{"id":1163,"date":"2020-07-16T16:30:58","date_gmt":"2020-07-16T13:30:58","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-israel-droht-zweiter-lockdown-nach-steigenden-neuinfektionen\/"},"modified":"2020-07-16T16:30:58","modified_gmt":"2020-07-16T13:30:58","slug":"coronavirus-in-israel-droht-zweiter-lockdown-nach-steigenden-neuinfektionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-israel-droht-zweiter-lockdown-nach-steigenden-neuinfektionen\/","title":{"rendered":"Coronavirus: In Israel droht zweiter Lockdown nach steigenden Neuinfektionen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/787aa886-5b8d-46fc-af30-5edf3c0ee6bd_w948_r1.77_fpx66.54_fpy50.jpg\" title=\"Ein israelischer Sanit\u00e4ter h\u00e4lt einen Plastikbeutel mit einem Rachenabstrich\" alt=\"Ein israelischer Sanit\u00e4ter h\u00e4lt einen Plastikbeutel mit einem Rachenabstrich\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ein israelischer Sanit\u00e4ter h\u00e4lt einen Plastikbeutel mit einem Rachenabstrich<\/p>\n<p>  Foto: AHMAD GHARABLI\/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>1780 Neuinfektionen vermeldete Israel am Donnerstag &#8211; so viele wie nie zuvor an einem Tag seit Beginn der Coronakrise. Dabei galt Israel lange Zeit als vorbildlich im Umgang mit der Pandemie: Als eines der ersten L\u00e4nder schloss es gleich im M\u00e4rz seine Grenzen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen. Die Bewegungsfreiheit war massiv eingeschr\u00e4nkt, die Wirtschaft heruntergefahren. Das Virus schien einged\u00e4mmt, nun droht dem Land der zweite Lockdown. Wie konnte das passieren?<\/p>\n<p>Professor Arnon Afek, Vizedirektor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv, kritisiert &quot;vorzeitige Siegesfeiern&quot;. &quot;Die Lockerungen waren dann viel zu hastig und ohne klare Strategie, und haben eine neue Welle von Infektionen ausgel\u00f6st.&quot; Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte die B\u00fcrger im Mai euphorisch dazu aufgefordert rauszugehen, &quot;Kaffee trinken, auch Bier trinken&quot;. Nun fordern Tausende seinen R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Seit Ende Mai steigen die Corona-Zahlen in Israel wieder massiv. Auch im Westjordanland zeichnet sich eine \u00e4hnliche Entwicklung ab, mit Hebron als Epizentrum.<\/p>\n<p>Als Hauptinfektionsquellen nach den Lockerungen sieht Afek Schul\u00f6ffnungen und Gro\u00dfveranstaltungen wie Hochzeiten. &quot;In Israel gibt es viel mehr Sch\u00fcler in einer Klasse als in Deutschland&quot;, sagt er. Au\u00dferdem h\u00e4tten sich viele Menschen sehr undiszipliniert verhalten und weder Maskenpflicht noch Abstands- oder Hygieneregeln eingehalten. Die Polizei habe nicht ausreichend gegen die Regelverst\u00f6\u00dfe durchgegriffen.<\/p>\n<h3>Bei zweiter Welle mehr Junge infiziert<\/h3>\n<p>Nach Medienberichten ist es etwa bei vielen Schul-Abschlusspartys, die trotz Verbots heimlich stattfanden, reihenweise zu neuen Ansteckungen gekommen. &quot;Die \u00c4lteren sind vorsichtiger geworden, in dieser Welle haben sich vor allem J\u00fcngere angesteckt, deshalb gab es bisher auch weniger Schwerkranke&quot;, sagt Afek. &quot;Aber die Jungen haben Eltern und Gro\u00dfeltern, die sich letztlich auch infizieren k\u00f6nnen&quot;, sagt er.<\/p>\n<p>Mit 376 ist die Zahl der Toten in Israel weiterhin vergleichsweise gering. Das wird auch damit erkl\u00e4rt, dass Israel ein au\u00dfergew\u00f6hnlich junges Land ist. Mit durchschnittlich 3,1 Kindern pro Frau hat es die h\u00f6chste Geburtenrate aller L\u00e4nder in der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).