{"id":1350,"date":"2020-07-23T08:56:00","date_gmt":"2020-07-23T05:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wirtschaft-in-der-corona-krise-das-karma-der-kurzarbeit\/"},"modified":"2020-07-23T08:56:00","modified_gmt":"2020-07-23T05:56:00","slug":"us-wirtschaft-in-der-corona-krise-das-karma-der-kurzarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-wirtschaft-in-der-corona-krise-das-karma-der-kurzarbeit\/","title":{"rendered":"US-Wirtschaft in der Corona-Krise: Das Karma der Kurzarbeit"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/08fd79dd-d126-42d7-9370-8bde1ff7e5bc_w948_r1.77_fpx69.94_fpy44.98.jpg\" title=\"Wieder ein Gesch\u00e4ft dicht: Die Coronakrise ist anders als andere Krisen in den USA (Archivfoto)\" alt=\"Wieder ein Gesch\u00e4ft dicht: Die Coronakrise ist anders als andere Krisen in den USA (Archivfoto)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wieder ein Gesch\u00e4ft dicht: Die Coronakrise ist anders als andere Krisen in den USA (Archivfoto)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Nam Y. Huh\/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Wette der Investoren l\u00e4uft: f\u00fcr oder gegen Amerika.<\/p>\n<p>&quot;Nichts kann Amerika stoppen&quot;, hat der 89-j\u00e4hrige Warren Buffett nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie erkl\u00e4rt. Die Nation habe schon Schlimmeres \u00fcberstanden, beruhigte das Orakel aus Omaha seine Aktion\u00e4re: &quot;Das amerikanische Wunder, die amerikanische Magie haben immer obsiegt, und so wird es wieder sein.&quot; Anfang Juli investierte seine Gesellschaft fast zehn Milliarden Dollar ins Erdgasgesch\u00e4ft. Eine Vertrauenserkl\u00e4rung f\u00fcr den US-Konjunkturaufschwung.<\/p>\n<p>Eine ganz andere Weltsicht pr\u00e4sentierte dagegen diese Woche Ruchir Sharma, Mitte 40 und Investmentexperte von Morgan Stanley. &quot;Welches Land wird in der Post-Pandemie-Welt triumphieren?&quot;, fragte Sharma in einem Gastbeitrag f\u00fcr die &quot;New York Times&quot;. Sein Tipp: nicht die Wirtschaftsm\u00e4chte USA oder China. Sondern Deutschland. Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel h\u00e4tten die Deutschen ihre St\u00e4rken w\u00e4hrend der Coronakrise voll ausgespielt, urteilt der Autor des Buches &quot;The 10 Rules of Successful Nations&quot;: eine effiziente Regierung, niedrige Staatsschulden, den Ruf industrieller Exzellenz und dazu eine wachsende Zahl heimischer Techunternehmen.<\/p>\n<h3>&quot;Kurzarbeit&quot; geht in den amerikanischen Wortschatz ein<\/h3>\n<p>F\u00fcr Experten wie Sharma ist Europa in den vergangenen Wochen zum Gegenentwurf zu Trumps Amerika geworden. Die deutsche &quot;Kurzarbeit&quot; hat sich einen Platz im amerikanischen Wortschatz erobert und wird neuerdings als Musterrezept gehandelt, um massive Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt zu vermeiden. Die j\u00fcngste Einigung der EU auf ein Hilfspaket befl\u00fcgelt den neuen Glauben an Europa zus\u00e4tzlich. Das Konjunkturpaket und die effektive Eind\u00e4mmung des Virus w\u00fcrden dazu f\u00fchren, &quot;dass die Erholung in der Eurozone steiler und reibungsloser ausfallen wird als anderswo &#8211; einschlie\u00dflich den USA&quot;, urteilen die Goldman-Sachs-Analysten Alain Durr\u00e9 und Sven Jari Stehn.<\/p>\n<p>Amerika gilt als die dynamischste Volkswirtschaft der Welt und nach fr\u00fcheren Rezessionen hat sich das ausgezahlt. W\u00e4hrend der Finanzkrise seien in den USA f\u00fcnf Prozent aller Jobs verloren gegangen, verglichen mit drei Prozent in Europa, so die Harvard-\u00d6konomin Megan Greene. Danach habe es 119 Monate gedauert, bis die USA wieder das Vor-Krisen-Niedrigniveau erreichten &#8211; die Eurozone aber habe das bis zum Ausbruch der Seuche nicht geschafft. Der superflexible Arbeitsmarkt sei &quot;immer ein Markenzeichen des amerikanischen Systems&quot; gewesen, lobte Green. Und es stehen Tausende Unternehmer und Entrepreneure in den Startl\u00f6chern, um aus jeder Krise eine Chance zu machen.<\/p>\n<p>Noch vor Kurzem warnte auch Morgan-Stanley-Experte Sharma davor, Amerika vorschnell abzuschreiben. Es gebe &quot;keinen Grund zu glauben, dass der Abschwung das Standing der Vereinigten Staaten unter den Volkswirtschaften der Welt ver\u00e4ndert&quot;, schrieb er in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift &quot;Foreign Affairs&quot;. Amerika sei &quot;die Comeback-Nation&quot; und Kritiker, die den Niedergang vorhersagten, h\u00e4tten sich in der Vergangenheit stets geirrt.