{"id":14905,"date":"2022-09-21T03:06:24","date_gmt":"2022-09-21T00:06:24","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ukraine-krieg-darum-verlegt-russland-seine-u-boote-von-der-krim\/"},"modified":"2022-09-21T03:06:24","modified_gmt":"2022-09-21T00:06:24","slug":"ukraine-krieg-darum-verlegt-russland-seine-u-boote-von-der-krim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ukraine-krieg-darum-verlegt-russland-seine-u-boote-von-der-krim\/","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Darum verlegt Russland seine U-Boote von der Krim"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die russische Marine hat ihre modernen U-Boote von der Krim abgezogen \u2013 und verliert damit entscheidende Vorteile. Zu gro\u00df ist wohl die Angst vor Angriffen \u2013 und vor einer peinlichen Niederlage f\u00fcr Putin, sagt ein Milit\u00e4rexperte.  <\/p>\n<p>Die Meldung \u00fcber die Umstationierung russischer U-Boote im Ukrainekrieg sorgte am Dienstagmorgen f\u00fcr Aufsehen. Wie aus dem regelm\u00e4\u00dfigen Geheimdienstupdate des britischen Verteidigungsministeriums hervorgeht, sind die Schiffe von der annektierten Krim in die s\u00fcdrussische Hafenstadt Noworossijsk verlegt worden. Demnach sei wohl die Gefahr ukrainischer Angriffe auf die Schwarzmeerflotte zu gro\u00df geworden.<\/p>\n<p>Seit jeher hat die Schwarzmeerflotte ihr Hauptquartier in Sewastopol auf der Krim. Das \u00e4nderte sich auch nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht. Bereits vor der Annexion der Krim im Jahr 2014 sorgte das f\u00fcr Spannungen zwischen der Ukraine und Russland. Die Sicherung des Marinest\u00fctzpunktes war laut dem britischen Geheimdienst einer der Beweggr\u00fcnde f\u00fcr Wladimir Putin, die Halbinsel zu annektieren. Ausgerechnet die russischen Aggressionen gegen\u00fcber der Ukraine sollen diese Sicherheit nun untergraben.<\/p>\n<p>Nach den \u00fcberraschenden Erfolgen der ukrainischen Gegenoffensive  k\u00f6nnte der Bericht ein weiteres Zeichen f\u00fcr ein angeschlagenes russisches Milit\u00e4r sein. Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj sprach bereits davon, die \u00bbgesamte Ukraine\u00ab befreien zu wollen. Auch die Krim. Aber wie sind die Berichte zu deuten? Antworten auf die wichtigsten Fragen:<\/p>\n<h3>Was ist \u00fcber die U-Boote bekannt?<\/h3>\n<p>Die Nachrichtenlage ist \u2013 vorsichtig gesagt \u2013 d\u00fcnn. Dass die Verlegung \u00fcberhaupt an die breite \u00d6ffentlichkeit gelangt, ist dem britischen Verteidigungsministerium zu verdanken, das durch seine bei Social Media einmaligen Geheimdienstinformationen versucht, ein Gegengewicht zur russischen Propaganda zu schaffen. Moskau hingegen wirft London eine Desinformationskampagne vor.<\/p>\n<p>Doch das britische Ministerium ver\u00f6ffentlichte die Information nicht als Erstes. Der Marineexperte H. I. Sutton schrieb bereits in der vergangenen Woche einen Artikel auf dem Portal Naval News            , in dem er den Abzug der U-Boote erkl\u00e4rt. Zwar sollen noch immer U-Boote Sewastopol anfahren, die Boote der Klasse \u00bbImproved Kilo\u00ab seien jedoch nun im viel weiter von der Ukraine entfernten Marinest\u00fctzpunkt Noworossisjk konzentriert.<\/p>\n<p>Die \u00bbImproved Kilos\u00ab sind dieselelektrische, also konventionell betriebene Boote, sagte Milit\u00e4rexperte Johannes Peters, Leiter der Abteilung maritime Strategie und Sicherheit am Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik Kiel, dem SPIEGEL. Eine Dieselmaschine der U-Boote l\u00e4dt w\u00e4hrend der \u00dcberwasserfahrt eine Batterie, die wiederum in der Tauchphase einen Elektromotor antreibt. Die \u00bbImproved Kilos\u00ab sind eine grund\u00fcberarbeitete U-Boot-Klasse  des Designs aus den Zeiten des Kalten Kriegs. Sie seien mit das Modernste, was die russische Marine hat, und vor allem: deutlich leiser. Dadurch k\u00f6nnen sie nicht so leicht aufgesp\u00fcrt werden.<\/p>\n<h3>Warum verlegt Russland seine U-Boote?<\/h3>\n<p>Neben St\u00e4dten in den Regionen Charkiw und Cherson r\u00fcckt auch die Krim ins Visier der ukrainischen Gegenoffensive. Seit Wochen mehren sich Berichte \u00fcber Drohnenangriffe auf den russischen Marinest\u00fctzpunkt Sewastopol im S\u00fcdwesten der Halbinsel. Russland d\u00fcrfte mit der Verlegung versuchen, seine U-Boote in Sicherheit zu bringen, die es zu Beginn der Invasion extra nach Sewastopol verlegt hatte.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung eines U-Boots h\u00e4tte Folgen, die \u00fcber den milit\u00e4rischen Wert hinausgehen, sagte Milit\u00e4rexperte Peters dem SPIEGEL. \u00bbDer Verlust eines U-Boots w\u00e4re f\u00fcr Russland eine wirkliche Katastrophe\u00ab, nicht nur, weil Russland immer weniger \u00fcber die industrielle Basis verf\u00fcge, diese Einheiten zeitnah zu ersetzen. \u00bbEs w\u00e4re ein gigantischer Propagandaerfolg f\u00fcr die Ukraine und eine weitere extreme Dem\u00fctigung f\u00fcr Wladimir Putin \u2013 auch innenpolitisch.