{"id":1147,"date":"2020-07-15T22:59:37","date_gmt":"2020-07-15T19:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-wo-die-impfstoff-forschung-steht-und-was-noch-zu-tun-ist\/"},"modified":"2020-07-15T22:59:37","modified_gmt":"2020-07-15T19:59:37","slug":"coronavirus-wo-die-impfstoff-forschung-steht-und-was-noch-zu-tun-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-wo-die-impfstoff-forschung-steht-und-was-noch-zu-tun-ist\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Wo die Impfstoff-Forschung steht &#8211; und was noch zu tun ist"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/63f825e9-0b17-43df-89ec-8e9aba45dbeb_w948_r1.77_fpx48.63_fpy48.99.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto: Ute Grabowsky\/ photothek\/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Ein experimenteller Coronavirus-Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna zeigt einer Studie zufolge nach ersten Tests ermutigende Ergebnisse. Er soll bereits ab Ende Juli an rund 30.000 Probanden getestet werden &#8211; in einer sogenannten Studie der Phase III. Was die Ergebnisse im Detail bedeuten, wie weit der Weg zu einem zugelassenen Impfstoff noch ist, an welchem Punkt die Impfstoffforschung insgesamt steht &#8211; ein \u00dcberblick.<\/p>\n<h3>Welche Ergebnisse hat Moderna jetzt vorgelegt?<\/h3>\n<p>Das US-Unternehmen Moderna berichtet im Fachblatt &quot;NEJM&quot; \u00fcber die Ergebnisse einer sogenannten Phase-I-Studie, in der 45 gesunde Probandinnen und Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren den neuartigen Coronavirus-Impfstoff erhielten. Die Teilnehmer bekamen diesen zweimal gespritzt. Getestet wurden drei unterschiedlich hohe Dosierungen (25, 100 und 250 Mikrogramm) bei je 15 Probanden. In dieser Studienphase sollte gepr\u00fcft werden, ob der Impfstoff eine Immunantwort hervorruft und wie sicher er ist.<\/p>\n<p>Laut dem Bericht haben alle Teilnehmer eine Immunantwort gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelt. Diese war in den entsprechenden Labortests \u00e4hnlich oder sogar besser als die von Menschen, die k\u00fcrzlich eine Coronavirus-Infektion durchgemacht hatten. Bei h\u00f6herer Dosierung des Impfstoffs fiel die Immunantwort besser aus.<\/p>\n<p>Zur Sicherheit des Impfstoffs schreibt Moderna, dass es keine schweren Nebenwirkungen gegeben habe. Allerdings hatte ein Teilnehmer in der Gruppe mit der niedrigsten Impfstoff-Dosierung wenige Tage nach der ersten Impfung eine vor\u00fcbergehende Nesselsucht an beiden Beinen, eine Form von Hautausschlag. Dieser Proband erhielt deshalb keine zweite Impfdosis.<\/p>\n<p>Nach der zweiten Impfdosis hatte rund die H\u00e4lfte der Teilnehmer in den beiden Gruppen mit h\u00f6herer Impfstoff-Dosierung erh\u00f6hte Temperatur, in einem Fall waren es sogar 39,6 Grad. Die h\u00e4ufigste Nebenwirkung, von der fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten, war Schmerz an der Einstichstelle. Dieser war jedoch in den \u00fcberwiegenden F\u00e4llen nur leicht, in wenigen F\u00e4llen wurde er als moderat eingestuft. Weitere beobachtete Nebenwirkungen waren Kopf- oder Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Sch\u00fcttelfrost und \u00dcbelkeit &#8211; alles keine ungew\u00f6hnlichen Reaktionen nach einer Impfung.