{"id":1072,"date":"2020-07-12T13:10:14","date_gmt":"2020-07-12T10:10:14","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-und-der-statuen-streit-worum-es-bei-trumps-denkmal-tick-wirklich-geht\/"},"modified":"2020-07-12T13:10:14","modified_gmt":"2020-07-12T10:10:14","slug":"donald-trump-und-der-statuen-streit-worum-es-bei-trumps-denkmal-tick-wirklich-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/donald-trump-und-der-statuen-streit-worum-es-bei-trumps-denkmal-tick-wirklich-geht\/","title":{"rendered":"Donald Trump und der Statuen-Streit: Worum es bei Trumps Denkmal-Tick wirklich geht"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/28e07f7d-6e1a-4e7a-90a1-9d76ac5f4283_w948_r1.77_fpx34.14_fpy50.jpg\" title=\"Melania und Donald Trump bei einer Kranzniederlegung am &quot;Korean War Veterans Memorial&quot; in Washington\" alt=\"Melania und Donald Trump bei einer Kranzniederlegung am &quot;Korean War Veterans Memorial&quot; in Washington\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Melania und Donald Trump bei einer Kranzniederlegung am &quot;Korean War Veterans Memorial&quot; in Washington<\/p>\n<p>  Foto: Tom Brenner\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn US-Pr\u00e4sident Donald Trump vor die T\u00fcr des Wei\u00dfen Hauses tritt, sieht er \u00fcberall nur Denkm\u00e4ler, Erinnerungstafeln oder Monumente. Auf der einen Seite liegt der Lafayette Square mit den Statuen von fr\u00fcheren Milit\u00e4rs wie Andrew Jackson, Baron von Steuben oder dem Marquis de Lafayette.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ragt das Washington Monument in die H\u00f6he, dahinter liegen das Jefferson Memorial oder auch &#8211; ein Kuriosum &#8211; der &quot;Garden of German-American Friendship&quot;. Das eher kleine Parkareal s\u00fcdlich vom Wei\u00dfen Haus wurde dereinst von Ronald Reagan und Helmut Kohl angelegt.<\/p>\n<p>Washington und viele andere Metropolen in den USA sind voll von solchen Erinnerungsst\u00e4tten. Der Pr\u00e4sident hat sich daf\u00fcr bislang kaum interessiert. Doch seit im Zuge der &quot;Black Lives Matter&quot;-Proteste einige Denkm\u00e4ler von Demonstranten niedergerissen oder beschmiert wurden, hat Donald Trump das Thema Statuen f\u00fcr sich entdeckt. Wie die amerikanische Geschichte und wichtige Figuren in ihr gesehen werden sollen, will er m\u00f6glichst allein festlegen.<\/p>\n<p>Fast kein Tag vergeht, ohne dass Trump derzeit seine Anh\u00e4nger zum Kulturkampf gegen einen vermeintlichen &quot;linken Mob&quot; aufruft, der im Verbund mit dem demokratischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Joe Biden Amerikas &quot;gro\u00dfartige Geschichte&quot; und deren &quot;Helden&quot; ausl\u00f6schen wolle. Bei seiner inzwischen schon ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Rede am Mount Rushmore am vorigen Wochenende verstieg sich Trump sogar zu der Behauptung, in den USA sei ein &quot;linksradikaler Faschismus&quot; auf dem Vormarsch, den allein er stoppen k\u00f6nne.<\/p>\n<h3>Wer es wagt, Fragen zu stellen, ist ein vaterlandsloser Geselle<\/h3>\n<p>Mehr und mehr zeigt sich, dass Trump den Denkmalstreit zu einem zentralen Bestandteil seines Wahlkampfs machen will, um seine drohende Abwahl am 3. November zu verhindern. Die Coronakrise blendet er aus, daf\u00fcr entwickelt Trump einen regelrechten Statuentick.<\/p>\n<p>Er hat die Errichtung eines Statuenparks angek\u00fcndigt. Dort sollen die Abbilder gro\u00dfer Helden der amerikanischen Geschichte gezeigt werden. Und: Offenbar denkt das Team des US-Pr\u00e4sidenten nun sogar dar\u00fcber nach, Statuen bei seinen politischen Kundgebungen aufstellen zu lassen. Der Sender ABC berichtet, diese Idee werde derzeit gepr\u00fcft, ein Vorschlag sei, Abbilder der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der USA zu zeigen.<\/p>\n<p>Wie so oft bei Trump, geht im Denkmalstreit einiges munter durcheinander:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Einerseits setzt er sich f\u00fcr den Erhalt von Statuen von S\u00fcdstaaten-Gener\u00e4len ein, ein Freundschaftswink an alle Rassisten im Land.