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“Vielversprechende Zukunft”: Von ICE erschossen: Wer war Alex Pretti?

January 25
16:36 2026

Panorama

"Vielversprechende Zukunft"Von ICE erschossen: Wer war Alex Pretti?

25.01.2026, 13:20 Uhr imageVon Sarah PlatzArtikel anhören(06:42 min)00:00 / 06:42

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Alex Pretti arbeitete bis zu seinem Tod als Krankenpfleger. (Foto: AFP/Roberto Schmidt)

Am Samstagmorgen wird Alex Pretti bei einem Gerangel mit ICE-Beamten erschossen. Die US-Regierung spricht von Notwehr – die Eltern des Getöteten halten das für eine Lüge. Ihr Sohn habe gewusst, wie er sich bei Protesten zu verhalten habe. Sie beschreiben einen engagierten und emphatischen Menschen.

Nach den tödlichen Schüssen durch ICE-Beamte in Minneapolis kommen mehr Details über das Opfer Alex Pretti ans Licht. Der getötete 37-Jährige war Intensivpfleger in einem Krankenhaus, das auf die Versorgung von Veteranen spezialisiert ist. Seine Eltern beschreiben ihren Sohn im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) insgesamt als hilfsbereiten und mitfühlenden Menschen. Er sei Demokrat gewesen. Die Politik von US-Präsident Donald Trump – und vor allem die Vorgehensweise der ICE-Behörde – hätten ihm große Sorgen bereitet.

Alex Pretti selbst war US-amerikanischer Staatsbürger. Er wurde im Bundesstaat Illinois geboren und wuchs in Wisconsin auf. Den Berichten seiner Familie zufolge verbrachte Pretti eine typisch amerikanische Kindheit und Jugend: In der Highschool spielte er Football und Baseball, er war Pfadfinder und sang im Chor. Seine Leidenschaft für Outdoor-Sport setzte er auch als Erwachsener fort – er war passionierter Rennradfahrer und liebte es, mit seinem kürzlich verstorbenen Hund unterwegs zu sein.

UnbenanntTödlich Schüsse in MinneapolisVideos entfachen Zweifel an angeblicher ICE-Notwehr

Nach dem Schulabschluss zog er nach Minnesota und studierte Biologie und Umwelt. Er arbeitete kurz in der Forschung, entschied sich dann aber für eine weitere Ausbildung zum Krankenpfleger. Kollegen, mit denen Pretti als Pfleger zusammenarbeitete, beschreiben, dass er in dieser Tätigkeit aufging. "Alex war der freundlichste, liebenswerteste Mensch und ein Intensivpfleger mit einer vielversprechenden Zukunft vor sich", schreibt eine ehemalige Kollegin auf X. Das zeigte Pretti auch bei seiner letzten Arbeitsstelle, dem Veteranen-Krankenhaus. "Alex Pretti war ein großartiger, aufmerksamer, freundlicher und mitfühlender Krankenpfleger", heißt es von einer Mitarbeiterin der Klinik auf Facebook.

Erfahrung mit Protesten

"Er kümmerte sich sehr um Menschen", sagt auch Michael Pretti über seinen Sohn. Die Ereignisse in Minneapolis im Zusammenhang mit der ICE-Behörde und das Schicksal jener Menschen, die von den Bundesbeamten verfolgt werden, haben ihn demnach sehr beschäftigt. Michael Pretti berichtete AP etwa von dem letzten Gespräch mit seinem Sohn. Es habe vor wenigen Tagen stattgefunden, Alex habe von Reparaturen an der Garagentür seines Hauses berichtet. Der Handwerker, so erinnert sich der Vater an das Gespräch, sei Latino gewesen. Alex hätte ihm angesichts der Ereignisse in Minneapolis 100 Dollar Trinkgeld gegeben.

