{"id":1079,"date":"2020-07-12T21:04:34","date_gmt":"2020-07-12T18:04:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/australien-china-und-der-klimawandel-wo-heute-schon-morgen-ist\/"},"modified":"2020-07-12T21:04:34","modified_gmt":"2020-07-12T18:04:34","slug":"australien-china-und-der-klimawandel-wo-heute-schon-morgen-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/australien-china-und-der-klimawandel-wo-heute-schon-morgen-ist\/","title":{"rendered":"Australien, China und der Klimawandel: Wo heute schon morgen ist"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/68ad9bbf-521b-4ae5-87f5-cc0641fdc1ab_w948_r1.77_fpx40.69_fpy55.jpg\" title=\"Sonnenuntergang in Sydney: Australien ringt mit China und dem Klima\" alt=\"Sonnenuntergang in Sydney: Australien ringt mit China und dem Klima\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Sonnenuntergang in Sydney: Australien ringt mit China und dem Klima<\/p>\n<p>  Foto: Prasit photo\/ Moment RF\/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Einige der Beamten trugen Uniformen, andere dunkle Anz\u00fcge und Gummihandschuhe. An einem Freitagmorgen Ende Juni durchsuchten australische Ermittler das Haus des Labor-Politikers Shaoquett Moselmane in Sydney. Der Abgeordnete im Parlament des Bundesstaats New South Wales, der als China-nah gilt, streitet s\u00e4mtliche Vorw\u00fcrfe ab; er selbst stehe nicht unter Verdacht, die Ermittlungen richteten sich gegen andere.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden gehen sparsam mit Einzelheiten um. Eines aber steht fest: Es geht um eine m\u00f6gliche Einflussnahme Pekings, der Inlandsgeheimdienst Asio ist mit der Untersuchung befasst.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren verabschiedete Australien umfassende neue Spionagegesetze. Ihrem Wortlaut nach richten sie sich gegen ausl\u00e4ndische Einflussnahme im Allgemeinen. In Wahrheit hatten die Macher bei der Konzeption aber vor allem eine fremde Macht vor Augen: China.<\/p>\n<h3>China spricht von einer &quot;Mentalit\u00e4t des Kalten Krieges&quot;<\/h3>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen sollen Versuche Pekings unterbinden, durch Geldfl\u00fcsse, Versprechungen und Druck auf Gesetzgeber politische Entscheidungen in Australien im eigenen Sinn zu formen. Schon im Zuge der Verabschiedung der Gesetze im Sommer 2018 sprach der chinesische Botschafter von einer &quot;Mentalit\u00e4t des Kalten Krieges&quot;, die die Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern belaste. Seitdem haben die Spannungen noch einmal deutlich zugenommen.<\/p>\n<p>Australien steht vor zwei Herausforderungen, die in den kommenden Jahrzehnten die Welt und die Weltpolitik noch st\u00e4rker pr\u00e4gen d\u00fcrften, als sie es bereits tun: der Aufstieg Chinas samt dem strategischen Wettbewerb mit den USA &#8211; und der Klimawandel. Schon heute m\u00fcssen sich Staaten und Gesellschaften in so gut wie allen Regionen der Erde zu beiden Fragen verhalten. In Australien aber ist die Entwicklung weiter fortgeschritten als vielerorts, die Lage dr\u00e4ngender.<\/p>\n<p><strong>Da ist zun\u00e4chst das Verh\u00e4ltnis zu China.<\/strong> Dieses sei w\u00e4hrend der Corona-Pandemie in eine neue Phase getreten, sagt Clive Hamilton dem SPIEGEL. Der australische Intellektuelle, der sich in seinen B\u00fcchern sowohl mit den Beziehungen zu China als auch mit dem Klimawandel befasst, meint damit die Forderung der australischen Regierung nach einer unabh\u00e4ngigen Untersuchung des Seuchenausbruchs in Wuhan &#8211; und die Ma\u00dfnahmen, die Peking daraufhin verf\u00fcgte: 80 Prozent Zoll auf australische Gerste, einen Einfuhrstopp f\u00fcr Rindfleisch aus vier australischen Schlachth\u00f6fen. Chinas Bildungsministerium riet Studenten vom Besuch australischer Universit\u00e4ten ab, das Tourismusministerium rief eine Reisewarnung f\u00fcr Australien aus, angeblich weil Chinesen dort rassistische \u00dcbergriffe drohten.