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Andererseits will er in seinem Statuenpark auch Abbilder von schwarzen K\u00e4mpfern gegen die Sklaverei wie Frederick Douglass aufstellen lassen, was so nat\u00fcrlich wie eine reine Alibi-Idee wirkt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt f\u00fcr Trump: Wenn es nach ihm geht, d\u00fcrften gar keine Denkm\u00e4ler mehr anger\u00fchrt werden, praktisch alle Figuren im Land sollen stehen bleiben, ganz gleich wie viel Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe die vermeintlichen Helden auf dem Kerbholz haben. Dahinter steckt auch typische Spaltungspolitik \u00e0 la Trump: Die amerikanische Geschichte ist aus seiner Sicht grunds\u00e4tzlich gut, wer es wagt, Fragen zu stellen, ist ein St\u00f6renfried und vaterlandsloser Geselle.<\/p>\n<h3>Welche Denkm\u00e4ler gibt es?<\/h3>\n<p>Damit macht er es sich denkbar einfach. Im Grundsatz muss man in der amerikanischen Denkmaldebatte zwischen mindestens drei Kategorien von Statuen unterscheiden, die alle unterschiedlich zu bewerten sind.<\/p>\n<p>Da sind, <strong>erstens<\/strong>, die Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der USA wie George Washington oder Thomas Jefferson. Sie sind Nationalhelden, an ihren Denkm\u00e4lern wollen auch viele Demokraten im Prinzip nicht r\u00fctteln. Kritiker, vor allem auf der Linken und in der &quot;Black Lives Matter&quot;-Bewegung, meinen, die Statuen von Washington und Jefferson geh\u00f6rten entfernt, weil beide im 18. Jahrhundert Sklavenbesitzer waren. In New York wurde eine Washington-Statue mit Farbbeuteln beworfen, was Trump dazu veranlasste, \u00fcber Twitter Fahndungsfotos der vermeintlichen T\u00e4ter zu verbreiten. Er glaubt: Wenn es um die Verteidigung des Andenkens von George Washington geht, kann er sich der Unterst\u00fctzung vieler Amerikaner sicher sein.<\/p>\n<p>Dann sind da, <strong>zweitens<\/strong>, die so genannten Konf\u00f6derierten: Trump spricht gern von der Verteidigung der &quot;gro\u00dfartigen amerikanischen Geschichte&quot;. F\u00fcr ihn schlie\u00dft das offenkundig die Statuen von S\u00fcdstaaten-Gener\u00e4len wie Robert F. Lee oder Thomas &quot;Stonewall&quot; Jackson ein. Bei diesen und anderen Figuren aus der Zeit des amerikanischen B\u00fcrgerkriegs endet der generelle Konsens:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Trump verteidigt sie, weil er wei\u00df, dass das bei einigen seiner W\u00e4hler in S\u00fcdstaaten wie South Carolina, Georgia oder Texas gut ankommt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Aus dem gleichen Grund kommt ihm auch keine Kritik an jenen Hardlinern \u00fcber die Lippen, die im S\u00fcden immer noch die Flagge der Konf\u00f6derierten vor ihren H\u00e4usern (oder bei Trump-Kundgebungen) zeigen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vielen Amerikanern ist das alles dagegen ein Graus: Sowohl die Statuen als auch die Flagge sind klare Symbole von Sklaverei, Rassismus, Diskriminierung. Die Sprecherin der Demokraten im Kongress, Nancy Pelosi, nennt die Anf\u00fchrer der Konf\u00f6derierten ausdr\u00fccklich &quot;Verr\u00e4ter&quot;, deren Statuen nicht l\u00e4nger gezeigt werden d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Die <strong>dritte <\/strong>Gruppe sind schlie\u00dflich besonders komplizierte F\u00e4lle: Dazu geh\u00f6rt zum Beispiel Ulysses S. Grant, dessen Statue in San Francisco von Demonstranten niedergerissen wurde. Das erscheint absurd, denn Grant war der f\u00fchrende General der Nordstaaten, der entscheidend dazu beigetragen hat, den S\u00fcden im B\u00fcrgerkrieg zu besiegen. Mit seinem Heer befreite er Tausende von Sklaven direkt aus der Gefangenschaft. Linke Kritiker werfen Grant jedoch vor, sp\u00e4ter als Pr\u00e4sident der USA eine unr\u00fchmliche Rolle bei der Vertreibung der Indianer gespielt zu haben. Au\u00dferdem besa\u00df seine Familie bis zum B\u00fcrgerkrieg selbst Sklaven, weil der Vater seiner Frau eine Plantage betrieb.