{"id":1103,"date":"2020-07-13T22:58:55","date_gmt":"2020-07-13T19:58:55","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-bedeuten-sinkende-antikorper-fur-die-impfstoff-entwicklung\/"},"modified":"2020-07-13T22:58:55","modified_gmt":"2020-07-13T19:58:55","slug":"coronavirus-was-bedeuten-sinkende-antikorper-fur-die-impfstoff-entwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-bedeuten-sinkende-antikorper-fur-die-impfstoff-entwicklung\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Was bedeuten sinkende Antik\u00f6rper f\u00fcr die Impfstoff-Entwicklung?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4b210816-cc74-4d77-b325-dd5b6b57bc48_w948_r1.77_fpx50_fpy58.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto: <\/p>\n<p class=\"caps\">Guido Mieth\/ Getty Images<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der M\u00fcnchen-Klinik Schwabing wurden die ersten Corona-Patienten Deutschlands im Januar 2020 behandelt. Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen Infektiologie, begleitet die neun Genesenen bis heute. Jetzt hat er ihren Immunstatus erneut \u00fcberpr\u00fcft und dabei festgestellt, was auch Wissenschaftler rund um den Globus immer wieder berichten: Die Zahl der sogenannten neutralisierenden Antik\u00f6rper, die das Coronavirus unsch\u00e4dlich machen k\u00f6nnen, nimmt mit der Zeit ab. &quot;Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antik\u00f6rper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann&quot;, sagte Clemens Wendtner.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr die Betroffenen und das Infektionsgeschehen insgesamt? Kann man sich zweimal mit dem Coronavirus anstecken? Und welche Auswirkungen haben die Ergebnisse f\u00fcr die Produktion eines Impfstoffes? Die wichtigsten Fragen und Antworten im \u00dcberblick.<\/p>\n<h3>Was wissen Forscher bislang \u00fcber die Entwicklung von Antik\u00f6rpern nach einer Corona-Infektion?<\/h3>\n<p>Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass die Zahl der Antik\u00f6rper vermutlich mit der Schwere der Erkrankung zusammenh\u00e4ngt: Besonders schwer Erkrankte produzieren demnach oft besonders viele Antik\u00f6rper. Bei milden und asymptomatischen Verl\u00e4ufen hingegen konnten etwa Schweizer Forscher keine &#8211; im sp\u00e4teren Verlauf einer Infektion auftretenden &#8211; Antik\u00f6rper (Immunglobuline G) nachweisen. Diese sind wichtig f\u00fcr das Immunged\u00e4chtnis, damit das Immunsystem bei erneutem Kontakt mit dem Erreger st\u00e4rker und schneller reagiert. Die Studie ist bislang nur als Preprint ver\u00f6ffentlicht worden, wurde also weder von Experten begutachtet noch in einem Fachjournal publiziert.<\/p>\n<p>Eine weitere als Preprint ver\u00f6ffentlichte Untersuchung des L\u00fcbecker Gesundheitsamts fand bei 30 Prozent von 110 Corona-Infizierten mit ebenfalls h\u00f6chstens m\u00e4\u00dfigen Covid-19-Symptomen keine Antik\u00f6rper. Und im Fachblatt &quot;Nature Medicine&quot; berichten Forscher aus China, dass bei Infizierten ohne Symptome die Antik\u00f6rper-Konzentration im Blut bereits nach kurzer Zeit deutlich sank.