\u00ab<\/p>\n<p>Peters weist darauf hin, dass bereits in den vergangenen Wochen aufgefallen sei, dass Russland seine Flotte kaum noch au\u00dferhalb des Hafens operieren l\u00e4sst. Russland k\u00f6nnte mit der Verlegung versuchen, diese Schiffe aus der Reichweite von Pr\u00e4zisionswaffen zu schaffen. Die Entscheidung sei bemerkenswert: \u00bbEs ist sicherlich ein Zeichen daf\u00fcr, dass Russland sich nicht mehr sicher ist, diese Einheiten in Sewastopol ad\u00e4quat sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Das ist indirekt ein Eingest\u00e4ndnis, dass man sich seiner \u00dcberlegenheit auch im S\u00fcden und auf der Krim nicht mehr sicher ist.\u00ab<\/p>\n<h3>Warum sind die U-Boote f\u00fcr Russland so wichtig?<\/h3>\n<p>Das Problem der russischen Marine: Eigene Kriegsschiffe k\u00f6nnen sich dem ukrainischen Festland nicht mehr n\u00e4hern, um m\u00f6gliche Angriffe durchzuf\u00fchren. Das liegt an den Antischiffsraketen Neptun, mit denen wohl auch die russische Fregatte \u00bbMoskwa\u00ab abgeschossen wurde. U-Boote hingegen sind von Natur aus immun gegen derartige Geschosse \u2013 solange sie unter Wasser sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die U-Boote auch Landziele erreichen.<\/p>\n<p>\u00bbSp\u00e4testens seit der Versenkung der \u203aMoskwa\u2039 hat Russland die U-Boote genutzt, um Pr\u00e4zisionsflugk\u00f6rper, also \u203aKalibr Cruise-Missiles\u2039, auf Ziele in der Ukraine abzufeuern\u00ab, sagt Peters. U-Boote seien ein veritables Mittel daf\u00fcr, weil sie die Marschflugk\u00f6rper tauchend abfeuern k\u00f6nnen. Und darauf konnte sich die russische Marine auch konzentrieren: Die Ukraine ist auf Wasser nicht nur kein ebenb\u00fcrtiger, sondern gar kein Gegner. Sie verf\u00fcgt weder \u00fcber U-Boote noch andere Schiffe, die technisch auf dem Stand der russischen Marine sind.<\/p>\n<p>Die russischen U-Boote haben laut Peters jedoch einen Stellenwert, der \u00fcber den milit\u00e4rischen Nutzen hinausgeht. \u00bbU-Boote haben traditionell in der russischen Marine einen extrem hohen Stellenwert, weil sie schon im Kalten Krieg das waren, womit man in der eigenen Wahrnehmung und auch im Narrativ gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung den Westen das F\u00fcrchten gelehrt hat\u00ab, sagt er.<\/p>\n<h3>Verliert die russische Marine dadurch an Schlagkraft?<\/h3>\n<p>Noworossijsk in der Oblast Krasnodar liegt zwischen Sotschi und der Krim, nur etwas mehr als 100 Kilometer Luftlinie von der Stra\u00dfe von Kertsch entfernt. Der Weg ins Asowsche Meer vor der Ukraine d\u00fcrfte durch die Umstationierung also nicht l\u00e4nger werden. Dennoch verliere Russland im direkten Konfliktgebiet an Schlagkraft, sagt Peters. Es sei vor dem Hintergrund der laufenden ukrainischen Gegenoffensive im S\u00fcden  ein Verlust an weitreichender Pr\u00e4zisionsschlagf\u00e4higkeit. Theoretisch k\u00f6nnten die Marschflugk\u00f6rper der U-Boote auch aus Noworossijsk ukrainische Ziele treffen.<\/p>\n<p>\u00bbTheoretische Reichweite ist aber nicht gleich Gefechtsreichweite\u00ab, erkl\u00e4rt Peters. \u00bbDie Marschflugk\u00f6rper ben\u00f6tigen Zieldaten, welche sie dann selbstst\u00e4ndig anfliegen. Je dynamischer das Gefechtsumfeld, umso schwieriger sind diese zu generieren.\u00ab Und im Bereich der pr\u00e4zisen Zieldatengenerierung habe Russland gro\u00dfe Defizite offenbart. \u00bbEs ist durchaus ein taktischer Nachteil f\u00fcr die russische Seite, wenn sie gezwungen ist, diese Flugk\u00f6rper aus mehreren Hundert Kilometern Entfernung abzufeuern.\u00ab<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem: Pr\u00e4zisionsflugk\u00f6rper sind sehr teuer, k\u00f6nnen also nicht nach Belieben verschossen werden. \u00bbEs ist anzunehmen, dass Russland nicht mehr \u00fcber gro\u00dfe Best\u00e4nde verf\u00fcgt\u00ab, sagt Peters. \u00bbVor Wochen ist Russland dazu \u00fcbergegangen, konventionelle Artillerie in Masse einzusetzen.\u00ab Die russischen Streitkr\u00e4fte seien eine gigantische Blackbox, sagt Peters. \u00bbViele F\u00e4higkeiten, die man den Russen im Vorfeld zugesprochen hat, haben sich inzwischen als offensichtlich nicht in dem Ma\u00dfe existent herausgestellt.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die russische Marine hat ihre modernen U-Boote von der Krim abgezogen \u2013 und verliert damit entscheidende Vorteile. 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