{"id":14618,"date":"2022-09-08T19:16:17","date_gmt":"2022-09-08T16:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/europaische-zentralbank-chefin-christine-lagarde-ich-nehme-die-schuld-auf-mich\/"},"modified":"2022-09-08T19:16:17","modified_gmt":"2022-09-08T16:16:17","slug":"europaische-zentralbank-chefin-christine-lagarde-ich-nehme-die-schuld-auf-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/europaische-zentralbank-chefin-christine-lagarde-ich-nehme-die-schuld-auf-mich\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Zentralbank \u2013 Chefin Christine Lagarde: \u00bbIch nehme die Schuld auf mich!\u00ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die EZB erh\u00f6ht die Leitzinsen so drastisch wie noch nie in ihrer Geschichte, und Pr\u00e4sidentin Lagarde nimmt ihre inflationsblinden Prognostiker in Schutz. Doch das n\u00e4chste Drama f\u00fcr die Zentralbank k\u00fcndigt sich bereits an.  <\/p>\n<p>Wie sehr sie den Prognosen ihrer Volkswirte eigentlich noch vertraue, wurde Christine Lagarde, die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), am Donnerstagnachmittag gefragt. Schlie\u00dflich waren es die Zahlenschubser um Lagardes Chef\u00f6konomen Philip Lane, die die Inflationsgefahren in der Eurozone lange Zeit und als \u00bbvor\u00fcbergehend\u00ab kleingeredet hatten. Mit dem Effekt, dass die EZB umso hektischer nachziehen muss, um die horrende Teuerung von aktuell 9,1 Prozent in der Eurozone wieder in den Griff zu bekommen. Immerhin hob die Zentralbank jetzt ihren Leitzins um 0,75 Prozent auf 1,25 Prozent an.<\/p>\n<p>Sie vertraue ihren Leuten, versicherte Lagarde, schlie\u00dflich h\u00e4tten die wie alle anderen Fachleute nicht vorhersehen k\u00f6nnen, dass Russland die Ukraine angreift, dem Westen den Gashahn abdreht und somit eine Inflation heraufbeschw\u00f6rt wie zuletzt in den Siebzigerjahren. Und wie es eine gute Chefin tut, stellte sich Lagarde demonstrativ vor ihre Mitarbeiter. \u00bbIch nehme die Schuld auf mich!\u00ab, so die Franz\u00f6sin, die selbst nie Notenbankerin war und auch deshalb von Experten zunehmend kritisch gesehen wird.<\/p>\n<p>Lagardes R\u00fcckendeckung f\u00fcr ihr Team ehrt die Pr\u00e4sidentin. Doch davon losgel\u00f6st bleiben Zweifel, ob es die Zentralbank absehbar schaffen kann, die Teuerung wieder in den Griff zu kriegen. Die j\u00fcngsten Entscheidungen der Notenbank sind allenfalls der Anfang eines schmerzhaften und riskanten Prozesses, um das Biest Inflation zu z\u00e4hmen. Aktuell betr\u00e4gt<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>der <strong>Leitzinssatz<\/strong>, zu dem sich Gesch\u00e4ftsbanken bei der EZB Geld leihen,1,25 Prozent;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>der<strong> Einlagenzins<\/strong>, zu dem sie Geld bei ihr parken, 0,75 Prozent;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>und der <strong>Spitzenrefinanzierungszinssatz<\/strong>, zu dem sie sich \u00fcber Nacht Geld bei der EZB borgen, 1,5 Prozent.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das klingt viel angesichts jahrelanger Null- und Negativzinsen. Doch weil die Inflation demn\u00e4chst zweistellig ausfallen k\u00f6nnte, m\u00fcssen die Eurozonen-Europ\u00e4er (wie fast der Rest der westlichen Welt auch) horrende Kaufkraftverluste hinnehmen. Tagesgeldanlagen d\u00fcrften zwar wieder attraktiver werden, aber unter dem Strich bleiben Wohlfahrtsverluste. Das gilt auch f\u00fcr Menschen, die ihr Geld in Aktien investiert haben, denn die Volatilit\u00e4t an den B\u00f6rsen ist erheblich, die Stimmung tr\u00fcb.<\/p>\n<p>Daran werden die heutigen Ma\u00dfnahmen nichts \u00e4ndern, Zinsschritte wirken erst mit langer Verz\u00f6gerung. Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa der Fondsgesellschaft DWS; formulierte es so: \u00bbEin gro\u00dfer Schritt f\u00fcr die EZB, ein kleiner Schritt gegen die Inflation.