{"id":1082,"date":"2020-07-13T00:21:09","date_gmt":"2020-07-12T21:21:09","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/barack-obama-will-in-chicago-ein-zentrum-eroffnen-es-gibt-klagen-und-proteste\/"},"modified":"2020-07-13T00:21:09","modified_gmt":"2020-07-12T21:21:09","slug":"barack-obama-will-in-chicago-ein-zentrum-eroffnen-es-gibt-klagen-und-proteste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/barack-obama-will-in-chicago-ein-zentrum-eroffnen-es-gibt-klagen-und-proteste\/","title":{"rendered":"Barack Obama will in Chicago ein Zentrum er\u00f6ffnen &#8211; es gibt Klagen und Proteste"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/12e9c462-46a0-416c-9b7a-413c143582f7_w948_r1.77_fpx45_fpy40.jpg\" title=\"Ein Bild aus einer anderen Zeit: Michelle und Barack Obama 2012 im Wahlkampf\" alt=\"Ein Bild aus einer anderen Zeit: Michelle und Barack Obama 2012 im Wahlkampf\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ein Bild aus einer anderen Zeit: Michelle und Barack Obama 2012 im Wahlkampf<\/p>\n<p>  Foto: Carolyn Kaster\/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Weniges wird in den USA so hoch gesch\u00e4tzt wie die Kunst, eine gute Geschichte erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, und kaum jemand beherrscht diese Kunst so perfekt wie Michelle und Barack Obama.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchere First Lady hat bereits einen Weltbestseller geschrieben, &quot;Becoming&quot;, ihre Autobiografie. Die seit Langem angek\u00fcndigten Memoiren des Ex-Pr\u00e4sidenten werden ein globales Ereignis sein.<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen setzten sich die Obamas vor ein wei\u00dfes Regal und lasen aus einem Kinderbuch vor, sorgf\u00e4ltig inszeniert wie immer: &quot;Ich liebe W\u00f6rter&quot;, sagte der Vorg\u00e4nger von Donald Trump. Seine Frau erz\u00e4hlte von ihrem ersten Besuch in einer B\u00fccherei, von ihrem Leihausweis, der ihr &quot;die Welt des Wissens und der Erfahrungen ge\u00f6ffnet&quot; habe.<\/p>\n<p>Die eigentliche Botschaft aber hie\u00df: &quot;Wir werden eine neue Zweigstelle der \u00f6ffentlichen Bibliothek von Chicago im Obama Presidential Center einrichten.&quot; Eingeblendet wurde dazu eine virtuelle Innenansicht mit vielen gl\u00fccklichen Kindern.<\/p>\n<p>Eine gute Geschichte, wieder einmal. Aber wie geht sie weiter?<\/p>\n<p>Noch wei\u00df niemand, wann der versprochene Lesesaal seine T\u00fcren \u00f6ffnen wird. Das Obama Presidential Center wurde zwar schon vor einigen Jahren geplant, w\u00e4hrend der zweiten Amtszeit des 44. US-Pr\u00e4sidenten. Auf dem vorgesehenen Gel\u00e4nde in Chicago ist es jedoch bis heute nicht einmal zum ersten Spatenstich gekommen.<\/p>\n<h3>F\u00fcr die Er\u00f6ffnung nennt die Obama-Stiftung kein Datum<\/h3>\n<p>Gegen die Errichtung des rund 500 Millionen Dollar teuren Geb\u00e4udekomplexes gibt es massiven Widerstand in der Stadt, die mehr als jede andere die Heimat der Obamas ist.<\/p>\n<p>Mit so viel Gegenwehr haben sie nicht gerechnet. Schon in diesem Jahr, sp\u00e4testens 2021, sollte nach den urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4nen die Er\u00f6ffnung gefeiert werden. Inzwischen nennt die Obama-Stiftung, die das Bauprojekt leitet, kein Datum mehr.<\/p>\n<p>Michelle Obama, geborene Robinson, wurde in der \u00fcberwiegend von Schwarzen bewohnten South Side gro\u00df und war in der City von Chicago eine erfolgreiche Rechtsanw\u00e4ltin. 1992 heiratete sie den Mann, der drei Jahre vorher ein Praktikum bei ihr gemacht hatte und sich neben der Juristerei als Sozialberater in benachteiligten Stadtvierteln engagierte.