{"id":1232,"date":"2020-07-17T21:38:32","date_gmt":"2020-07-17T18:38:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisen-in-corona-zeiten-behorden-mussen-fruhzeitig-entschieden-und-agil-handeln-konnen\/"},"modified":"2020-07-17T21:38:32","modified_gmt":"2020-07-17T18:38:32","slug":"reisen-in-corona-zeiten-behorden-mussen-fruhzeitig-entschieden-und-agil-handeln-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/reisen-in-corona-zeiten-behorden-mussen-fruhzeitig-entschieden-und-agil-handeln-konnen\/","title":{"rendered":"Reisen in Corona-Zeiten: &#8220;Beh\u00f6rden m\u00fcssen fr\u00fchzeitig, entschieden und agil handeln k\u00f6nnen&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8afe5dfd-2364-4935-8e34-19f1f61218d7_w948_r1.77_fpx31.33_fpy52.99.jpg\" title=\"Wohnsiedlung von T\u00f6nnies-Mitarbeitern in Quarant\u00e4ne\" alt=\"Wohnsiedlung von T\u00f6nnies-Mitarbeitern in Quarant\u00e4ne\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wohnsiedlung von T\u00f6nnies-Mitarbeitern in Quarant\u00e4ne<\/p>\n<p>  Foto: Noah Wedel\/ imago images\/Noah Wedel  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>In Deutschland wurde in den vergangenen Tagen \u00fcber Reisebeschr\u00e4nkungen bei Corona-Ausbr\u00fcchen diskutiert. Ist so etwas sinnvoll?<\/p>\n<p><strong>G\u00e9rard Krause<\/strong>: Bei lokalen Anstiegen k\u00f6nnen das geeignete Ma\u00dfnahmen sein. Es m\u00fcssen aber nicht gleich ganze Landkreise mit Reisesperren belegt werden. Wir m\u00fcssen pr\u00e4zise und flexibel auf die Ausbr\u00fcche reagieren. Reisebeschr\u00e4nkungen sollten vonFall zu Fall abgewogen werden. Einen Automatismus, also zum Beispiel einen Algorithmus, der es den B\u00fcrgern auf der Basis von Infektionszahlen erm\u00f6glicht, ihren Urlaub zu planen, halte ich nicht f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Es soll nun auch Lockdowns f\u00fcr kleinere Gebiete unterhalb von Landkreisen geben. Werden wir das Coronavirus mit solchen Beschr\u00e4nkungen besiegen?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Wenn die Fallzahlen hochgehen, sollten die Beh\u00f6rden reagieren. Die Gesundheits\u00e4mter m\u00fcssen sich dann rigoros einen \u00dcberblick verschaffen. Die Politik sollte sie in die Lage versetzen, fr\u00fchzeitig, entschieden und agil handeln zu k\u00f6nnen, damit solche Ausbr\u00fcche einged\u00e4mmt werden. Eigentlich sind das keine neuen Erkenntnisse, deshalb wundert es mich, dass die Beschl\u00fcsse jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Im Kreis G\u00fctersloh waren nach dem Ausbruch beim Fleischkonzern T\u00f6nnies von den Einschr\u00e4nkungen auch Menschen betroffen, die im n\u00f6rdlichen Teil des Landkreises lebten, wo die Zahlen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stabil blieben. Waren die Ma\u00dfnahmen \u00fcbertrieben?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Im Nachhinein kann man das leicht sagen, aber ein solches Urteil w\u00e4re unfair. Zu Beginn des Ausbruchs war nicht klar, wo sich die Menschen angesteckt hatten und welche Faktoren dabei eine Rolle spielten. Wenn man Zweifel hat, sollte man auf der sicheren Seite handeln. Dann ist es besser, die Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens wie beispielsweise die Schlie\u00dfung von Sportst\u00e4tten auf ein paar Quadratkilometer mehr auszudehnen. Wichtig ist, dass man fr\u00fchzeitig die Ma\u00dfnahmen anpasst, sobald neue Erkenntnisse das nahe legen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Worauf kommt es bei solchen Ma\u00dfnahmen an?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Um die Infektionskette zu durchbrechen, m\u00fcssen wir sehr gezielt vorgehen und schauen, woher der Ausbruch kommt. Man lernt bei jedem etwas dazu. Wenn er eine bestimmte Alters- oder Berufsgruppe wie im Fall T\u00f6nnies betrifft, schauen wir, was dazu gef\u00fchrt hat. Wurde beispielsweise der Mundschutz nicht richtig getragen oder f\u00fchrten die Lebensumst\u00e4nde der Mitarbeiter zu den Infektionen, setzen wir dort an. In G\u00fctersloh ist das letztlich gut gelungen. Eigentlich wird die gestrige politische Einigung von Bund und L\u00e4ndern in der Praxis l\u00e4ngst umgesetzt. In G\u00f6ttingen wurde ganz gezielt ein Hochhaus unter Quarant\u00e4ne gesetzt. Aber der Beschluss gibt vielleicht den Gesundheits\u00e4mtern jetzt nochmal mehr R\u00fcckendeckung aus der Politik und der Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Warum reichen die Ma\u00dfnahmen wie das Tragen von Masken, H\u00e4ndewaschen und Mundschutz in solchen F\u00e4llen nicht?