\u00ab<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich steckt die EZB seit geraumer Zeit in einem perfekten Dilemma: Den Lehrb\u00fcchern nach sollen steigende Leitzinsen Bankkredite verteuern, die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern nach frischem Geld abschw\u00e4chen und so erst die hei\u00df gelaufene Wirtschaft und dann die Preise abk\u00fchlen.<\/p>\n<p>Blo\u00df: Die Wirtschaft in der Eurozone ist nicht hei\u00df gelaufen. Sie wird im Schlussquartal 2022 und zum Jahresauftakt 2023 laut Lagarde stagnieren oder in die Rezession st\u00fcrzen, je nachdem, was sich der Warlord in Moskau noch f\u00fcr Gemeinheiten ausdenkt.<\/p>\n<h3>Weitere Schritte angek\u00fcndigt<\/h3>\n<p>Die Preise steigen also vor allem wegen der hohen Energiekosten, und dagegen kann auch die EZB nichts machen. Was sie indes vers\u00e4umt hat, ist, B\u00fcrgern und Investoren rechtzeitig den Eindruck zu vermitteln, die Inflation mit allen Mitteln zu bek\u00e4mpfen. Das muss sie jetzt mit drastischen Zinserh\u00f6hungen nachholen, Lagarde hat f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate weitere Schritte angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Zugleich drohen die hohen Gaspreise die Wirtschaft abzuw\u00fcrgen. Einer schlappen Wirtschaft kann die EZB aber nicht mehr wie so oft in der Vergangenheit helfen, indem sie die Zinsen wieder senkt; denn die Notenbank ist zuallererst der Preisstabilit\u00e4t verpflichtet. Das sieht inzwischen auch Lagarde selbst so \u2013 obwohl sie sich weiterhin und viel \u00f6fter als ihre Vorg\u00e4nger mit zeitgeistlichen Betrachtungen zu Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz zu Wort meldet, die nichts mit der Kernaufgabe einer Zentralbank zu tun haben.<\/p>\n<p>Lagarde und die EZB scheinen gerade noch einmal die Kurve zu kriegen in Sachen Inflationsbek\u00e4mpfung. \u00bbBesser sp\u00e4t als nie\u00ab, sagt etwa Ifo-Pr\u00e4sident Clemens Fuest und mahnt an: \u00bbIn den n\u00e4chsten Monaten werden weitere Zinserh\u00f6hungen folgen m\u00fcssen. (\u2026) Den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik wegen der Aussicht auf einen Konjunkturabschwung zu verschieben, w\u00fcrde die Kosten der Inflationsbek\u00e4mpfung nur steigern.\u00ab ZEW-\u00d6konom Friedrich Heinemann nannte den Zinsschritt \u00bbunausweichlich\u00ab.<\/p>\n<p>Und der vielleicht unangenehmste Moment kommt erst noch: Sollten die Italiener ihrer Neigung zu Verr\u00fccktheiten an der Wahlurne nachgeben und bei den Parlamentswahlen am 25. September eine rechtsradikale Dreierkoalition in die Regierung w\u00e4hlen, d\u00fcrfte das Vertrauen der Investoren in eines der Euro-Kernl\u00e4nder weiter sinken.<\/p>\n<p>Schon jetzt machen die Gro\u00dfanleger einen Bogen um italienische Staatsanleihen. Das h\u00f6rt sich wie Gehirnfutter f\u00fcr M\u00e4rkte-Nerds an, ist aber gef\u00e4hrlich f\u00fcr die EZB. Denn sie will L\u00e4ndern beiseite springen, deren Anleihen kaum noch K\u00e4ufer finden, indem sie selbst die Papiere aufkauft. Das ist etwas, dass sie jahrelang getan hat, aber quer durch die Eurozone \u2013 als Retter einzelner L\u00e4nder ist sie so explizit, wie sie es jetzt vorhat, bislang nicht eingesprungen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Szenario: In Rom regieren Protofaschisten, die schuldenfinanzierte Wohltaten unters Volk bringen, und die EZB muss zu Hilfe eilen, damit daraus keine neue Eurokrise wird. Hoffentlich haben sich Lagardes Zahlenschubser dar\u00fcber rechtzeitig Gedanken gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EZB erh\u00f6ht die Leitzinsen so drastisch wie noch nie in ihrer Geschichte, und Pr\u00e4sidentin Lagarde nimmt ihre inflationsblinden Prognostiker in Schutz. 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