<\/p>\n<p>Wie Europa und die USA muss auch Australien in seinem Umgang mit China wirtschaftliche Interessen und demokratische Werte in Einklang bringen. Dabei galt lange die Losung: gemeinsam reich werden. China wuchs zur zweitgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Erde; Australien lieferte Eisenerz, Kohle und Gas &#8211; und wuchs ebenfalls.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren aber bricht sich in der \u00f6ffentlichen Meinung in Australien die \u00dcberzeugung Bahn, dass Chinas wirtschaftlicher Aufstieg mit einem politischen Hegemonialstreben einhergeht, das die eigenen Werte bedroht. Unter Staatschef Xi Jinping tritt das Riesenreich in der Indo-Pazifik-Region zunehmend aggressiv auf.<\/p>\n<p>In Australien selbst weitete es seinen Einfluss in Wirtschaft, Politik und an den Universit\u00e4ten \u00fcber die Jahre aus. Zwei von f\u00fcnf ausl\u00e4ndischen Studenten an den Hochschulen kommen aus China. Sie sind nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern pr\u00e4gen auch die politische Debatte \u2013 bisweilen, indem sie Pro-Hongkong-Demonstranten auf dem Campus niederbr\u00fcllen. Aktivisten an den Universit\u00e4ten berichteten von Personen mit Verbindungen zu Chinas diplomatischen Vertretungen, die ihnen angeblich nachstellten. Meldungen der Geheimdienste \u00fcber Agentent\u00e4tigkeiten und politische Einflussnahme mehrten sich; Peking stritt stets in scharfem Ton ab.<\/p>\n<p>Australien reagierte auf diese Entwicklung mit einer Reihe von Ma\u00dfnahmen: Kurz nach der Ausweitung der Gesetze gegen Spionage und Einflussnahme schloss es die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE vom Bau seines 5G-Netzwerks aus. Schon vor der Coronakrise wurde das Land zu einer Art Vorreiter, wenn es darum ging, dem chinesischen Machtanspruch zu trotzen. Berichten zufolge geschah dies auch auf dr\u00e4ngen von US-Offiziellen, die das Land gleichsam als Testfall sehen: als einen Verb\u00fcndeten, der nahe genug an Peking dran ist, um zu verdeutlichen, was auf andere zukommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Pandemie und das j\u00fcngst in Kraft getretene sogenannte Sicherheitsgesetz f\u00fcr Hongkong treiben diese Entwicklung weiter voran.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Der konservative Premier Scott Morrison k\u00fcndigte j\u00fcngst Milliardeninvestitionen in milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung an.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Er setzte zudem eine Auslieferungsvereinbarung mit Hongkong aus. Gef\u00e4hrdeten B\u00fcrgern der fr\u00fcheren britischen Kronkolonie will seine Regierung Sondervisa und einen Weg hin zu einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung anbieten.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Schlie\u00dflich will Morrison mindestens 500 neue Cyberspione rekrutieren. Zwei Wochen vor der Ank\u00fcndigung hatten die Sicherheitsbeh\u00f6rden des Landes mal wieder eine Cyberattacke gemeldet; diese h\u00e4tte sich gegen mehrere Organisationen in Politik und Privatsektor gerichtet und ginge auf das Konto eines &quot;hochentwickelten staatlichen Cyberakteurs&quot;. Kaum jemand zweifelte daran, wer gemeint war.