemeinschaft an, doch es fehlt immer noch an allen Ecken und Enden. Auch, weil der Krieg in der Ukraine viele Ressourcen der reichen L\u00e4nder bindet.<\/p>\n<p>Die Vertreter der Uno konnten schon aus der Luft das Ausma\u00df der Katastrophe erkennen. Die Stadt Baidoa in Zentralsomalia ist inzwischen ein einziger Flickenteppich aus orangefarbenen Punkten, in alle Himmelsrichtungen breiten sich die Fl\u00fcchtlingszelte aus, selbst der Flughafen ist umringt von den notd\u00fcrftig zusammengezimmerten Unterk\u00fcnften der D\u00fcrrevertriebenen. Jeden Tag kommen mehr als tausend Gefl\u00fcchtete hinzu.<\/p>\n<p>In einem dieser Zelte, direkt hinter dem Zaun des Flughafens, wohnt Naima Mohammed. Im Hintergrund landen die gro\u00dfen wei\u00dfen Hubschrauber und Flugzeuge der Uno und des Roten Kreuzes, oft mit Hilfsg\u00fctern an Bord. Es dr\u00f6hnt dann laut, doch niemand schenkt dem mehr Beachtung. Sie habe sich neulich angestellt, um von einer Hilfsorganisation mit Essen versorgt zu werden, sagt Mohammed. Doch sie kam nicht dran, die Rationen waren schnell alle. Zu gro\u00df ist die Not, um jeder und jedem zu helfen.<\/p>\n<p>Die siebenfache Mutter sitzt auf einer Bastmatte, ihr j\u00fcngstes Kind auf dem Arm, es ist ein Jahr alt und wirkt abgemagert. Immer wieder schreit das M\u00e4dchen, Mohammed versucht sie abzulenken, ohne Erfolg. \u00bbDein eigenes Kind weint vor Hunger und du kannst rein gar nichts machen, das ist ein furchtbares Gef\u00fchl\u00ab, sagt sie. Die alleinerziehende Mutter und ihre Kinder \u00fcberleben dank Essensspenden der Nachbarn.<\/p>\n<p>Als Mohammed in Bush Medina, ihrer Heimat, aufgebrochen war, hatte sie noch acht Kinder \u2013 und einen Esel, der das wenige Hab und Gut der Familie transportierte. Bis zuletzt hatte sie versucht zu bleiben, auch als die zehn Ziegen schon gestorben waren, weil es kein Weideland mehr gibt. Sie hatte versucht noch etwas Hirse anzubauen, eine der d\u00fcrreresistentesten Sorten. Doch auch das scheiterte: \u00bbKeiner kann dort mehr etwas anpflanzen, es gibt kein Leben mehr in dieser Gegend.\u00ab Also brachen sie auf, vier Wochen ist das her.<\/p>\n<p>Der Esel starb zuerst auf dem mehrt\u00e4gigen Fu\u00dfmarsch, danach mussten sie ihre Sachen selbst schleppen. Am zweiten Tag wurde auch die vierj\u00e4hrige Tochter immer schw\u00e4cher, konnte irgendwann vor Ersch\u00f6pfung und Hunger nicht mehr laufen. Sie \u00fcberlebte die Flucht nicht. \u00bbIch musste sie unterwegs begraben\u00ab, sagt Mohammed, Zeit zum Trauern hatte sie nicht. Schlie\u00dflich musste die Mutter das rettende Fl\u00fcchtlingslager erreichen, bevor auch die anderen Kinder in Lebensgefahr gerieten. Sie schaffte es, doch nun leiden sie weiter Hunger.<\/p>\n<p>Istanbul Abi hat drau\u00dfen vor den Zelten ein kleines Feuer gemacht, darauf k\u00f6chelt ein Topf mit Linsen. Sie ist Campmanagerin f\u00fcr einen kleinen Abschnitt der Zeltstadt, die Bewohnerinnen und Bewohner haben sie zu ihrer Anf\u00fchrerin gemacht. Die 40-J\u00e4hrige ist vor f\u00fcnf Monaten in Baidoa angekommen, sie wirkt energetisch, l\u00e4uft rastlos umher und redet viel, anders als die meisten hier, die den Hunger im Liegen ertragen. \u00bbMeine Aufgabe ist es, Hilfe zu mobilisieren\u00ab, sagt Abi, \u00bbdie Leute sterben doch hier.