{"id":14514,"date":"2022-09-04T05:56:16","date_gmt":"2022-09-04T02:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nord-stream-1-stillgelegt-was-das-fur-deutschland-bedeutet\/"},"modified":"2022-09-04T05:56:16","modified_gmt":"2022-09-04T02:56:16","slug":"nord-stream-1-stillgelegt-was-das-fur-deutschland-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/nord-stream-1-stillgelegt-was-das-fur-deutschland-bedeutet\/","title":{"rendered":"Nord Stream 1 stillgelegt: Was das f\u00fcr Deutschland bedeutet"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Gazprom hat den Gasfluss durch die Ostseepipeline f\u00fcr unbestimmte Zeit unterbrochen \u2013 wegen eines \u00d6llecks. Wie glaubw\u00fcrdig das ist und was das f\u00fcr den deutschen Winter bedeutet: Der \u00dcberblick.  <\/p>\n<h3>Was ist passiert?<\/h3>\n<p>Am Freitagabend teilte der russische Staatskonzern Gazprom \u00fcberraschend mit, dass der Gasdurchfluss durch Nord Stream 1 bis auf Weiteres gestoppt bleibe \u2013 und nicht, wie geplant, nach Abschluss der dreit\u00e4gigen Wartungsarbeiten wieder aufgenommen werde. Grund daf\u00fcr sei ein \u00d6laustritt in der Kompressorstation Portowaja, teilte Gazprom mit. Bis dieser gestoppt sei, k\u00f6nne kein Gas mehr flie\u00dfen.<\/p>\n<h3>Stimmt das?<\/h3>\n<p>Die Bundesnetzagentur bezweifelt das. \u00bbDie von russischer Seite behaupteten M\u00e4ngel sind nach Einsch\u00e4tzung der Bundesnetzagentur technisch kein Grund f\u00fcr die Einstellung des Betriebs\u00ab, schreibt die Beh\u00f6rde in ihrem am Samstag ver\u00f6ffentlichten Lagebericht zur Gasversorgung. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch Siemens Energy als Hersteller der angeblich betroffenen Turbine. Die Abdichtung solcher Leckagen sei ein Routinevorgang im Rahmen von Wartungsarbeiten.<\/p>\n<h3>K\u00f6nnte ein Leck den Gasfluss wirklich so ausbremsen?<\/h3>\n<p>Ja, sagt Russland \u2013 aus Mangel an Alternativen. Es gebe keine technischen Reserven, hatte Kremlsprecher Dmitrij Peskow bereits am Freitagmittag gesagt. \u00bbEs l\u00e4uft nur eine Turbine.\u00ab Auch dieser Darstellung widerspricht Siemens Energy: In der Verdichterstation Portowaja st\u00fcnden genug Turbinen f\u00fcr einen Betrieb der Pipeline zur Verf\u00fcgung, so das Unternehmen. Bereits Ende Juli hatte Russland die Lieferung durch Nord Stream 1 mit Verweis auf eine defekte Turbine zur\u00fcckgefahren. Gleichzeitig steht in M\u00fclheim weiter eine reparierte Turbine f\u00fcr Nord Stream 1, die auf den Weitertransport wartet.<\/p>\n<h3>Kommt nun gar kein Gas mehr aus Russland?<\/h3>\n<p>Praktisch nicht \u2013 \u00fcber Waidhaus in Bayern kann aber zumindest theoretisch russisches Pipeline-Gas nach Deutschland gelangen. Waidhaus ist unter anderem Anlaufpunkt f\u00fcr Transgas, ein \u00fcber die Ukraine und die Slowakei laufendes Leitungssystem nach \u00d6sterreich und Deutschland, gleichzeitig aber auch f\u00fcr Nord-Stream-1-Gas \u00fcber Tschechien. Laut Bundesnetzagentur kamen in Waidhaus allerdings zuletzt ohnehin nur noch geringe oder gar keine Mengen an.<\/p>\n<h3>Woher kommt dann Gas nach Deutschland?