<\/p>\n<p>Wie soll man mit den Statuen dieser und anderer Figuren umgehen? In normalen Zeiten w\u00fcrde man wohl auf die Idee kommen, dass sich Historiker und andere Experten mit diesen Fragen differenziert besch\u00e4ftigen und anschlie\u00dfend Empfehlungen abgeben, welche Statuen entfernt werden sollten und welche nicht. Vielleicht w\u00fcrde man auch auf die Idee kommen, die Statuen mit erkl\u00e4renden Schautafeln zu versehen, die den historischen Kontext erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nicht so bei Trump: Da werden alle Figuren und historischen Zusammenh\u00e4nge in einen Topf geworfen und munter zu einer populistischen Sauce verr\u00fchrt. Washington, Lee, Stonewall Jackson, Lincoln, bei ihm erscheinen sie alle pl\u00f6tzlich gleich wichtig \u2013 und gleich viel wert, vom Pr\u00e4sidenten verteidigt zu werden.<\/p>\n<p>Trump ist offenkundig davon \u00fcberzeugt, ein tolles Thema gefunden zu haben, mit dem sich in einer gro\u00dfen patriotischen Bewegung die Massen mobilisieren lassen. Ob sein Kalk\u00fcl wirklich aufgeht und ihm die Statuenkampagne zus\u00e4tzliche Stimmen bringt, darf derweil bezweifelt werden.<\/p>\n<h3>Mehrheit f\u00fcr Entfernung von Statuen einstiger S\u00fcdstaaten-Anf\u00fchrer<\/h3>\n<p>Viele Amerikaner wollen von ihrem Pr\u00e4sidenten nichts \u00fcber Statuen wissen, sondern sie wollen erfahren, was er gegen die Coronakrise unternimmt. Auch sonst steht der Trend derzeit gegen ihn: Nat\u00fcrlich gibt es weiter die harten Trump-Unterst\u00fctzer und auch viel Rassismus.<\/p>\n<p>Doch in mehreren Umfragen gab in den vergangenen Wochen eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit von 90 Prozent der Amerikaner an, die Diskriminierung der schwarzen Bev\u00f6lkerung im Land sei ein &quot;Problem&quot;. Gut 70 Prozent sehen sie als &quot;ernstes Problem&quot;. Eine klare Mehrheit sprach sich zudem f\u00fcr die Entfernung von Statuen von S\u00fcdstaaten-Anf\u00fchrern aus.<\/p>\n<p>Der Tod von George Floyd und die anschlie\u00dfenden Proteste der &quot;Black Lives Matter&quot;-Bewegung haben im Land m\u00f6glicherweise mehr Ver\u00e4nderungen und Umdenken ausgel\u00f6st, als Trump glaubt. Einige dieser Ver\u00e4nderungen wirken klein, haben aber eine starke Symbolkraft.<\/p>\n<p>Es kommt etwas in Bewegung. So hat der Bundesstaat Mississippi unl\u00e4ngst beschlossen, das Konf\u00f6derierten-Zeichen aus seiner Flagge zu streichen. Eine Revolution: Viele Jahrzehnte lang hatten sie sich in dem s\u00fcdlichen Bundesstaat energisch dagegen gestr\u00e4ubt.<\/p>\n<p>Die Washington Redskins, ein Footballteam, werden vermutlich schon bald ihren Namen \u00e4ndern. Auch das w\u00e4re ein Wandel: Vertreter der Native Americans kritisieren den Namen schon lange als rassistisch, bislang ohne Erfolg. \u00c4hnliches k\u00f6nnte bei den Cleveland Indians, einem Baseballteam, geschehen.<\/p>\n<p>Die Teams w\u00fcrden die Namens\u00e4nderungen doch nur aus Gr\u00fcnden &quot;politischer Korrektheit&quot; betreiben, sagt der Pr\u00e4sident dazu. Er meint, er spreche mit solchen Kommentaren f\u00fcr die &quot;schweigende Mehrheit im Land&quot;.<\/p>\n<p>Wirklich? Trump hat die letzte Wahl gewonnen, weil er ein gutes Bauchgef\u00fchl f\u00fcr einige Themen hatte, die viele Amerikaner bewegen. Vielleicht klappt das wieder. Es ist aber auch gut m\u00f6glich, dass er die Zeichen der Zeit diesmal v\u00f6llig falsch liest.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Melania und Donald Trump bei einer Kranzniederlegung am &quot;Korean War Veterans Memorial&quot; in Washington Foto: Tom Brenner\/ REUTERS Wenn US-Pr\u00e4sident Donald Trump vor die T\u00fcr des Wei\u00dfen Hauses<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1072","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1072"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1072\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}