<\/p>\n<p>Insgesamt gab es bei h\u00f6herer Dosierung des Impfstoffs auch mehr dieser als mild bis moderat eingestuften Nebenwirkungen.<\/p>\n<h3>Welche Einschr\u00e4nkungen hat das aktuell pr\u00e4sentierte Ergebnis?<\/h3>\n<p>Die Daten sind ein Zwischenergebnis. F\u00fcr die ver\u00f6ffentlichte Studie wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lediglich knapp 60 Tage begleitet. Das hei\u00dft: Es l\u00e4sst sich noch nichts \u00fcber die Dauer der Immunantwort ableiten. Die Studie wird fortgef\u00fchrt, so dass es diese Ergebnisse noch geben wird &#8211; aber das dauert. Insgesamt sollen die Probanden ab dem zweiten Impftermin ein Jahr lang begleitet werden.<\/p>\n<p>Parallel l\u00e4uft eine Phase-II-Studie, in der der Impfstoff in Dosierungen von 50 beziehungsweise 100 Mikrogramm bei 600 gesunden Erwachsenen gepr\u00fcft wird, hier liegen noch keine Daten vor.<\/p>\n<h3>Welche Art von Impfstoff ist das Moderna-Pr\u00e4parat &quot;mRNA-1273&quot;?<\/h3>\n<p>Bei &quot;mRNA-1273&quot; handelt es sich um einen mRNA-Impfstoff, der einen Bauplan f\u00fcr ein Virusprotein enth\u00e4lt. Dieser liegt in Form sogenannter Messenger-RNA vor, eine Art von Molek\u00fcl, die in Zellen nat\u00fcrlicherweise als Blaupause f\u00fcr Proteine agiert. Nach dem Spritzen des Impfstoffs produzieren die Zellen deshalb selbst das Virusprotein, genannt Spike-Protein. Dadurch kann der K\u00f6rper seine Immunabwehr gegen dieses Protein und damit gegen das Coronavirus ausbilden.<\/p>\n<p>In der folgenden Grafik entspricht Ansatz c dem Impfstoffkandidaten von Moderna:<\/p>\n<h3>Wie geht es mit dem Impfstoff von Moderna nun weiter?<\/h3>\n<p>Der Impfstoff mRNA-1273 soll ab Ende Juli in einer Phase-III-Studie gepr\u00fcft werden, an der rund 30.000 Probanden teilnehmen. Die Studie soll bis Oktober 2022 dauern, Ergebnisse kann es aber schon vorher geben. Im &quot;NEJM&quot;-Artikel schreibt das Autorenteam, dass in dieser der Impfstoff voraussichtlich in einer Dosierung von 100 Mikrogramm gegeben wird.<\/p>\n<h3>Wo steht die Impfstoffforschung insgesamt?<\/h3>\n<p>Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden aktuell 23 m\u00f6gliche Impfstoffe bereits in klinischen Studien getestet. Des Weiteren sind 140 in der vorklinischen Entwicklung (Stand: 14. Juli).<\/p>\n<p>Viele dieser Projekte machen Fortschritte. Anfang Juli ver\u00f6ffentlichten beispielsweise die Unternehmen Biontech und Pfizer Zwischenergebnisse einer Phase-I\/II-Studie, die in den USA stattfindet. Gepr\u00fcft wird ebenfalls ein RNA-Impfstoff &#8211; &quot;BNT162b1&quot; hei\u00dft das Pr\u00e4parat. Es wurde in der Studie ebenfalls in drei verschiedenen Dosierungen verabreicht. Die Impfung wurde demnach gut vertragen und rief eine Immunantwort hervor, die sich mit steigender Dosierung verbesserte. Die Firmen planen ebenso wie Moderna, Ende Juli mit einer Phase-III-Studie zu beginnen.<\/p>\n<p>Erst wenn sich ein Impfstoff in einer Phase-III-Studie bew\u00e4hrt, kann er zugelassen werden. Die zust\u00e4ndige US-Beh\u00f6rde FDA hat k\u00fcrzlich bekannt gegeben, wie diese Zulassung in einem beschleunigten Verfahren funktioniert.