<\/p>\n<p>Vor allem streng religi\u00f6se Wohngebiete sind von der Pandemie stark betroffen. Die Untersuchungen der Beh\u00f6rden nach Entdeckung von Corona-F\u00e4llen seien langsam und mangelhaft, sagt Afek. &quot;All dies hat dazu gef\u00fchrt, dass wir jetzt die zweite Welle haben.&quot; Das k\u00f6nne anderen L\u00e4ndern eine Lehre sein: &quot;Sie m\u00fcssen extrem vorsichtig sein, vor allem, was Gro\u00dfveranstaltungen angeht.&quot;<\/p>\n<h3>Festhallen, Schulen, Kneipen<\/h3>\n<p>Professor Gabi Barabasch, wie Afek ehemaliger Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, geht ebenfalls davon aus, dass Festhallen, Restaurants, Kneipen und Schulen die Hauptansteckungsorte des aktuellen Infektionsgeschehens in Israel sind. &quot;Hier gibt es in einer Klasse 30 bis 40 Sch\u00fcler.&quot; Besonders in den Altersgruppen von 10 bis 19 Jahren habe es zahlreiche Infektionen gegeben. &quot;Dies hat zur Ausbreitung im ganzen Land gef\u00fchrt, mit st\u00e4ndig steigenden Zahlen.&quot;<\/p>\n<p>Das Gesundheitsministerium habe im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus v\u00f6llig versagt, meint er. Au\u00dferdem habe das Volk &quot;sich gehen lassen und unverantwortlich gehandelt&quot;. Barabasch ist daf\u00fcr, dass die Armee &#8211; die schon f\u00fcr die sogenannten Corona-Hotels zust\u00e4ndig ist &#8211; das Krisenmanagement \u00fcbernimmt. In 20 Hotels landesweit stehen 4300 Zimmer zur Isolation von Corona-Infizierten sowie f\u00fcr Patienten mit mildem Verlauf zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Eine R\u00fcckkehr zu einer Art Normalit\u00e4t erwartet Barabasch fr\u00fchestens nach dem Winter 2021\/2022. Auch das sei aber nicht sicher, sagt er.<\/p>\n<p>Gesundheitsminister Juli Edelstein sagte, nur ein &quot;Wunder&quot; k\u00f6nne noch einen weiteren erzwungenen Stillstand verhindern. Aus Sicht von Experten w\u00fcrde dies die Wirtschaft des Landes, die ohnehin mit den Folgen des ersten Lockdowns zu k\u00e4mpfen hat, noch weiter zur\u00fcckwerfen. Der Finanzwissenschaftler David Gerschon von der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t in Jerusalem r\u00e4t daher entschieden davon ab. Ein Lockdown ist aus seiner Sicht eine &quot;mittelalterliche Methode&quot;, die ein Land zerst\u00f6ren kann. Er warnt vor einer Generation von Arbeitslosen, die entstehen k\u00f6nnte. In Israel liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei mehr als 20 Prozent, der Unmut in der Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Krise hat die Regierung viel Vertrauen verspielt. Dies zeigt sich an zunehmend w\u00fctenden Demonstrationen in Tel Aviv und Jerusalem. Nach einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) sind 75 Prozent der Israelis entt\u00e4uscht oder zornig \u00fcber die Corona-Politik der Regierung.<\/p>\n<p>Afek geht allerdings davon aus, dass die wirklichen globalen Herausforderungen noch bevorstehen. &quot;Das n\u00e4chste Gro\u00dfereignis ist der Winter, wenn die Grippe und Corona zusammenkommen &#8211; und man nicht zwischen ihnen unterscheiden kann.&quot;<\/p>\n<p>Noch dramatischer formuliert es Zvi Hauser, Vorsitzender des Au\u00dfen- und Sicherheitsausschusses der Knesset. &quot;Was jetzt passiert, ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was uns im Winter erwartet &#8211; wir haben drei Monate Zeit, uns an allen Fronten vorzubereiten&quot;, sagte er nach Angaben der Nachrichtenseite ynet.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ein israelischer Sanit\u00e4ter h\u00e4lt einen Plastikbeutel mit einem Rachenabstrich Foto: AHMAD GHARABLI\/ AFP 1780 Neuinfektionen vermeldete Israel am Donnerstag &#8211; so viele wie nie zuvor an einem Tag<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1163","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1163\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}