<\/p>\n<p>Darum ist es kein Zufall, dass das architektonische Verm\u00e4chtnis des auf Hawaii geborenen Pr\u00e4sidenten in der South Side von Chicago stehen soll. Pr\u00e4sidentenbibliotheken gibt es in den USA viele seit der Amtszeit von Franklin D. Roosevelt, sie sind eine Mischung aus Archiv, Forschungsstelle und Gedenkst\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das Obama-Zentrum soll anders sein, etwas ganz Besonderes.<\/p>\n<p>In ihrem Programm verk\u00fcndet die Pr\u00e4sidentenstiftung: Das Zentrum werde &quot;die Geschichten derer ehren, die uns dorthin gebracht haben, wo wir heute sind.&quot; Und man wolle &quot;Menschen zusammenbringen, um eine noch bessere Zukunft zu entwerfen.&quot; Da kann sich jeder angesprochen f\u00fchlen, in der South Side, in Chicago, \u00fcberall.<\/p>\n<h3>Der hohe Ton steht im Missverh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t<\/h3>\n<p>Den j\u00e4hrlich rund 800.000 Besuchern soll ein &quot;Weltklasse-Museum&quot; geboten werden, dazu eine Bibliothek, ein Sport- und Freizeitpark, eine Gartenanlage mit Naturpfaden, ein gro\u00dfer Spielplatz. Die Obamas, die so vieles erreicht haben, &quot;wollen etwas zur\u00fcckgeben&quot;, und deshalb gehe es noch um mehr. Um einen Ort, &quot;an dem du nachdenken und wachsen, dich einbringen und kreativ sein kannst &#8211; und hoffentlich deine eigenen Ziele entdeckst und erkundest&quot;.<\/p>\n<p>Der hohe Ton dieser Projekt-Prosa steht jedoch in einem argen Missverh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t, mit der die Obama-Stiftung sich abm\u00fchen muss.<\/p>\n<p>Viele Nachbarn in der South Side von Chicago trauen den Versprechungen nicht. Sicher, sie haben geh\u00f6rt, was ihnen die Obamas und ihre Leute schon viele Male erz\u00e4hlt haben: Dass der vernachl\u00e4ssigten Gegend nichts Besseres passieren kann als die Errichtung eines so strahlenden Ensembles. Dass dadurch 2000 Arbeitspl\u00e4tze entstehen. Dass das Zentrum in den ersten zehn Jahren nach Er\u00f6ffnung drei Milliarden Dollar f\u00fcr Stadt und Umland erwirtschaftet.<\/p>\n<h3>&quot;Wir wissen, dass die Gentrifizierung kommen wird&quot;<\/h3>\n<p>Trotzdem f\u00fcrchten die Skeptiker, dass ihnen das Glitzerprojekt vor ihrer Haust\u00fcr eher schaden wird \u2013 vor allem durch steigende Mietpreise. Mehrere B\u00fcrgerinitiativen \u00fcben deshalb erheblichen Druck aus, etwa mit Sit-ins vor dem B\u00fcro der B\u00fcrgermeisterin von Chicago.<\/p>\n<p>&quot;Wir wissen, dass die Gentrifizierung kommen wird&quot;, sagte die Aktivistin Ebon\u00e9e Green vor Kurzem der &quot;Chicago Tribune&quot;. Vermutlich hat sie recht. In Immobilienanzeigen wurde bereits mit der N\u00e4he zum Obama-Zentrum geworben. Green sagt: &quot;Wenn wir \u00fcber Gewalt gegen schwarze Menschen reden, dann geht es nicht blo\u00df um Polizeigewalt. Es geht um Gewalt durch Verdr\u00e4ngung.&quot; Von der B\u00fcrgermeisterin verlangt sie konkrete Programme, die dauerhaft f\u00fcr bezahlbaren Wohnraum in den angrenzenden Quartieren sorgen.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem, mit dem es die Obamas beim Bau ihres Zentrums zu tun haben, sind allerdings nicht die besorgten Nachbarn. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist Herbert Caplan.<\/p>\n<h3>Schwierigster Gegner ist ein selbst ernannter &quot;Kreuzz\u00fcgler&quot;<\/h3>\n<p>Caplan ist ein Parksch\u00fctzer, vor einigen Jahren hat er in Chicago die Organisation Protect Our Parks gegr\u00fcndet. Auf Twitter charakterisiert er sich so: &quot;Kreuzz\u00fcgler auf meine alten Tage&quot;.