Alex habe das, was ICE-Beamte in seiner Heimat und in den gesamten USA tun, für falsch gehalten. "Deshalb nahm er an den Protesten teil", sagt Michael Pretti weiter. Zudem war es nicht das erste Mal, dass sich Alex Pretti gegen Polizeigewalt engagierte und seinem Ärger Luft machte. In der Vergangenheit nahm er bereits an den Straßenprotesten teil, die 2020 nach der Tötung von George Floyd stattfanden, wie seine Ex-Frau AP erzählt. Dass Pretti während eines solchen Protestes verbal gegen Beamte vorgegangen sein könnte, sei zwar möglich, sagt sie. Allerdings habe sie noch nie erlebt, dass ihr Ex-Mann gewalttätig geworden wäre.

Der 37-Jährige hatte also Erfahrung mit Protesten und der Konfrontation mit Beamten. Er habe gewusst, wie er sich zu verhalten habe, sagen auch seine Eltern. "Wir haben vor etwa zwei Wochen mit ihm darüber gesprochen, dass er ruhig protestieren soll, sich aber nicht auf Auseinandersetzungen einlassen und nichts Dummes tun soll", sagt Michael Pretti. "Und er sagte, dass er das weiß. Er wusste das."

"Er hat ein großes Herz"

Trotzdem starb Alex Pretti am Vormittag des 24. Januar nach einer Auseinandersetzung mit ICE-Beamten. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie es zu einem Streit zwischen ihm, einer Frau und einer Gruppe von Beamten kommt. Nachdem ein ICE-Beamter Pfefferspray einsetzt, wird Pretti von mehreren Vermummten zu Boden gebracht.

Dann schießen zwei Beamte offensichtlich mit ihren Waffen, insgesamt werden "mindestens zehn Schüsse abgegeben", erklärt das Recherchenetzwerk Bellingcat. Die meisten Schüsse fielen demnach, "als der Mann bereits regungslos am Boden lag". Die Videoauswertung von Bellingcat legt den Verdacht nahe, dass der Getötete bereits vor den tödlichen Schüssen von einem ICE-Beamten während der Rangelei am Boden entwaffnet wurde. Auch die "New York Times" berichtet, ein Beamter habe die Schusswaffe des Opfers diesem bereits abgenommen, bevor zwei andere Beamte das Feuer auf Pretti eröffneten.

2026-01-24 18_34_42-Tödlicher Einsatz in MinneapolisWar 37-Jähriger schon entwaffnet, als ICE-Beamte schossen?

Die US-Regierung behauptet hingegen, Pretti sei bewaffnet gewesen, die tödlichen Schüsse daher Notwehr. So habe ein Beamter um sein Leben gefürchtet und Schüsse abgegeben. Familienangehörige von Pretti erklären in US-Medien, dass der 37-Jährige tatsächlich eine Handfeuerwaffe besaß. Auch hatte er die Erlaubnis zum verdeckten Tragen dieser Waffe. Dass Pretti sie tatsächlich bei sich trug, hätten sie allerdings nicht gewusst. Zudem sei es eine Lüge, dass er die Waffe hielt, als er von den Beamten erschossen wurde, teilen die Eltern in einer Stellungnahme mit.

Ähnliches berichten Nachbarn. Auch wenn Pretti gelegentlich mit einem Gewehr zum Schießstand gegangen sei, waren viele überrascht, dass er das Haus abseits von seinem Hobby mit einer Waffe verlässt. "Ich hätte ihn nie für jemanden gehalten, der eine Waffe bei sich trägt", sagt etwa Sue Gitar zu AP. Gitar wohnte mit Pretti in einem Mehrfamilienhaus, das rund drei Kilometer vom Ort entfernt liegt, an dem er erschossen wurde. Pretti wohnte alleine, hatte laut den Berichten manchmal Freunde zu Besuch. "Er ist ein wunderbarer Mensch", sagt Gitar über ihren getöteten Nachbarn. Alle hätten gewusst, dass sie zu ihm kommen konnten und er seine Hilfe angeboten hätte. "Er hat ein großes Herz."

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