{"id":1397,"date":"2020-07-25T14:42:20","date_gmt":"2020-07-25T11:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/aufwachsen-im-fluchtlingscamp-eine-kindheit-in-moria-auf-lesbos\/"},"modified":"2020-07-25T14:42:20","modified_gmt":"2020-07-25T11:42:20","slug":"aufwachsen-im-fluchtlingscamp-eine-kindheit-in-moria-auf-lesbos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/aufwachsen-im-fluchtlingscamp-eine-kindheit-in-moria-auf-lesbos\/","title":{"rendered":"Aufwachsen im Fl\u00fcchtlingscamp: Eine Kindheit in Moria auf Lesbos"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Moria ist, erst mal, der Ort, an dem vieles zu Ende geht: die Flucht \u00fcbers Meer, der Glaube an ein humanit\u00e4res Europa, die Hoffnung, dass das, was kommt, besser wird.<\/p>\n<p>Moria ist, auch, der Ort, an dem Leben neu beginnt. Kinder werden geboren, sie gehen ihre ersten Schritte, sie bilden ihre ersten Silben.<\/p>\n<p>Die Kinder von Moria beginnen ihre Leben in einem Camp, das einmal f\u00fcr 3000 Bewohner errichtet wurde, und in dem nun 20.000 Menschen leben, ein Ort, der als Zwischenhalt f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gedacht war, die auf den griechischen Inseln landen, und der zu einer Endstation geworden ist f\u00fcr Tausende, zu einer Stadt aus Zelttuch, gedr\u00fcckt in die Olivenh\u00e4nge. Viele stecken seit Jahren auf der Insel fest, weil ihre Asylgesuche nicht bearbeitet werden.<\/p>\n<p>Moria ist dort, wo sich Ratten zwischen den Zelten breitmachen. Wo man Schlange stehen muss, um Essen zu bekommen. Wo flie\u00dfend Wasser auf wenige Stunden am Tag rationiert wird. Wo sich Frauen und M\u00e4nner nachts nicht auf die Toiletten der Sanit\u00e4ranlagen trauen, aus Angst vor \u00dcbergriffen und Messerstechereien.<\/p>\n<p>Und wo, dazwischen eben, Kinder heranwachsen.<\/p>\n<p>Der Berliner Fotograf Murat T\u00fcremis brach das erste Mal 2016 zu den Fl\u00fcchtlingslagern auf, da wurde gerade der EU-T\u00fcrkei-Deal geschlossen. Seitdem ist er regelm\u00e4\u00dfig in den Camps unterwegs, auf den griechischen Inseln und auf dem Festland.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr hat er zweieinhalb Monate in Moria auf Lesbos verbracht. Er traf dort afghanische und syrische V\u00e4ter und M\u00fctter, deren Kinder schwer krank sind.<\/p>\n<p>Als T\u00fcremis die kleine Saraya zum ersten Mal sieht, liegt sie im Arm ihres Vaters. Sermuhammed und seine Frau Qandigol, gefl\u00fcchtet aus Afghanistan, bangen um ihre Tochter. Qandigol stand schwanger die Flucht durch und brachte dann in der T\u00fcrkei ihr Kind zur Welt. Sp\u00e4ter erreichte die Familie Lesbos.<\/p>\n<p>Die kleine Saraya ist, als T\u00fcremis sie fotografiert, schwer krank, sie hat ein Loch im Herzen, braucht dringend eine OP. Seit Monaten warten die Eltern, dass ihrer Tochter geholfen wird, die Hilfe verz\u00f6gert sich. Auch wegen der Coronakrise ist die OP auf unbestimmte Zeit verschoben worden.<\/p>\n<p>Er habe M\u00fctter und V\u00e4ter gesehen, sagt T\u00fcremis, die dringend eine Therapie br\u00e4uchten. Kinder, die mit traumatisierten Eltern aufwachsen oder selbst traumatisiert seien von der Flucht.<\/p>\n<p>Der Fotograf trifft auch Daham, viereinhalb Jahre, er wiegt 10,6 Kilogramm, viel zu wenig. Daham leidet an einer schweren Weizenallergie, kann das Essen im Camp nicht vertragen, anderes gibt es nicht.<\/p>\n<p>Und er trifft Islam, ein M\u00e4dchen, das beim Bombenangriff auf ihr Dorf in Syrien ihr Geh\u00f6r verlor.<\/p>\n<p>&quot;Die Langzeitfolgen einer Kindheit in Moria werden wir erst in ein paar Jahren sehen&quot;, sagt T\u00fcremis. Die Befunde der Kinder und die Kontakte zu den einzelnen Familien liegen dem SPIEGEL vor.<\/p>\n<p>Inzwischen sind die Familien in Athen angekommen, wo sie nun auf medizinische Hilfe warten. Andere m\u00fcssen weiter auf den Inseln ausharren.<\/p>\n<h3>Lesen Sie in der Fotostrecke die Geschichten der Kinder und ihrer Eltern w\u00e4hrend ihrer Zeit im Camp Moria:<\/h3>\n<p><em>Anmerkung der Redaktion:<\/em><em>Die Bilder sind, wie im Text erw\u00e4hnt, im Fr\u00fchjahr 2020 entstanden. Inzwischen sind die hier erw\u00e4hnten Familien in Athen, wo sie auf eine Behandlung ihrer Kinder warten. Wir haben diese Information erg\u00e4nzt.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moria ist, erst mal, der Ort, an dem vieles zu Ende geht: die Flucht \u00fcbers Meer, der Glaube an ein humanit\u00e4res Europa, die Hoffnung, dass das, was kommt, besser wird.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1397","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1397"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1397\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}