<\/p>\n<p>Einige Experten gehen davon aus, dass eine erste Immunisierung schon zwischen Sp\u00e4therbst 2020 und Fr\u00fchjahr 2021 zugelassen werden k\u00f6nnte. Das hei\u00dft aber nicht, dass dies tats\u00e4chlich zu diesem Zeitpunkt schon gelingt, es k\u00f6nnte auch l\u00e4nger dauern.<\/p>\n<h3>Wie lange k\u00f6nnte ein Impfstoff sch\u00fctzen?<\/h3>\n<p>Diese Woche berichteten Forscher, dass bei Patienten nach einer Coronavirus-Infektion die Menge der sch\u00fctzenden Antik\u00f6rper schnell abnimmt. Dies kann als Hinweis gewertet werden, dass auch die durch eine Impfung erzeugte Immunantwort mit der Zeit abnehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Entkr\u00e4ften k\u00f6nnen Forscher dieses Szenario nicht &#8211; allerdings gilt das auch f\u00fcr viele andere Impfstoffe: Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten etwa m\u00fcssen &#8211; nach einer Grundimmunisierung im Kindesalter &#8211; alle zehn Jahre aufgefrischt werden.<\/p>\n<h3>Phase I,II,III &#8211; was bedeutet das \u00fcberhaupt?<\/h3>\n<p>Wenn Impfstoffe in klinischen Studien an freiwilligen Teilnehmern und Teilnehmerinnen getestet werden, spricht man von Studien der Phasen I bis III. Das bedeutet folgendes:<\/p>\n<p><strong>Phase I:<\/strong> Der Impfstoff wird einer kleinen Gruppe von freiwilligen Gesunden verabreicht. Es wird beobachtet, ob das Mittel grunds\u00e4tzlich seinen Zweck erf\u00fcllt, also eine Immunantwort hervorruft. Und es wird gepr\u00fcft, wie sicher es ist &#8211; also welche Nebenwirkungen auftreten. Auch k\u00f6nnen verschiedene Dosierungen getestet werden, um die optimale zu finden.<\/p>\n<p><strong>Phase II:<\/strong> Nun wird der Impfstoff einer gr\u00f6\u00dferen Teilnehmerzahl verabreicht, die zum Teil zu Risikogruppen z\u00e4hlen. Im Fall von Covid-19 w\u00e4ren das \u00e4ltere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen. In dieser Phase wird weiter gepr\u00fcft, ob der Impfstoff wirkt, also die Krankheit verhindert und welche Dosierung geeignet ist. Um Zeit zu sparen, werden derzeit zum Teil Studien der Phase I und II kombiniert.<\/p>\n<p><strong>Phase III:<\/strong> Der Impfstoff wird an einer gro\u00dfen Gruppe von Freiwilligen getestet &#8211; dies k\u00f6nnen sogar mehrere Zehntausend sein. In Phase III werden die Wirksamkeit, die Sicherheit sowie die Dosierung der Impfung best\u00e4tigt. Unerw\u00fcnschte Ereignisse, wie etwa ein besonders schwerer Krankheitsverlauf durch die Gabe des Impfstoffs, k\u00f6nnen so beobachtet und ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Experten beobachten den beschleunigten Prozess der Impfstoffforschung auch mit Sorge, weil die Mittel nicht nur wirksam und verf\u00fcgbar, sondern vor allem sicher sein m\u00fcssen. &quot;Wir k\u00f6nnen nicht einfach auf eine ausreichende Impfstoffpr\u00fcfung verzichten, nur weil das jetzt so dr\u00e4ngt&quot;, sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der St\u00e4ndigen Impfkommission, im SPIEGEL-Interview.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto: Ute Grabowsky\/ photothek\/ imago images Ein experimenteller Coronavirus-Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna zeigt einer Studie zufolge nach ersten Tests ermutigende Ergebnisse. 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