<\/h3>\n<p>Vor allem aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden \u2013 und zwar deutlich mehr als zuletzt aus Russland. Am Donnerstag flossen nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2900 Gigawattstunden Erdgas aus diesen L\u00e4ndern nach Deutschland. Zum Vergleich: Am Montag, noch vor der angek\u00fcndigten Lieferreduktion, transportierte Nord Stream 1 rund 348 Gigawattstunden russisches Erdgas. Anlaufstellen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Importe sind zudem die Terminals f\u00fcr verfl\u00fcssigtes Erdgas (LNG) an Nord- und Ostsee, die gerade im Eiltempo geplant und gebaut werden. Zum Jahreswechsel sollen die ersten Anlagen den Betrieb aufnehmen.<\/p>\n<h3>Wird weiter Gas eingespeichert?<\/h3>\n<p>Ja \u2013 und das soll auch so bleiben, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Branchenverbandes Initiative Energien Speichern (INES), Sebastian Bleschke. Der vergangene Mittwoch als erster Tag der Lieferunterbrechung habe bereits gezeigt, dass dies m\u00f6glich sei. Aktuelle Zahlen der europ\u00e4ischen Gasspeicher-Betreiber zeigen allerdings auch, dass seit Beginn der Nord-Stream-Unterbrechung tendenziell weniger eingespeichert und mehr entnommen wird als zuvor. Die F\u00fcllst\u00e4nde steigen trotzdem, nach den aktuellsten Daten auf 84,53 Prozent am 1. September.<\/p>\n<h3>Kommen wir mit den Speicher-F\u00fcllst\u00e4nden durch den Winter?<\/h3>\n<p>Eine Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent gef\u00fcllt sein m\u00fcssen, am 1. November dann zu 95 Prozent. INES-Chef Bleschke geht davon aus, dass die 85-Prozent-Marke schon in wenigen Tagen erreicht wird. \u00bbSollte der komplette Ausfall russischer Gastransporte sich bis in den November fortsetzen, wird ein Erreichen des 95-Prozent-Ziels allerdings gro\u00dfe Anstrengungen erfordern.\u00ab<\/p>\n<h3>Droht jetzt ein Gasmangel?<\/h3>\n<p>Klar war immer: Die bei einem F\u00fcllstand von 95 Prozent gespeicherte Gasmenge entspricht etwa dem bundesweiten Verbrauch der beiden Monate Januar und Februar 2022. Sie reicht also nicht f\u00fcr eine komplette Heizperiode. Gleichzeitig l\u00e4uft der Gasimport in Herbst und Winter aber weiter, das dann verbrauchte Gas wird also nicht oder nicht nur aus Speichern kommen. Ziel der Gasspeicher-Verordnung war und ist es ja gerade, Deutschland besser gegen einen Totalausfall russischer Lieferungen zu wappnen. Trotzdem betont die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Lagebericht noch einmal die Bedeutung eines sparsamen Gasverbrauchs.<\/p>\n<h3>Wird Gas nun noch teurer?<\/h3>\n<p>Das ist schwer vorherzusagen. Der Preis des Terminkontrakts TTF f\u00fcr niederl\u00e4ndisches Erdgas, der als richtungsweisend f\u00fcr Gaspreise in Europa angesehen wird, war Ende August zun\u00e4chst deutlich in die H\u00f6he gegangen. Danach ging es allerdings ebenso steil bergab auf wieder etwas \u00fcber 200 Euro. Die letzte Preiserhebung vor dem Wochenende datiert allerdings auf 15.59 Uhr am Freitag, also noch vor der Gazprom-Mitteilung zur weiteren Unterbrechung der Gasversorgung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gazprom hat den Gasfluss durch die Ostseepipeline f\u00fcr unbestimmte Zeit unterbrochen \u2013 wegen eines \u00d6llecks. Wie glaubw\u00fcrdig das ist und was das f\u00fcr den deutschen Winter bedeutet: Der \u00dcberblick. 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