{"id":1167,"date":"2020-07-16T20:56:34","date_gmt":"2020-07-16T17:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/helge-braun-wer-ist-angela-merkels-corona-manager\/"},"modified":"2020-07-16T20:56:34","modified_gmt":"2020-07-16T17:56:34","slug":"helge-braun-wer-ist-angela-merkels-corona-manager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/helge-braun-wer-ist-angela-merkels-corona-manager\/","title":{"rendered":"Helge Braun: Wer ist Angela Merkels Corona-Manager?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/24850786-5c13-41ad-875d-978cd7c9245c_w948_r1.77_fpx59.37_fpy46.85.jpg\" title=\"Kanzleramtschef Braun bei der Pr\u00e4sentation der Corona-Warn-App Mitte Juni in Berlin\" alt=\"Kanzleramtschef Braun bei der Pr\u00e4sentation der Corona-Warn-App Mitte Juni in Berlin\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kanzleramtschef Braun bei der Pr\u00e4sentation der Corona-Warn-App Mitte Juni in Berlin<\/p>\n<p>  Foto: Hannibal Hanschke\/ DPA  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Mann ist nicht f\u00fcrs Rampenlicht gemacht. Und er wollte da wohl auch nie hin. Schon beim Einstellungsgespr\u00e4ch in der Klinik entschied sich Helge Braun dagegen, das verriet der gelernte Mediziner k\u00fcrzlich im Gespr\u00e4ch mit dem SPIEGEL: Er ging in die An\u00e4sthesie, obwohl man als Arzt in anderen Disziplinen viel mehr gl\u00e4nzen kann.<\/p>\n<p>&quot;An den An\u00e4sthesisten erinnert man sich selten, obwohl Leib und Leben von ihm gesch\u00fctzt werden&quot;, erz\u00e4hlte Braun. &quot;Aber er ist nicht der Star in der Manege.&quot;<\/p>\n<p>Nun ist Helge Braun, 47, pl\u00f6tzlich doch ein Star. In der politischen Manege.<\/p>\n<p>Nicht, weil der CDU-Politiker Kanzleramtschef ist. Den heutigen Bundespr\u00e4sidenten Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel kannte kaum einer au\u00dferhalb der politischen Szene, als er einst f\u00fcr Gerhard Schr\u00f6der die Regierungszentrale organisierte. \u00c4hnlich erging es seinen CDU-Nachfolgern Ronald Pofalla und Thomas de Maizi\u00e8re, die in Angela Merkels ersten Regierungsjahren das Kanzleramt f\u00fchrten. Erst Merkels Kanzleramtschef Peter Altmaier fand sich im Rampenlicht wieder: wegen der Fl\u00fcchtlingskrise, die er zu koordinieren hatte.<\/p>\n<p>Jetzt ist es ihr Kanzleramtschef Braun, den eine Krise ins Rampenlicht ger\u00fcckt hat. Ohne Braun l\u00e4uft im Kampf gegen Corona nichts mehr. Er ist Merkels Krisenmanager.<\/p>\n<p>Zuletzt war das in dieser Woche zu besichtigen.<\/p>\n<p>Der ChefBK, wie Braun intern abgek\u00fcrzt wird, rang \u00fcber Tage hinter den Kulissen mit den L\u00e4ndervertretern, um ein gemeinsames Vorgehen f\u00fcr k\u00fcnftige deutsche Corona-Hotspots zu verabreden. Das macht nicht nur infektiologisch Sinn, sondern ist auch politisch hoch symbolisch: Marschierten Bund und L\u00e4nder in den ersten Wochen der Coronakrise im Fr\u00fchjahr vereint, war schon bald keine einheitliche Linie mehr zu erkennen.<\/p>\n<h3>Lokale, begrenzte Ausreisesperren<\/h3>\n<p>Braun forcierte offenbar die Idee von Ausreisesperren f\u00fcr stark betroffene Landkreise. Vorteil einer solchen einheitlichen Regelung: Dann m\u00fcssten nicht alle anderen Regionen, zumal Ferienregionen, von Fall zu Fall entscheiden, wie mit Besuchern aus diesen Hotspots umzugehen w\u00e4re. Nach mehreren Verhandlungsrunden und Fernsehauftritten einigte sich Braun mit den Staatskanzleichefs der L\u00e4nder an diesem Donnerstag nun auf die M\u00f6glichkeit sehr lokaler, sehr begrenzter Ausreisesperren. Das ist kein allzu gro\u00dfer Unterschied zum vorherigen Verfahren, dennoch hat Braun eine Bund-L\u00e4nder-Einigkeit demonstriert.