<\/p>\n<p>Die vergangenen Wochen scheinen den eloquenten Bankstrategen, der f\u00fcr ein Interview nicht zur Verf\u00fcgung stand, eines Besseren belehrt zu haben.<\/p>\n<h3>Von wegen business as usual<\/h3>\n<p>Die Corona-Rezession jedenfalls ist anders als fr\u00fchere Konjunkturtiefs. Der Verlauf der Erholung werde &quot;zu einem gro\u00dfen Teil davon abh\u00e4ngen, wie erfolgreich wir bei der Eind\u00e4mmung des Virus sind&quot;, hat Notenbankchef Jerome Powell j\u00fcngst im Kongress erkl\u00e4rt &#8211; und davon, dass die Politik die Erholung mit Hilfsprogrammen unterst\u00fctze.<\/p>\n<p>In beiderlei Hinsicht sieht es nicht allzu gut aus. Der Versuch des US-Pr\u00e4sidenten, die R\u00fcckkehr zum business as usual zu erzwingen, ist dramatisch gescheitert.<\/p>\n<p>\u00dcber vier Millionen Menschen haben sich in den USA schon mit Covid-19 infiziert, und die Ausbreitung des Virus ist au\u00dfer Kontrolle. &quot;Das Ergebnis der verfr\u00fchten \u00d6ffnung der US-Wirtschaft ist, dass sich die Pandemie intensiviert hat, was nun das Wirtschaftswachstum verlangsamt&quot;, urteilt der \u00d6konom Joe Brusuelas. Fluggesellschaften, Restaurants und Hotels berichten, dass die Nachfrage wieder nachl\u00e4sst. Das Konjunkturbarometer der New Yorker Fed, das zeitnah Daten zur Wirtschaftsaktivit\u00e4t erfasst, hat inzwischen wieder ins Negative gedreht. Brusuelas pessimistische Vorhersage: &quot;Kein Impfstoff, keine Erholung.&quot;<\/p>\n<h3>\u00d6konomen f\u00fcrchten die &quot;fiskalische Klippe&quot;<\/h3>\n<p>Noch halten die vom Kongress beschlossenen Hilfspakete im Umfang von zwei Billionen Dollar den Konsum der Amerikaner und damit die Konjunktur am Laufen. Doch wenn nichts geschieht, fallen Ende Juli Millionen Menschen ins Bodenlose: Dann l\u00e4uft die zus\u00e4tzliche Arbeitslosenunterst\u00fctzung von w\u00f6chentlich 600 Dollar aus, dank derer viele ihre Miete oder Kreditkartenschulden in den vergangenen Monaten zahlen konnten. Zudem l\u00e4uft am Freitag ein Moratorium aus, das viele s\u00e4umige Mieter vor dem Rauswurf aus der Wohnung sch\u00fctzte.<\/p>\n<p>\u00d6konomen f\u00fcrchten, dass die &quot;fiskalische Klippe&quot;, das Auslaufen der staatlichen Zahlungen, die Konjunktur gef\u00e4hrlich zur\u00fcckwerfen k\u00f6nnte. In Washington verhandeln Republikaner und Demokraten kurz vor Beginn der Sommerpause deshalb \u00fcber ein weiteres Hilfspaket. Doch die Differenzen sind nicht nur zwischen den beiden politischen Lagern gro\u00df. Einige Ideen des Pr\u00e4sidenten sind selbst in den eigenen Reihen auf Befremden gesto\u00dfen. So pocht Donald Trump auf eine Senkung der Lohnsteuer, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. \u00d6konomen halten diese Steuersenkung f\u00fcr unsinnig, weil damit denen geholfen w\u00fcrde, die den Job w\u00e4hrend der Krise behalten haben, und Unternehmen Neueinstellungen derzeit wohl eher von den Umsatzerwartungen als Arbeitskosten abh\u00e4ngig machen. Auch Trumps Forderung, der Staat solle nur denjenigen Schulen und Universit\u00e4ten helfen, die den regul\u00e4ren Betrieb trotz Ansteckungsgefahren wieder aufnehmen, st\u00f6\u00dft auf wenig Zustimmung.<\/p>\n<p>Fassungslosigkeit bei vielen hat auch ein anderer Vorsto\u00df Trumps ausgel\u00f6st: Das Wei\u00dfe Haus forderte, die Gelder f\u00fcr Corona-Tests in den Bundesstaaten zu k\u00fcrzen. Trumps krude Logik: Je weniger getestet wird, desto geringer ist auch die Zahl der (gemeldeten) Infektionen.<\/p>\n<p>Sharma begr\u00fcndet sein Vertrauen in die deutsche Wirtschaft auch mit einem politischen Argument: Deutschland habe eine Regierung, die darauf vorbereitet sei, mit den kommenden Herausforderungen umzugehen. Soll wohl hei\u00dfen: F\u00fcr Amerika gilt das nicht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wieder ein Gesch\u00e4ft dicht: Die Coronakrise ist anders als andere Krisen in den USA (Archivfoto) Foto:\u2002Nam Y. Huh\/ AP Die Wette der Investoren l\u00e4uft: f\u00fcr oder gegen Amerika.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1351,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1350","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1350"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1350\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}