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>&quot;Das andere Hindernis sind die USA unter Donald Trump&quot;<\/h3>\n<p>Einen weiteren Pfeiler der k\u00fcnftigen China-Politik sieht die australische F\u00fchrung in regionalen Partnerschaften. Ein k\u00fcrzlich verk\u00fcndetes Abkommen mit Indien garantiert beiden L\u00e4ndern die wechselseitige Nutzung ihrer Milit\u00e4rbasen. Auch das &quot;Quad&quot; genannte informelle Forum, an dem neben Australien und Indien auch Japan und die USA beteiligt sind, k\u00f6nnte k\u00fcnftig an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<p>Derzeit sei diese lose Gruppierung weit davon entfernt, sich zu einem formellen B\u00fcndnis zu entwickeln, sagt Clive Hamilton. Das liege zum einen daran, dass Indien traditionell Allianzen jeglicher Art widerstrebten. &quot;Das andere Hindernis sind die USA unter Donald Trump, der im Grunde Amerikas traditionelle B\u00fcndnisse \u00fcber den Haufen geworfen hat.&quot; Die harte Linie von Premier Morrison lobt Hamilton dagegen: &quot;Selbst als jemand, der politisch links steht, muss ich sagen: Die konservative Regierung verfolgt genau den richtigen Ansatz.&quot;<\/p>\n<p>Deutlich kritischer sieht Hamilton hingegen die Rolle der australischen Regierung bei der anderen gro\u00dfen Herausforderung: dem <strong>Klimawandel<\/strong>. Hier hinke die F\u00fchrung des Landes nicht nur den Regierungen auf Bundesstaatsebene hinterher, sondern auch der Privatwirtschaft.<\/p>\n<p>Die Coronakrise hat Gesellschaften auf der ganzen Welt eine neue Normalit\u00e4t aufgezwungen. F\u00fcr Australien aber ist sie nur eine von zwei Z\u00e4suren binnen k\u00fcrzester Zeit. In der zweiten H\u00e4lfte des vergangenen und in den ersten Wochen des laufenden Jahres w\u00fcteten im Land Buschfeuer apokalyptischen Ausma\u00dfes.<\/p>\n<p>Der hei\u00dfeste und trockenste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung f\u00fchrte in Verbindung mit starken Winden zu einer Brandsaison, die eine Fl\u00e4che von der Gr\u00f6\u00dfe Bulgariens verheerte. Bilder von asche\u00fcbers\u00e4ten Str\u00e4nden und Koalas mit Brandwunden gingen um die Welt; der Rauch f\u00e4rbte zwischenzeitlich selbst den Himmel \u00fcber Neuseeland. Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensit\u00e4t der Buschbr\u00e4nde deutlich erh\u00f6ht habe.<\/p>\n<p>&quot;Unter allen entwickelten L\u00e4ndern ist Australien am akutesten vom sich wandelnden Klima betroffen&quot;, sagt Clive Hamilton. Er verweist auf die Massenbleichen im Great Barrier Reef, extreme D\u00fcrreperioden und \u00dcberschwemmungen im Norden des Landes.<\/p>\n<p>Die vergangene Brandsaison hat das Bewusstsein der Nation, die so viel Kohle exportiert wie keine andere auf der Welt, offenbar gewandelt. Premier Morrison wurde wegen seines Umgangs mit der Krise heftig kritisiert. 72 Prozent aller Australier sehen den Klimawandel einer Umfrage zufolge inzwischen als Problem, das sie pers\u00f6nlich betrifft. Und selbst Wirtschaftsverb\u00e4nde fordern Klimaneutralit\u00e4t bis zum Jahr 2050.<\/p>\n<p>57 Prozent aller Australier waren laut einer Umfrage direkt von den Buschbr\u00e4nden beziehungsweise dem von ihnen ausgehenden Rauch betroffen. Die Tourismusbranche wurde hart getroffen. L\u00e4ngerfristig rechnet der unabh\u00e4ngige Climate Council mit erheblichen Verlusten in der Landwirtschaft; auch beim Wert der Immobilien seien in den kommenden Jahrzehnten Einbu\u00dfen von mehreren Hundert Milliarden Australischer Dollar zu erwarten.<\/p>\n<p>Den Interessen der Kohleindustrie stehen zunehmend nicht nur \u00f6kologische Interessen gegen\u00fcber &#8211; sondern auch wirtschaftliche.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Sonnenuntergang in Sydney: Australien ringt mit China und dem Klima Foto: Prasit photo\/ Moment RF\/ Getty Images Einige der Beamten trugen Uniformen, andere dunkle Anz\u00fcge und Gummihandschuhe. 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