<\/p>\n<p>Vor Corona sagte Helge Braun S\u00e4tze wie: &quot;Der Kanzleramtsminister muss eine Vertrauensperson f\u00fcr alle politischen Seiten sein.&quot; Und: &quot;Wenn ich st\u00e4ndig in den \u00f6ffentlichen Meinungsstreit eingreife, funktioniert das nicht mehr.&quot;<\/p>\n<p>Doch inzwischen ist der CDU-Politiker aus dem mittelhessischen Gie\u00dfen als Krisenmanager und \u00f6ffentlicher Krisenerkl\u00e4rer in Talkshows oder im Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen so pr\u00e4sent geworden, dass er pl\u00f6tzlich auch f\u00fcr andere politische \u00c4mter gehandelt wird. In Wiesbaden gilt Ministerpr\u00e4sident Volker Bouffier manchen als amtsm\u00fcde, sein Vertrauter Braun wird als m\u00f6glicher Nachfolger genannt.<\/p>\n<h3>Braun hatte auch ohne Corona einen H\u00f6llenjob<\/h3>\n<p>Wer Braun vor der Coronakrise in seinem B\u00fcro im Kanzleramt besuchte, traf einen freundlichen, ruhigen Menschen. Dass er auch da schon einen der anstrengendsten Posten im politischen Berlin bekleidete, einen wahren H\u00f6llenjob, merkte man ihm nicht an. Das verbindet ihn neben der Leibesf\u00fclle mit seinem CDU-Vorg\u00e4nger Altmaier, der auch im schlimmsten Stress immer gelassen wirkte. Aber anders als bei Altmaier, dessen von Aktenbergen bedeckte Schreibtische legend\u00e4r sind, herrscht bei Braun penible Ordnung.<\/p>\n<p>Auch das hat er wohl aus seinem An\u00e4sthesisten-Leben mitgebracht: Jede Nachl\u00e4ssigkeit kann t\u00f6dlich sein.<\/p>\n<p>Braun war lange Arzt, nach seinem Einzug in den Bundestag 1998 arbeitete er zun\u00e4chst weiter im Uni-Klinikum Gie\u00dfen, was ihm vier Jahre sp\u00e4ter die berufliche Existenz erleichterte, als er sein Mandat wieder verlor. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 kehrte Braun ins Parlament zur\u00fcck, erst mit der Ernennung zum Parlamentarischen Staatssekret\u00e4r im Forschungsministerium vier Jahre sp\u00e4ter gab er die T\u00e4tigkeit in der Klinik komplett auf.<\/p>\n<p>Fast ironisch, dass den Mediziner Braun nun der Kampf gegen ein Virus politisch nach oben katapultiert hat. Braun wei\u00df, wovon er spricht, wenn es um fehlende Krankenhausbetten, mangelnde Ausstattung oder \u00fcberarbeitetes Personal geht. Und Braun hat schon von 2013 bis 2017 als Staatsminister im Kanzleramt, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bund-L\u00e4nder-Beziehungen, ausreichend Erfahrungen auf dem komplizierten Feld des F\u00f6deralismus sammeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>All das kommt ihm nun zugute.<\/p>\n<p>Mit der Coronakrise ist er f\u00fcr Angela Merkel unersetzlich geworden, aus der Bundes-CDU h\u00f6rt man nur Gutes \u00fcber den Kanzleramtschef. Kommt aber Merkel der ChefBK nun noch kurz vorm Ende ihrer Amtszeit abhanden? Wandert Braun nach Hessen ab?<\/p>\n<p>Die Spekulationen haben nicht unbedingt damit zu tun, dass sich Braun aus Sicht der hessischen Christdemokraten aufdr\u00e4ngen w\u00fcrde. Eine gro\u00dfe N\u00e4he zu Merkel bietet in dem zu gro\u00dfen Teilen konservativ aufgestellten Landesverband f\u00fcr viele Parteimitglieder noch immer Anlass zu Misstrauen.