\u00ab<\/p>\n<p>Abi redet auch mit der Uno-Delegation, erz\u00e4hlt ihnen, was dringend gebraucht wird. Wasser zum Beispiel, viel zu selten kommt der Lastwagen vorbei, um die gelben Kanister der Bewohnerinnen und Bewohner aufzuf\u00fcllen. Und Essen nat\u00fcrlich. Abi ist nur f\u00fcr einen kleinen Abschnitt verantwortlich, ein paar Dutzend Zelte vielleicht, doch allein in diesem Bereich kommen t\u00e4glich 15 neue Menschen an.<\/p>\n<p>Mindestens 600.000 Vertriebene leben mittlerweile in Baidoa, deutlich mehr als die Stadt Einwohner hat. Somalia verzeichnet eine der h\u00f6chsten Urbanisierungsraten der Welt, und manche bezeichnen Baidoa als die am schnellsten wachsende Stadt Afrikas \u2013 wegen der D\u00fcrre.<\/p>\n<p>Istanbul Abi selbst hatte gehofft, nie wieder auf der Flucht zu sein. Sie hat sechs Jahre ihres Lebens in Dadaab im Norden Kenias verbracht, einem der gr\u00f6\u00dften Fl\u00fcchtlingslager der Welt. Doch 2017 beschloss sie, in ihre Heimat Somalia zur\u00fcckzukehren, einen Neuanfang zu wagen. Sie bekam Startkapital von der Uno, machte einen Laden auf, verkaufte dort alles von Klamotten bis Lebensmitteln. Doch bald kam die islamistische Miliz al-Schabab und verlangte Steuern von ihr, bis zu tausend Euro pro Monat. \u00bbDas hat mich ruiniert\u00ab, sagt sie.<\/p>\n<p>Sie versuchte mit dem Verkauf von Khat, einer Pflanze mit aufputschender Wirkung, ihr Einkommen etwas aufzubessern. Doch al-Schabab stellt den Handel mit der Droge unter strenge Strafe, und Abi wurde erwischt. \u00bbSie haben mich ins Gef\u00e4ngnis gesteckt und gedroht, mich zu t\u00f6ten\u00ab, sagt sie. Als dann noch wegen der D\u00fcrre und der Inflation niemand mehr Geld hatte, um in ihrem Laden einzukaufen, gab sie ihren Traum auf. Sie packte zusammen und floh ein zweites Mal in ihrem Leben, diesmal nach Baidoa. Nun k\u00fcmmert sie sich im Camp um die Mitbewohnerinnen und \u2013 bewohner.<\/p>\n<p>Abis Geschichte zeigt, wie in Somalia gleich mehrere Krisen zusammenkommen und eine toxische Mischung erzeugen: Verursacht durch den Klimawandel sind ganze Teile des Landes unbewohnbar geworden, seit Jahren bleibt der Regen aus, nichts w\u00e4chst mehr, die Tiere sterben. Gleichzeitig steigen, auch verursacht durch Coronapandemie und den Ukrainekrieg, die Preise; Nahrungsmittel werden unerschwinglich.<\/p>\n<p>Und in Somalia kommt noch ein dritte giftige Zutat hinzu: Al-Schabab kontrolliert weite Teile des Landes, die Sicherheitslage ist katastrophal. Die Miliz schn\u00fcrt den Zugang zu internationaler Hilfe ab, sodass vielen Menschen nicht vor Ort geholfen werden kann. All das f\u00fchrt zu einem beispiellosen Massenexodus aus den D\u00f6rfern in die St\u00e4dte, wo die Menschen ihre letzte Hoffnung sehen. Neben der Hauptstadt Mogadischu verzeichnet Baidoa den gr\u00f6\u00dften Zustrom. Es ist eine Hungerkrise, aber auch eine der gr\u00f6\u00dften Migrationskrisen des Kontinents.