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Infektionsmediziner Thomas Jacobs vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut f\u00fcr Tropenmedizin ist es plausibel, dass gerade bei asymptomatischen Erkrankungen schnell wenige oder gar keine Antik\u00f6rper mehr auffindbar sind: &quot;Wenige Viren im Hals- und Rachenbereich gen\u00fcgen wahrscheinlich nicht, um eine gro\u00dfe Antik\u00f6rper-Antwort oder T-Zellen-Immunit\u00e4t auszul\u00f6sen.&quot; F\u00fcr das Immunsystem habe diese angepasste Reaktion durchaus Sinn, da der Mensch im Alltag st\u00e4ndig Pathogenen ausgesetzt sei: &quot;Wenn wir mit leichten Waffen antworten k\u00f6nnen, brauchen wir keine schweren Gesch\u00fctze aufzufahren.&quot; Bei Covid-19-Erkrankungen mit schwereren Symptomen werde indes vermutlich schon ein l\u00e4ngerfristiger Schutz aufgebaut.<\/p>\n<h3>Sch\u00fctzt eine durchgemachte Corona-Infektion vor Neuansteckung?<\/h3>\n<p>Diese Frage k\u00f6nnen Forscher noch nicht abschlie\u00dfend beantworten. Clemens Wentdner sagt, inwieweit die Ergebnisse der Antik\u00f6rper-Spiegel Auswirkungen f\u00fcr die Langzeitimmunit\u00e4t und die Impfstrategien h\u00e4tten, sei derzeit noch spekulativ. Seine Ergebnisse deuteten aber darauf hin, dass eine Neuansteckung nach durchgemachter Krankheit zumindest m\u00f6glich sei. Im April hatte der Infektiologe im Interview mit dem SPIEGEL gesagt: &quot;Corona-Patienten bleiben mindestens drei Monate immun.&quot; <\/p>\n<p>Auch der Immunologe Jacobs meint: &quot;Wir wissen generell noch nicht genau, wie Antik\u00f6rper sch\u00fctzen.&quot; Studien w\u00fcrden zwar einen solchen Schutz nahelegen, &quot;aber wie hoch beispielsweise der Antik\u00f6rper-Spiegel daf\u00fcr sein muss, bleibt unklar&quot;.<\/p>\n<p>Studien zu anderen Coronaviren weisen darauf hin, dass eine Immunit\u00e4t, die eine erneute Sars-CoV-2-Infektion komplett verhindern k\u00f6nne, vielleicht nur einige Monate bestehen bleibe, erkl\u00e4rte der Virologe Shane Crotty vom La Jolla Institute of Immunology in Kalifornien im Fachmagazin &quot;Nature&quot;. Eine Immunit\u00e4t, die Symptome abmildere, k\u00f6nnte es demnach aber l\u00e4nger geben.<\/p>\n<h3>Was ist \u00fcber die Immunantwort nach einer Corona-Infektion bislang bekannt?<\/h3>\n<p>Die Immunantwort f\u00e4llt bei Menschen offenbar uneinheitlich aus. Bei der Abwehr von Erregern spielen sogenannte B- und T-Zellen eine wichtige Rolle. W\u00e4hrend die B-Zellen unter anderem verschiedene spezifische Antik\u00f6rper gegen Eindringlinge herstellen, k\u00f6nnen T-Zellen Erreger direkt angreifen oder indirekt unsch\u00e4dlich machen, indem sie andere Botenstoffe aktivieren. Allerdings ist ungewiss, welcher Teil dieser ineinander greifenden Immunabwehr besonders wichtig ist f\u00fcr einen l\u00e4ngerfristigen Schutz vor Coronaviren.<\/p>\n<p>Infektionsmediziner Jacobs verweist auf Studien aus den USA und Deutschland: Darin hatten bis zu 30 Prozent der Menschen, die nicht mit Sars-CoV-2 infiziert waren, dennoch bestimmte, sogenannte T-Helferzellen, die auf dieses Coronavirus reagierten: &quot;Wahrscheinlich hatten sie schon einmal Kontakt mit sogenannten Common-Cold-Coronaviren&quot; &#8211; also mit anderen Coronaviren, die herk\u00f6mmliche Erk\u00e4ltungen ausl\u00f6sen. Ein solcher Kontakt k\u00f6nnte eine Teilimmunit\u00e4t gegen Covid-19 bieten. &quot;Das w\u00fcrde