{"id":1143,"date":"2020-07-15T18:43:08","date_gmt":"2020-07-15T15:43:08","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-in-grosbritannien-starkt-unabhangigkeitsbewegung-in-schottland\/"},"modified":"2020-07-15T18:43:08","modified_gmt":"2020-07-15T15:43:08","slug":"corona-krise-in-grosbritannien-starkt-unabhangigkeitsbewegung-in-schottland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-krise-in-grosbritannien-starkt-unabhangigkeitsbewegung-in-schottland\/","title":{"rendered":"Corona-Krise in Gro\u00dfbritannien st\u00e4rkt Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung in Schottland"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/81acf89c-0001-0004-0000-000001453698_w948_r1.77_fpx51_fpy22.jpg\" title=\"Rivalen Sturgeon, Johnson: Sie wartet, bis er Fehler macht\" alt=\"Rivalen Sturgeon, Johnson: Sie wartet, bis er Fehler macht\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Rivalen Sturgeon, Johnson: Sie wartet, bis er Fehler macht<\/p>\n<p>  Foto: <\/p>\n<p>Jane Barlow\/ AP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die selbsternannten Grenzsch\u00fctzer kamen in wei\u00dfen Ganzk\u00f6rperanz\u00fcgen und mit Tartan-Masken. Sie hatten Hunde dabei, die in schottische Flaggen geh\u00fcllt waren. Am fr\u00fchen Nachmittag postierten sie sich unter einem &quot;Welcome to Scotland&quot;-Schild bei Lamberton mit Blick auf die Nordsee. Aber f\u00fcr Besucher aus dem S\u00fcden hatten sie eine wenig einladende Botschaft mitgebracht: &quot;Stay the fuck away!&quot;<\/p>\n<p>F\u00fcr ihren Blockadetag hatten sich die schottischen Vaterlandsh\u00fcter nicht zuf\u00e4llig den 4. Juli ausgesucht. Das war der Tag, an dem die britische Regierung zum ersten Mal seit Ende M\u00e4rz wieder Reisen und Pub-Besuche erlaubte &#8211; aber eben nur in England. Bis hierhin und nicht weiter, signalisierte daher der kleine Trupp an der Grenze.<\/p>\n<p>Es war eine unerh\u00f6rte und f\u00fcr schottische Verh\u00e4ltnisse ungew\u00f6hnlich aggressive PR-Aktion. In London warfen Regierungsmitglieder den aufm\u00fcpfigen Schotten vor, sie wollten &quot;eine Mauer&quot; bauen. In Edinburgh distanzierte sich die dort regierende Nationalpartei eilig und entschieden. Die Tartan-Aktivisten aber hatten ihr Ziel erreicht: Seit dem 4. Juli ist die schottisch-englische Grenze wieder ein St\u00fcckchen sichtbarer geworden. Und zu verdanken haben das die Unabh\u00e4ngigkeitsverfechter ausgerechnet einem Virus.<\/p>\n<h3>Sturgeon hebt sich vom irrlichternden Johnson ab<\/h3>\n<p>Seit Sars-CoV-2 die Insel im Griff hat, wird immer deutlicher, dass die vereinigten K\u00f6nigreiche England, Schottland und Wales in entscheidenden Fragen uneins sind. W\u00e4hrend Premierminister Boris Johnson fahrig und \u00fcberfordert durch die Coronakrise schlingert, machten die Regionalregierungen in Edinburgh und Cardiff von Anfang an konsequent von ihren Kompetenzen Gebrauch, \u00fcber die sie verf\u00fcgen, seit ihnen die Zentralregierung 1999 mehr Macht zugestand.<\/p>\n<p>Gut aufeinander abgestimmt erlie\u00dfen Schottland und Wales fr\u00fch strengere Lockdown-Regeln als England. Und anders als Johnson weigerten sich die Regionalregierungen, ihre B\u00fcrger zu fr\u00fch in eine Art Normalit\u00e4t zu entlassen. Reisen etwa ist in Schottland erst jetzt wieder unter strikten Auflagen gestattet.<\/p>\n<p>Vor allem die dortige Regierungschefin Nicola Sturgeon von der linksliberalen Schottischen Nationalpartei (SNP) hob sich, auch aus Sicht vieler Konservativer, wohltuend vom irrlichternden Johnson ab. Wo dieser nichtssagende Slogans hinausposaunte, \u00fcberzeugte Sturgeon mit k\u00fchler Sachlichkeit. W\u00e4hrend Johnson Zielvorgaben machte, die nicht eingehalten wurden und sich in haarstr\u00e4ubende Widerspr\u00fcche verstrickte, gewann Sturgeon mit Gradlinigkeit das Vertrauen der Schotten.