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister Baidoas, Abdullahi Watiin, wirkt in diesen Tagen eher wie ein hochrangiger Diplomat. Er steht in seinem besten Anzug und mit akkurat sitzender Krawatte auf dem Rollfeld des heruntergekommenen Provinzflughafens, um den Botschafter von Katar zu begr\u00fc\u00dfen. Watiin hofft auf einen gro\u00dfz\u00fcgig gef\u00fcllten Geldkoffer f\u00fcr seine Gemeinde. Am Tag zuvor hat er die Uno-Delegation empfangen und ihnen mit ernster Mine berichtet, wie die D\u00fcrre seine Stadt an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Besserung sei nicht in Sicht, im Gegenteil, die Situation verschlechtere sich t\u00e4glich. Im Oktober wird mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit offiziell eine Hungersnot f\u00fcr die Gegend um Baidoa ausgerufen. In Wirklichkeit ist die l\u00e4ngst da, aber die Regierung in Somalia ringt noch um die Wortwahl, es geht auch darum, das eigene Versagen zu schm\u00e4lern.<\/p>\n<p>Dann f\u00e4hrt B\u00fcrgermeister Watiin mit dem SPIEGEL in die Au\u00dfenbezirke der Stadt, hier d\u00fcrfen die internationalen Delegationen mit ihren Schutzwesten nicht hin, zu gef\u00e4hrlich. Vor einem Monat hat al-Schabab einen Minister der Lokalregierung in die Luft gesprengt, samt mehrerer seiner Kinder. \u00bbMeine Familie habe ich in Sicherheit gebracht\u00ab, erz\u00e4hlt Watiin. Er sitzt auf der R\u00fcckbank seines gepanzerten Gel\u00e4ndewagens, vor und hinter ihm fahren Pick-ups, auf denen Polizisten mit schweren Maschinengewehren sitzen.<\/p>\n<p>Der martialische Konvoi h\u00e4lt im Bayhaaw-Krankenhaus, die \u00c4rzte und Pfleger wirken etwas \u00fcberrumpelt. Dann wird der B\u00fcrgermeister durch alle Zimmer gef\u00fchrt, selbst auf den G\u00e4ngen stehen Betten. Darauf liegen oder sitzen M\u00fctter mit ihren ausgehungerten Kindern, der Anblick ist schwer zu ertragen. \u00bbJeden Monat werden es mehr\u00ab, erz\u00e4hlt die leitende Krankenschwester, dann bleibt sie am Bett des 18 Monate alten Hussein stehen. Der Junge liegt apathisch auf seiner Matratze, er starrt ins Leere, kann kaum seine Arme heben. Hussein wiegt inzwischen f\u00fcnf Kilogramm, nachdem die \u00c4rzte ihn mit spezieller kalorienreicher Milch aufgep\u00e4ppelt haben. Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, brachte er gerade einmal drei Kilogramm auf die Waage, so viel wie ein neugeborenes Baby. Es war Rettung in letzter Minute.<\/p>\n<p>\u00bbEr wird \u00fcberleben\u00ab, sagt der behandelnde Arzt, auch wenn bleibende Sch\u00e4den wahrscheinlich sind. Denn durch den Hunger kann sich das Gehirn nicht richtig entwickeln, viele betroffene Kinder sind ein Leben lang gezeichnet. Immerhin ist seit vier Tagen kein Patient mehr im Krankenhaus gestorben, das ist schon ein Erfolg. Vor einigen Wochen kam zum Hunger noch ein Masern- und Choleraausbruch hinzu, die \u00c4rzte waren in vielen F\u00e4llen machtlos.<\/p>\n<p>Husseins Mutter Hawa Abdullah ist mit den Abl\u00e4ufen auf Station inzwischen gut vertraut, kennt die Namen der verschiedenen therapeutischen Milchsorten, F75 und F100. Ihr Sohn ist bereits zum zweiten Mal hier. Vor drei Monaten musste er schon einmal behandelt werden, auch damals wegen akuter Unterern\u00e4hrung. Als die \u00c4rzte ihn schlie\u00dflich entlie\u00dfen, ging es Hussein wieder besser, er konnte sogar selbst laufen. Doch zu Hause wartete nur wieder der Hunger: \u00bbEs gibt keine Hoffnung in dieser Gegend, unsere Tiere sind tot\u00ab, sagt Husseins Mutter Abdullah. Aus Verzweiflung hat sie ihrem Sohn Zucker ins Wasser ger\u00fchrt, doch auch das konnte eine Mahlzeit nicht ersetzen.