<\/p>\n<p>Weil das Obama-Zentrum im Jackson Park, einer gesch\u00fctzten Gr\u00fcnanlage am Ufer des Michigansees gebaut werden soll, f\u00fchlte sich Caplan berufen, dagegen anzuk\u00e4mpfen. Er suchte sich einen guten Anwalt, einen emeritierten Juraprofessor und fr\u00fcheren Kollegen Barack Obamas an der University of Chicago. Und zog vor Gericht.<\/p>\n<p>Juristischer Gegner ist dort nicht die Obama-Stiftung, sondern die st\u00e4dtische Parkbeh\u00f6rde. Caplan findet, dass die Parkbeh\u00f6rde \u00f6ffentliches Land verschleudert habe, als sie das Grundst\u00fcck im Jackson Park dem Obama-Zentrum zur Verf\u00fcgung stellte. Die Pacht f\u00fcr 99 Jahre bel\u00e4uft sich auf zehn Dollar.<\/p>\n<h3>W\u00e4hrend der Rechtsstreit dauert, kann nicht gebaut werden<\/h3>\n<p>Die Begr\u00fcndung der Stadt f\u00fcr diesen symbolischen Betrag lautet: Der Geb\u00e4udekomplex diene in vielerlei Hinsicht dem \u00f6ffentlichen Interesse.<\/p>\n<p>Caplan h\u00e4lt dagegen, es handele sich um einen Pr\u00e4zedenzfall. &quot;Sollte ein sp\u00e4terer B\u00fcrgermeister entscheiden, dass er ein Disneyland auf den st\u00e4dtischen Badestrand stellen will, dann k\u00f6nnte er es tun.&quot; Sein Anwalt meint, die Pacht f\u00fcr das Gel\u00e4nde im Jackson Park m\u00fcsse &quot;mindestens eine halbe Milliarde Dollar&quot; betragen. Die Klage von Protect Our Parks, die vor einem Jahr in erster Instanz abgewiesen wurde, ist nun beim Berufungsgericht anh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Rechtsstreit dauert, kann nicht gebaut werden. Der Streit kann sehr lange dauern. Denn der selbst ernannte Kreuzz\u00fcgler Caplan zeigt sich entschlossen, alle Mittel auszusch\u00f6pfen. &quot;Wir werden nicht einfach einknicken&quot;, sagt er.<\/p>\n<h3>Das Zentrum k\u00f6nne &quot;\u00fcberall auf der Welt stehen&quot;, meint Michelle Obama<\/h3>\n<p>Der Chicagoer Rechtsprofessor Lior Strahilevitz verfolgt den Prozess genau. Er vermutet, dass bis zur Entscheidung des Berufungsgerichts &quot;mehrere Monate&quot; vergehen werden. Anschlie\u00dfend seien &quot;weitere juristische Verfahren&quot; bis hinauf zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten m\u00f6glich, ganz gleich, wer gewinnt. Strahilevitz h\u00e4lt es f\u00fcr vorstellbar, &quot;dass die Obama-Stiftung sich dazu entschlie\u00dfen k\u00f6nnte, das Zentrum in einer anderen Stadt zu bauen&quot;.<\/p>\n<p>Den Obamas ist dieser Gedanke vertraut. Auf einer Tagung ihrer Stiftung im vergangenen Herbst sagte Michelle, es gebe so viele Menschen, f\u00fcr die Barack &quot;ihr Pr\u00e4sident&quot; sei, darum k\u00f6nne das Zentrum &quot;\u00fcberall auf der Welt&quot; stehen. &quot;New York wollte es haben, Hawaii will es haben. Weil es auch ein wirtschaftlicher Motor ist.&quot;<\/p>\n<p>Der Beweis daf\u00fcr muss noch erbracht werden. Einstweilen droht das hochfliegende Projekt zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Und niemand kann sagen, ob diese Geschichte der Obamas ein Happy End haben wird.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ein Bild aus einer anderen Zeit: Michelle und Barack Obama 2012 im Wahlkampf Foto: Carolyn Kaster\/ AP Weniges wird in den USA so hoch gesch\u00e4tzt wie die Kunst,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1082","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1082"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1082\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}