Wie Iran den USA geholfen hat: Experte: “Das Weiße Haus hat gezittert”
Politik
Wie Iran den USA geholfen hatExperte: "Das Weiße Haus hat gezittert"
08.04.2026, 13:03 Uhr 
Die große Eskalation am Persischen Golf bleibt aus: Die USA und der Iran einigen sich kurz vor dem Ende von Trumps Ultimatum auf eine Feuerpause und Verhandlungen. Doch was sagen Experten?
Die gesamte Welt wartet am Dienstagabend gespannt auf das, was US-Präsident Donald Trump tun wird. Wird er wirklich eine "gesamte Zivilisation" im Iran auslöschen? So wie er es am Nachmittag angedroht hatte? Trump meldete sich 88 Minuten vor dem Ende seines Ultimatums auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social: Er stimmt einer zweiwöchigen Waffenruhe mit Teheran zu, es stünden nun weitere Verhandlungen an.
Die große Eskalation im Persischen Golf ist nach fünf Wochen der Bombardierungen erst einmal abgesagt. Der Iran legte einen Zehn-Punkte-Plan vor, der auch die Zukunft der wichtigen Straße von Hormus regeln soll. Unter der Vermittlung von Pakistan wird in den nächsten Tagen und Wochen darüber weiter verhandelt werden. Nur, wer hat sich nun in dem Konflikt durchgesetzt?
Die Meinungen gehen durchaus durcheinander. Der Politikwissenschaftler Klemens Fischer sagt bei ntv, dass es in der Diplomatie immer auch um Gesichtswahrung geht. Vor allem in diesem Konflikt: In den vergangenen 30 Jahren habe es immer wieder eine Seite in letzter Sekunde gerade so noch geschafft, sein Gesicht wahren zu können. Auch diesmal standen Fischers Einschätzung nach zwei unversöhnliche Seiten gegenüber, "die wirklich den Mumm hatten, im Notfall eine Waffe einzusetzen, die niemand einsetzen will".
Die "perfekte Rolle" Pakistans
Der Politikwissenschaftler bezieht sich auf die Drohkulisse Trumps, die er Tag für Tag immer weiter aufgebaut hatte, mit dem Gipfel am Dienstagnachmittag. "Trump hat etwas gemacht, was uns in eine völlig neue Ära geschossen hat: die Drohung mit der Bombe." Das habe noch kein US-Präsident gemacht. "Die einzige Gegenantwort des Iran wird gewesen sein: 'Wir haben noch 400 Kilogramm angereichertes Uran, daraus können wir noch relativ rasch eine schmutzige Bombe basteln.'" Es wäre eine massive Eskalation gewesen.
Stattdessen, so zeichnet es Fischer nach, habe der Iran den USA sogar geholfen, eben doch keine taktische Atombombe einzusetzen. "Ich glaube, das Weiße Haus hat gezittert, ob dem Iran noch irgendetwas einfällt, um sie von dieser Kante herunterzuholen." Und so kam es dann auch. Pakistan habe eine "perfekte Rolle" als Vermittler gespielt. Islamabad habe "bis zum bitteren Ende mit allen Seiten gesprochen, hat die Chinesen miteinbezogen, die dem Iran dann auch noch hilfreich zur Seite gestanden haben, beim Formulieren des Zehn-Punkte-Plans".
Fischer resümiert, dass es "sehr viele Gewinner" in dieser Krise gibt. "Der Iran kann sagen: 'Wir beugen uns klarerweise einer Bombendrohung. Das Volk auslöschen zu lassen, das wollen wir nicht zulassen.'" Gleichzeitig behält Teheran sogar noch die Hoheit über die Straße von Hormus. Im Zehn-Punkte-Plan wird vorgeschlagen, die Straße zwar zu öffnen, jedoch kontrolliert der Iran den Schiffsverkehr weiter.
Gleichzeitig habe der Iran seine Karten "sehr gut gespielt": Fischer nennt als Beispiel die Bab-el-Mandeb-Straße. Der ebenfalls wichtige Seeweg verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Die Straße liegt damit zwar Tausende Kilometer vom Iran entfernt, könne mithilfe der verbündeten Huthi-Miliz aus dem Jemen heraus geöffnet und geschlossen werden. Es war ein weiterer Verhandlungshebel der Iraner.
Masala sieht das anders
Der Politikwissenschaftler Carlo Masala sieht dagegen viele Verlierer – vor allem aber Trump. Im Deutschlandfunk sprach er gar von einer "strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten". Für ihn ist der Zehn-Punkte-Plan ausschlaggebend. "Da ist wenig iranisches Entgegenkommen gegenüber den amerikanischen Forderungen von Beginn an enthalten", sagt Masala. Insofern könnten die USA wohl kaum von einem "vollumfänglichen Sieg" sprechen. Ganz im Gegenteil: Er erwartet zwei Wochen "harte Verhandlungen".
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Masala erinnert daran: Wer durch die Straße von Hormus fahren möchte, der muss sich mit den Iranern in Verbindung setzen – und eine Gebühr an Teheran und den Oman überweisen. Und: Grundlegend sei die Durchfahrt offen, mit Blick auf sogenannte technische Details, wie es heißt. "Und da wissen wir nicht, was das bedeutet."
Hinzu kommt: Es kursiert laut Masala noch eine Variante des Zehn-Punkte-Plans in Farsi, in der stehe, dass die USA dem Iran auch die Anreicherung von Uran erlaubt. In den englischsprachigen Versionen sei das nicht enthalten. Ursprünglich war es eines der US-Kriegsziele, eben das zu verhindern. Und auch das Regime ist zwar militärisch geschwächt, aber noch an der Macht. Beide Geheimdienste, der israelische und der US-amerikanische, hätten im Verlauf des Konflikts festgestellt: Die Macht-Fundamente des Regimes seien nicht am erodieren.
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Auch für Israel ist das Ergebnis aus Masalas Sicht "natürlich" eine Niederlage. "Weil Israel ein ganz klares Ziel hatte: nämlich den Regimewechsel in dieser Region herbeizuführen und die Iraner noch weiter zu schwächen. Dieser Punkt ist weg." Es bleibe Israel nur die Operation im Libanon. "Aber auch hier wieder: Im iranischen Vorschlag an die USA steht drin, auch die Operation im Libanon muss eingestellt werden, also Schläge gegen die Hisbollah. Und Israel sagt: Das gilt für sie nicht, so interpretieren sie das." Hier lauert der nächste Streit: zwischen Israel und den USA.
Und dann gibt es da noch einen anderen Verlierer: Europa. "Von den Europäern redet keiner mehr", sagt Politikwissenschaftler Fischer. "Sie waren nicht einmal mehr auf der Zuschauertribüne." Masala sekundiert. EU und Nato mussten einmal mehr lernen, "dass die USA kein verlässlicher Partner mehr sind. Sie konsultieren nicht mehr, sie machen Dinge, deren Konsequenzen dann die Europäer erleiden müssen".