<\/p>\n<p>Nun will auch Hawa Abdullah mit ihren Kindern einen Neuanfang versuchen, wenn m\u00f6glich in Baidoa. B\u00fcrgermeister Watiin nickt, er kennt diese Geschichten, doch sie bereiten ihm gro\u00dfe Sorgen: \u00bbFr\u00fcher sind die Betroffenen in die Stadt gekommen, haben sich hier Hilfe abgeholt und sind dann in ihre D\u00f6rfer zur\u00fcckgekehrt. Das m\u00fcssen wir wieder forcieren, um Baidoa zu entlasten\u00ab, fordert der Politiker. Verschiedene Organisationen versuchen, den Menschen auf dem Land per Handy\u00fcberweisung Geld zu schicken, doch den Regen bringt das auch nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dann h\u00e4lt der Konvoi des B\u00fcrgermeisters unvermittelt auf einer staubigen Stra\u00dfe, das Stadtoberhaupt springt aus seinem Auto, l\u00e4uft in Richtung eines h\u00fcbsch dekorierten Eingangstors. Ein Ort der Hoffnung, so scheint es. Das Tor f\u00fchrt zu einem einst\u00f6ckigen Farmhaus, daneben ein gro\u00dfer Wassertank, eingerahmt von gr\u00fcnen B\u00e4umen, ein starker Kontrast zum rotbraunen Staub der Umgebung. Farmer Derow Adam kommt dem B\u00fcrgermeister entgegen, H\u00e4nde werden gesch\u00fcttelt, dann gibt es eine F\u00fchrung \u00fcber den Hof. Schnell wird klar, dass der sch\u00f6ne Schein tr\u00fcgt.<\/p>\n<p>Aus dem Wasserhahn kommt kein Tropfen, obwohl Adam seinen Brunnen fast 15 Meter tief gebohrt hat. Das hat auch mit den Zelten auf der anderen Seite der Stra\u00dfe zu tun, selbst hier vor den Toren der Stadt haben sich die Vertriebenen inzwischen niedergelassen. \u00bbManchmal klopfen sie um Mitternacht verzweifelt an meine T\u00fcr, weil sie solchen Durst haben\u00ab, erz\u00e4hlt der Bauer.<\/p>\n<p>Sobald Wasser da ist, \u00f6ffnet er den Hahn dann f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten, sie kommen mittlerweile jeden Tag und f\u00fcllen ihre Kanister auf. Adam ist selbst vor Jahren vom Land in die Stadt gekommen, hat auch einmal in einem der Rundzelte gehaust. F\u00fcr ihn ist Teilen Ehrensache, das gilt f\u00fcr viele in Somalia. Ohne die gegenseitige Unterst\u00fctzung w\u00e4re die Katastrophe l\u00e4ngst viel gr\u00f6\u00dfer, auch weil die internationale Hilfe bis vor Kurzem so z\u00f6gerlich anlief.<\/p>\n<p>Doch Adam muss nun immer l\u00e4nger warten, bis sich sein Brunnen wieder auff\u00fcllt, und immer schneller trocknet er wieder aus. Vom gro\u00dfen Tank aus f\u00fchren mehrere Rohre in Richtung der Felder, Wasser flie\u00dft keines mehr hindurch. 1000 US-Dollar hat der Bauer vor vier Monaten in modernes Saatgut investiert, in d\u00fcrreresistente Hirse, Kraut und Mais. Vor einem Monat h\u00e4tte er geerntet, h\u00e4tte seine Ware auf dem Markt von Baidoa verkauft, es w\u00e4re sein Beitrag im Kampf gegen den Hunger gewesen.