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Zun\u00e4chst muss uns bewusst sein: All diese Ma\u00dfnahmen sind wirksam, weil sie die Wahrscheinlichkeit der \u00dcbertragung reduzieren. Eine absolute Sicherheit ist in diesem Kontext nicht zu erreichen. Wenn der Infektionsdruck aufgrund besonderer Rahmenbedingungen sehr hoch ist, kann es dann eben trotzdem zu einem Anstieg der Infektionen kommen. In dem Fall muss man dann schauen, dass die bekannten Hygienema\u00dfnahmen entweder erg\u00e4nzt oder die bestehenden Ma\u00dfnahmen sorgf\u00e4ltiger umgesetzt werden. Insgesamt kommt es darauf an, die Wahrscheinlichkeit der \u00dcbertragung zu reduzieren. <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Entscheidungen \u00fcber Lockerungen solcher Beschr\u00e4nkungen h\u00e4ngen auch von der sogenannten 7-Tage-Inzidenz ab: Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen gelockert werden, wenn es innerhalb von sieben Tagen nicht mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gibt. Ist dieser Wert sinnvoll?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Ich wei\u00df bis heute nicht, wo die Zahl herkommt. Letztlich m\u00fcssen wir jeden Fall individuell beurteilen. Nat\u00fcrlich gibt es Leitlinien, die einen Korridor f\u00fcr die unterschiedlichen Handlungsm\u00f6glichkeiten geben. Starre Regeln lehne ich bei der Krisenbew\u00e4ltigung ab. Aber ich kann nat\u00fcrlich verstehen, dass es ein politisches und gesellschaftliches Bed\u00fcrfnis danach gibt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Die Ma\u00dfnahmen d\u00fcrfen nicht schlimmer sein als die Krankheit, haben Sie k\u00fcrzlich in einem Interview gesagt. Kann es wieder zu einem bundesweiten Lockdown kommen?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Das Dilemma der Abw\u00e4gung bleibt dasselbe und muss gesellschaftlich-politisch entschieden werden. Anders als im M\u00e4rz haben wir heute eine etwas bessere Einsch\u00e4tzung &#8211; zum einen \u00fcber die Dynamik und Auswirkung der Virusinfektionen. Und zum anderen \u00fcber die Machbarkeit und Folgen generalisierter Schlie\u00dfung von Schulen und Betrieben. Au\u00dferdem sind sowohl einfache OP-Masken, Desinfektionsmittel und Virustests inzwischen gut verf\u00fcgbar. Insgesamt m\u00fcssen wir unsere Aufmerksamkeit auf schwere Erkrankungen und weniger auf anlasslose Virusnachweise bei Menschen ohne Symptome lenken.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Im Laufe der Coronakrise sind Wissenschaftler stark in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt und zu wichtigen Beratern der Politik geworden. Wie beurteilen Sie diesen Prozess?<\/p>\n<p><strong>Krause<\/strong>: Die Erkenntnisse der Medizin, Virologie und Naturwissenschaften allein reichen nicht, wenn es darum geht, politische Entscheidungen zu treffen. F\u00fcr die Krisenbew\u00e4ltigung brauchen wir auch ethische, sozial- und kommunikationswissenschaftliche Expertise. Da braucht es einen multidisziplin\u00e4ren Angang, um diese gigantische Aufgabe zu bew\u00e4ltigen. Diese Expertise ist in Deutschland gut vorhanden. Mein Gef\u00fchl ist, sie ist zu sp\u00e4t und bis heute zu wenig strukturiert eingebunden worden &#8211; jedenfalls nicht von au\u00dfen erkennbar.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wohnsiedlung von T\u00f6nnies-Mitarbeitern in Quarant\u00e4ne Foto: Noah Wedel\/ imago images\/Noah Wedel SPIEGEL: In Deutschland wurde in den vergangenen Tagen \u00fcber Reisebeschr\u00e4nkungen bei Corona-Ausbr\u00fcchen diskutiert. 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