<\/p>\n<p>Zwar w\u00fctete das Virus auch n\u00f6rdlich des Hadrianswalls; mit rund 2500 Toten geh\u00f6rt Schottland gemessen an der Einwohnerzahl zu den meistbetroffenen L\u00e4ndern der Welt. Aber: Seit einer Woche verzeichneten die dortigen Beh\u00f6rden keinen einzigen Covid-19-Todesfall mehr, w\u00e4hrend in England noch immer t\u00e4glich eine dreistellige Zahl von Menschen dem Virus erliegt. Virologen, die Johnson beraten haben, glauben, dass rund die H\u00e4lfte der mehr als 40.000 Toten in England noch leben k\u00f6nnten, h\u00e4tte der Premier schneller und entschiedener gehandelt.<\/p>\n<h3>54 Prozent der Schotten wollen die Unabh\u00e4ngigkeit<\/h3>\n<p>Die viermonatige Gesundheitskrise k\u00f6nnte nun zus\u00e4tzlich dramatische politische Folgen zeitigen: W\u00e4hrend Johnsons Zustimmungswerte immer weiter absacken, ist die seit sechs Jahren in Edinburgh regierende Sturgeon so beliebt wie selten zuvor. Damit ist die Frau, die Johnson, wie sie dem SPIEGEL sagte, immer schon f\u00fcr &quot;imkompetent&quot; hielt, ihrem gr\u00f6\u00dften politischen Ziel ein Riesenst\u00fcck n\u00e4hergekommen \u2013 Schottland endlich in die Unabh\u00e4ngigkeit zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bei einem Referendum 2014 sprachen sich noch 55 Prozent der Schotten f\u00fcr einen Verbleib im Vereinigten K\u00f6nigreich aus. Seither \u2013 vor allem nach dem Brexitvotum von 2016 \u2013 hat die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung zwar Aufwind, \u00fcberzeugte in Umfragen aber bestenfalls rund die H\u00e4lfte der f\u00fcnfeinhalb Millionen Schotten. In einer aktuellen Befragung jedoch sprachen sich nun pl\u00f6tzlich 54 Prozent der B\u00fcrger f\u00fcr einen schottischen Alleingang aus. So viele wie nie.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird auch in Wales die Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung st\u00e4rker. Diese Woche debattierte das Parlament in Cardiff, wie es damit umgehen soll.<\/p>\n<h3>Kann Johnson bei seinem Nein bleiben?<\/h3>\n<p>F\u00fcr Johnson, der sich seit seinem Amtsantritt gro\u00dfspurig auch &quot;Minister for the Union&quot; nennt, ist das fatal. Kommenden Mai wird in Schottland gew\u00e4hlt, und alles deutet derzeit auf einen Erdrutschsieg f\u00fcr Sturgeons SNP hin. Zwar darf diese ohne Zustimmung aus London kein neues Referendum ausrufen. Aber sollte die SNP weit \u00fcber 50 Prozent landen und die soeben neu gegr\u00fcndete &quot;Alliance for Independence&quot; zus\u00e4tzliche Sitze im Parlament von Holyrood ergattern, d\u00fcrfte es f\u00fcr Johnson schwer werden, bei seinem oft und laut ge\u00e4u\u00dferten Nein zu bleiben.<\/p>\n<p>Sturgeon dagegen spielt ihre Karten klug und \u00fcberlegt aus. Sie hat bisher der Versuchung widerstanden, die Coronakrise zu sehr zu politisieren und setzt nur gelegentlich kleine Nadelstiche gegen Johnson. In einem BBC-Interview am Sonntag etwa betonte sie, dass sie, um Schotten zu sch\u00fctzen, auch nicht davor zur\u00fcckschrecken w\u00fcrde, einreisende Engl\u00e4nder unter Quarant\u00e4ne zu stellen.<\/p>\n<p>Der Brexit, den die Schotten nie wollten und der Ende des Jahres endg\u00fcltig vollzogen wird, spielt ihr weiter in die H\u00e4nde. Ansonsten kann sie sich zur\u00fccklehnen und auf Fehler Johnsons lauern. Der tat ihr erst j\u00fcngst den Gefallen, wahrheitswidrig zu behaupten: &quot;So etwas wie eine Grenze zwischen England und Schottland gibt es nicht.&quot; Kurz darauf tauchten die Grenzsch\u00fctzer mit ihren Tartanmasken auf.<\/p>\n<p>Der Wahlforscher John Curtice warnte die in London regierenden Tories daher j\u00fcngst unmissverst\u00e4ndlich: &quot;Noch nie war die \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Union so schwach wie derzeit.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Rivalen Sturgeon, Johnson: Sie wartet, bis er Fehler macht Foto: Jane Barlow\/ AP Die selbsternannten Grenzsch\u00fctzer kamen in wei\u00dfen Ganzk\u00f6rperanz\u00fcgen und mit Tartan-Masken. 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