<\/p>\n<p>Doch nichts ist mehr normal hier in Zentralsomalia, die komplette Ernte ist eingegangen, aus dem Acker ragen nur verdorrte Pfl\u00e4nzchen. Wenn der Bauer seine Harke in die Erde schl\u00e4gt, bl\u00e4st hei\u00dfer Wind den trockenen Staub \u00fcber die Felder. Auch ohne das Camp gegen\u00fcber h\u00e4tte das Wasser nicht gereicht, wieder einmal ist der Regen ausgeblieben, im dritten Jahr in Folge. \u00bbJedes Jahr sagen wir: Diese Saison war die schlimmste. Und dann wird es im n\u00e4chsten Jahr doch noch \u00fcbler. Der Klimawandel zerst\u00f6rt unsere Existenz\u00ab, sagt Adam.<\/p>\n<p>Dann f\u00e4hrt der Konvoi weiter, die H\u00e4user und Zelte werden immer weniger, links und rechts nur noch staubige Steppe. Nach ein paar holprigen Kilometern taucht aus dem Nichts eine Siedlung auf, silberne Wellblechh\u00e4user reflektieren das Sonnenlicht, der gepanzerte Wagen des B\u00fcrgermeisters biegt auf eine nagelneue breite Stra\u00dfe ab. Der hier entstandene Stadtteil Barwaaqo ist eines der Vorzeigeprojekte in Baidoa, 3.000 Haushalte aus den Fl\u00fcchtlingscamps wurden hierher umgesiedelt, unterst\u00fctzt von der Uno.<\/p>\n<p>Hassan Ismail und seine achtk\u00f6pfige Familie sind vor zwei Jahren hergezogen, sie haben jetzt zwei H\u00fctten mit richtigen Betten, in einer wohnt seine Frau mit den Kindern, in der anderen hat der 30-J\u00e4hrige einen Laden aufgebaut. Er hat in eine N\u00e4hmaschine investiert, in eine Autobatterie, an der die Nachbarn gegen Geb\u00fchr ihre Handys laden k\u00f6nnen. Die gen\u00e4hten Klamotten verkauft er als fliegender H\u00e4ndler in der Stadt, au\u00dferdem bekommt die Familie etwa 40 US-Dollar pro Monat von Hilfsorganisationen. \u00bbZum Leben reicht es trotzdem nicht, der Hunger ist geblieben\u00ab, sagt Ismail. Doch es geht ihnen besser als den meisten anderen Vertriebenen.<\/p>\n<p>Die knapp 20.000 Bewohnerinnen und Bewohner der neuen Siedlung haben das Land \u00fcbereignet bekommen, sie k\u00f6nnen nicht mehr zwangsger\u00e4umt werden \u2013 anders als die Hunderttausenden in den Zeltst\u00e4dten, die auf privatem Land nur tempor\u00e4r geduldet werden.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister hofft, dass sich die Umgesiedelten in Barwaaqo irgendwann selbst versorgen k\u00f6nnen, dass die Abh\u00e4ngigkeit von der humanit\u00e4ren Hilfe endlich endet. Die Parzellen sind gro\u00df genug, um etwas anzubauen, an der breiten neuen Stra\u00dfe haben private Investoren eine Markthalle errichtet. \u00bbSobald der Regen kommt, werden wir pflanzen\u00ab, sagt auch Hassan Ismail hoffnungsfroh. Hilfsorganisationen haben vor Kurzem zwei Brunnen bohren lassen, ein kleiner Hoffnungsschimmer.<\/p>\n<p>Dann muss B\u00fcrgermeister Watiin weiter, das n\u00e4chste Meeting mit internationalen Geldgebern wartet. Er wird wieder seinen Vortrag halten, \u00fcber langfristige L\u00f6sungen, \u00fcber den Kampf gegen den Klimawandel. Und \u00fcber all die Leben, die nicht gerettet werden konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Somalia hat der Klimawandel ganze Landstriche unbewohnbar gemacht, der Hunger treibt Millionen in die St\u00e4dte. Besuch in Baidoa, wo Hilfsorganisationen und ein B\u00fcrgermeister versuchen, den Massenansturm zu bew\u00e4ltigen. 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