Wie gut ist die Ukraine für die neue Offensive gerüstet? – Podcast
Seit Wochen wird über die Taktik der Ukrainer spekuliert: Welche Ziele attackiert werden könnten, welche Waffen helfen. Doch was ist, wenn sie scheitert?
Als die Ukraine im vergangenen Herbst zur Gegenoffensive gegen die russischen Truppen ansetzte, gingen die russischen Streitkräfte von einer massiven Attacke auf Cherson aus und verstärkten ihre Truppen dort. So kam es auch: zwischen angreifenden Verteidigern und verteidigenden Invasoren entwickelte sich ein harter Stellungskrieg im Süden.
Dann aber stießen die ukrainischen Streitkräfte auch im Osten vor. Dort, wo die Russen Lücken hatten entstehen lassen, um die Front im Süden zu forcieren. Durch diese Kombination von Hinweisen im Vorfeld, Erfüllung der Vermutungen und schließlich Überraschung, gelang es der Ukraine, große Gebiete um Charkiw zurückzuerobern.
Genau deshalb wird nun, vor einer wahrscheinlichen Frühjahrsoffensive, intensiv spekuliert. Zum Beispiel darüber, warum die russische Armee viele Stellungen erheblich befestigt hat. Erwarten sie dort den Angriff der Ukrainer? Oder wollen sie die Ukrainer auf diese Art zu Angriffen an anderer Stelle bewegen?
Und werden die Ukrainer wieder einen Überraschungsangriff wählen oder eher auf eine groß angelegte Attacke setzen?
»Das wichtige Stichwort, wenn man überlegt, wie es aussehen könnte, ist ›Kampf der verbundenen Waffen‹«, sagt SPIEGEL-Mitarbeiter Oliver Imhof im Podcast. »Was die Ukrainer jetzt anscheinend versuchen wollen: dass alles synchronisierter ablaufen soll. Man schickt Artillerie vor, dann Minenräumer hinterher, und dann kommen die Panzerfahrzeuge, im Idealfall noch mit Luftunterstützung. Wenn das erfolgreich klappt, dann sind auch größere Gebietsgewinne möglich«.
Um diese Taktik umzusetzen, benötigt man gut geschultes Personal. Aber die Armeen, die sich heute gegenüberstehen, sind ganz andere Armeen als die, die zu Beginn des Krieges kämpften, sagt SPIEGEL-Reporter Aleksandar Sarovic. »Sowohl die Russen als auch die Ukraine haben in diesen ersten 14 Monaten Krieg einige ihrer besten Kommandeure und ihre fähigsten Truppen verloren«, berichtet er. »Die Ukraine verfügt dank der Hilfe aus dem Westen sehr wahrscheinlich über modernere Waffen. Die Russen hingegen haben wohl noch immer mehr Munition, vor allem bei der Artillerie«.
Gemeinsam mit Oliver Imhof hat Aleksandar Sarovic über die Rekrutierungsinitiative in der Ukraine berichtet. Etwa 35.000 Ukrainer folgten dem Aufruf, acht Brigaden werden nun trainiert, als Teil der sogenannten ›Angriffsgarde‹.
Warum es sich dabei nicht nur um Freiwillige handelt, welche Waffensysteme Erfolg versprechen und welche bisher genannten Opferzahlen auf beiden Seiten realistisch erscheinen, darüber sprechen beide in dieser Episode des SPIEGEL-Auslandspodcasts Acht Milliarden.
Die aktuelle Folge hören Sie hier:

