Wie China reicher, mächtiger und misstrauischer wurde: Die Drachendämmerung
Icon: vergrößernSilhouette der Millionenmetropole Harbin im Nordosten:So machtbewusst wie seit den Tagen der großen Dynastien nicht mehr
Foto: Fu Qiang / Costfoto / Sipa USA / ddp images
Tief in Sibirien, am selben Breitengrad wie Hamburg, fängt China an. 4000 Kilometer entfernt, am Strand der Tropeninsel Hainan, endet seine Landmasse im Süden. Beides sind Orte von großer Schönheit.
Lautlos windet sich im Norden der Heilongjiang ostwärts, der Fluss des Schwarzen Drachen. Er markiert die Grenze zu Russland, wo er Amur heißt. Dahinter erstrecken sich die Kiefernwälder der Taiga.
Sanft rollt in der Yalong-Bucht von Hainan die Brandung des Südchinesischen Meeres. Platanen und Palmen säumen die Küste, Kinder spielen am Strand. »Chinas Hawaii« wird Hainan oft genannt.
Dazwischen liegt ein Land, das etwa so groß ist wie die USA, in dem aber viermal so viele Menschen leben, doppelt so viele wie in Europa, mehr als in Afrika.
Chinas Dimensionen waren schon immer schwer zu fassen, aber selten zuvor sind die Größe und das wachsende politische und wirtschaftliche Gewicht des Landes der Welt so bewusst geworden wie im Verlauf der vergangenen acht Jahre.
Ich kam im Herbst 2012 nach China. Ein paar Wochen später trat in der Großen Halle des Volkes in Peking ein untersetzter Mann vor die Presse. Die Kommunistische Partei habe ihn zum Generalsekretär ernannt, sagte der Mann. Auf ihm und seinen Kollegen ruhe nun die Verantwortung, China zu regieren: »Unsere Menschen lieben das Leben. Sie erwarten bessere Bildung, stabilere Jobs, bessere Löhne und eine schönere Umwelt. Die Sehnsucht der Menschen nach einem guten und schönen Leben ist das Ziel, nach dem wir streben.«