erkl\u00e4ren, warum bei der Infektion so unterschiedliche Dynamiken und Symptome zu beobachten sind&quot;, vermutet Jacobs. Noch ist allerdings unklar, ob und welchen Schutz diese sogenannte T-Zell-Reaktivit\u00e4t bieten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Immunantwort bei manchen Patienten nur leicht ausgepr\u00e4gt ist, f\u00e4llt sie bei anderen st\u00e4rker aus, sie erkranken. Bei einigen wenigen Patienten wiederum ger\u00e4t das Immunsystem aus dem Gleichgewicht, ein lebensbedrohlicher Zytokin-Sturm kann die Folge sein.<\/p>\n<h3>Was bedeuten die Ergebnisse zu den Antik\u00f6rpertests f\u00fcr die Entwicklung von Impfstoffen?<\/h3>\n<p>Impfstoffe zielen darauf ab, dass der K\u00f6rper seine erworbene Immunabwehr &#8211; also B- und T-Zellen und Antik\u00f6rper \u2013 gezielt gegen bestimmte Erreger aufr\u00fcstet. Die Sorge besteht daher, dass auch die durch Impfstoffe erzeugte Immunit\u00e4t mit der Zeit abnehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Entkr\u00e4ften k\u00f6nnen Forscher dieses Szenario nicht &#8211; allerdings gilt das auch f\u00fcr viele andere Impfstoffe: Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten etwa m\u00fcssen &#8211; nach einer Grundimmunisierung im Kindesalter &#8211; alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Auch die Grippeimpfung muss jedes Jahr neu erfolgen, weil sich die Influenzast\u00e4mme von Jahr zu Jahr unterscheiden.<\/p>\n<p>Viel wichtiger ist daher, dass es Forschern \u00fcberhaupt in naher Zukunft gelingt, einen oder mehrere wirksame und sichere Impfstoffe zu finden und in ausreichender Menge zu produzieren.<\/p>\n<h3>Wie viele potenzielle Impfstoffe werden derzeit gepr\u00fcft?<\/h3>\n<p>Die WHO listet &#8211; Stand 7. Juli 2020 &#8211; 160 Impfstoffkandidaten gegen Sars-CoV-2, die unterschiedliche Pharmafirmen weltweit erforschen und erproben. Auch Ans\u00e4tze von Universit\u00e4ten sind darunter, die selbst noch nie einen Impfstoff hergestellt haben. 21 davon befinden sich bereits in der Phase I oder II der sogenannten klinischen Pr\u00fcfung. Das hei\u00dft: Sie werden bereits am Menschen getestet. Auch die deutschen Unternehmen Curevac und Biontech testen Impfstoffkandidaten in diesen fortgeschrittenen Phasen.<\/p>\n<h3>Warum dauert das so lange?<\/h3>\n<p>Bislang dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bis ein neuer Impfstoff Marktreife erlangte. Weil er sp\u00e4ter gesunden Menschen verabreicht werden soll, muss er besonders hohe Sicherheitspr\u00fcfungen durchlaufen. Beim neuen Coronavirus gilt es jetzt als sehr optimistisch, dass ein oder mehrere Impfstoffkandidaten den Zulassungsprozess bis zum Ende des Jahres erfolgreich durchlaufen haben.<\/p>\n<p>Hinzu kommen voraussichtlich Probleme, die Menschen fl\u00e4chendeckend zu versorgen, denn die Impfstoffe m\u00fcssen in Massenproduktionen hergestellt werden. Derzeit versuchen verschiedene Firmen bereits, die Kapazit\u00e4ten daf\u00fcr neben der laufenden Impfstoffsuche aufzubauen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto: Guido Mieth\/ Getty Images In der M\u00fcnchen-Klinik Schwabing wurden die ersten Corona-Patienten Deutschlands im Januar 2020 behandelt. 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