<\/p>\n<h3>Bouffier heizt Spekulationen an<\/h3>\n<p>Aber nach dem Selbstmord von Finanzminister Thomas Sch\u00e4fer im M\u00e4rz und der tiefen Krise von Innenminister Peter Beuth, der im Strudel der Polizeiaff\u00e4re um rechtsextremistische Drohmails unterzugehen droht, fehlen Bouffier zunehmend die Nachfolger-Alternativen aus dem konservativen Fl\u00fcgel der Partei.<\/p>\n<p>Der Ministerpr\u00e4sident hat im vergangenen Jahr selbst Spekulationen dar\u00fcber angeheizt, dass er fr\u00fchzeitig vor dem Ablauf seiner regul\u00e4ren Amtszeit Ende 2023 einen Machtwechsel in Hessen einleiten k\u00f6nnte. Anlass war eine Krebserkrankung, deren Behandlung bei ihm Spuren hinterlassen hat. Festgelegt hat sich Bouffier bisher nur darauf, dass er bei der n\u00e4chsten Landtagswahl nicht mehr antreten will.<\/p>\n<p>Dass Bouffier die Regelung seiner Nachfolge, zu welchem Zeitpunkt auch immer, selbst in die Wege leiten will, gilt in der straff organisierten hessischen CDU als ausgemacht. Nach der Kommunalwahl im kommenden Fr\u00fchjahr k\u00f6nnte ein guter Termin sein, glauben manche in der Partei. Bouffiers Vertraute registrieren aufmerksam, wie der Landesparteichef eine Modernisierung und Verj\u00fcngung der Partei anschiebt.<\/p>\n<p>Braun ist einer, der vom Alter und als Digitalisierungsbeauftragter der Bundesregierung auch inhaltlich passen w\u00fcrde. Und: Bouffier kennt ihn seit Langem und vertraut ihm. Beide sind in Gie\u00dfen geboren und aufgewachsen.<\/p>\n<p>Noch allerdings wiegeln beide Seiten ab. Ein Sprecher des CDU-Politikers nannte die Spekulationen \u00fcber einen R\u00fcckzug Bouffiers gegen\u00fcber &quot;Media Pioneer&quot; aus &quot;der Luft gegriffen&quot;. Braun lie\u00df zuletzt \u00fcber einen Regierungssprecher ausrichten, er sehe sein aktuelles Amt &quot;als sehr erf\u00fcllend an&quot;. Der &quot;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&quot; sagte Braun mit Blick auf weitere Aufgaben in Berlin: &quot;Ich bin gern bereit, im n\u00e4chsten Team an der richtigen Stelle mitzuwirken.&quot;<\/p>\n<h3>Die Braun-Operation w\u00e4re nicht ohne Hindernisse<\/h3>\n<p>Falls Bouffier wirklich entsprechende Pl\u00e4ne mit Braun hegt, d\u00fcrfte es jedenfalls nicht leicht sein, den Kanzleramtschef noch vor der n\u00e4chsten Landtagswahl als Regierungschef in Hessen zu installieren.<\/p>\n<p>Zwar m\u00fcssen Ministerpr\u00e4sidenten in Hessen nicht dem Landtag angeh\u00f6ren, um gew\u00e4hlt zu werden. Aber Bouffiers schwarz-gr\u00fcne Koalition verf\u00fcgt im Landesparlament derzeit nur \u00fcber eine hauchd\u00fcnne Ein-Stimmen-Mehrheit. Nur ein unzufriedener Abgeordneter aus den eigenen oder den Reihen des Koalitionspartners w\u00fcrde gen\u00fcgen, um die Wahl platzen zu lassen.<\/p>\n<p>Deshalb glauben in Wiesbaden viele, dass ein in der Koalition gut verdrahteter Insider aus Hessen bessere Chancen h\u00e4tte, falls der Ministerpr\u00e4sident sein Amt vorzeitig r\u00e4umt.<\/p>\n<p>Allerdings hat Braun schon einmal die Nachfolge Bouffiers angetreten: 2004 als Chef des Gie\u00dfener CDU-Kreisverbandes.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kanzleramtschef Braun bei der Pr\u00e4sentation der Corona-Warn-App Mitte Juni in Berlin Foto: Hannibal Hanschke\/ DPA Der Mann ist nicht f\u00fcrs Rampenlicht gemacht. 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