“Viele Namen und Mitverschwörer”: Kongressbündnis droht mit Offenlegung in Epstein-Skandal
Politik
"Viele Namen und Mitverschwörer"Kongressbündnis droht mit Offenlegung in Epstein-Skandal
10.02.2026, 19:34 Uhr Artikel anhören(05:51 min)00:00 / 05:51
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Die Abgeordneten, die das US-Justizministerium zur Veröffentlichung der Epstein-Akten gezwungen haben, sind perplex: Für sie sind Namen von Beteiligten geschwärzt, die lesbar sein sollten. Am Mittwoch kommt es zum Showdown mit Ministerin Bondi.
Eine parteiübergreifende Allianz von Demokraten und Republikanern, die Druck auf das Weiße Haus ausübt? Klingt nach Nostalgie, doch die gibt es wirklich. Sie hat die Veröffentlichung der Epstein-Akten erzwungen und Präsident Donald Trump zur ersten Kehrtwende seiner zweiten Amtszeit gebracht. Doch jetzt zeigt sie sich perplex: Die Epstein-Akten sind unlesbarer, als sie es ihrer Meinung nach sein sollten. Zudem soll Trump dem Polizeichef von Palm Beach 2006 gesagt haben: "Gut, dass Sie ihn stoppen, jeder wusste, dass er das tat." Bislang hatte Trump behauptet, nichts von dessen Verbrechen mitbekommen zu haben.
Im November unterschrieb Trump das Gesetz zur Veröffentlichung der Akten, das der Kongress zuvor beschlossen hatte. Die ersten Dokumente stellte das Justizministerium kurz vor Weihnachten zur Verfügung. Ende Januar folgten Millionen weitere Dokumente. Doch der Demokrat Ro Khanna und der Republikaner Thomas Massie fordern mehr. Am Montag durften sie erstmals die ungeschwärzten Versionen der Dokumente um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein einsehen – und was sie dort sahen, ärgerte sie. Sie entdeckten sechs Namen, die ihrer Ansicht nach nicht hätten geschwärzt werden dürfen. Nun drohen sie, weitere prominente Kontakte Epsteins offenzulegen.
Ausschussmitglieder kennen die Namen
Sie könnten die geheim gehaltenen Informationen im Plenarsaal oder im Ausschuss äußern. Justizministerin Pam Bondi soll am Mittwoch vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses öffentlich aussagen. Viele Demokraten sind der Meinung, das Ressort verstoße mit den Schwärzungen gegen das Veröffentlichungsgesetz. "Was mich beunruhigt hat, waren die Namen von mindestens sechs Männern, die geschwärzt worden waren, und die wahrscheinlich durch ihre Erwähnung in diesen Akten belastet werden", sagte Massie: "Es hat einige Nachforschungen gebraucht, um sie herauszufinden." Auch er gehört dem Justizausschuss an.
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Massie und Khanna kennen also die Namen, haben sie bisher aber nicht genannt. Allerdings gaben sie Hinweise: Mindestens ein US-Amerikaner und ein Nicht-US-Amerikaner seien darunter, sowie "drei oder vier" andere, deren Staatsangehörigkeit sie nicht feststellen konnten. Einer sei "ziemlich hochrangig in einer ausländischen Regierung", so Massie, und Khanna meinte, "einer der anderen ist eine ziemlich bekannte Person".
Seit Juli vergangenen Jahres befindet sich die US-Regierung um Trump in einem politischen Sturm um die Ermittlungsakten zu Epstein, der auch die Republikaner und die eigene MAGA-Basis des Präsidenten erfasst hat. Etliche Verschwörungstheorien ranken sich um den Sexualstraftäter, der sich vor seinem Suizid über viele Jahre an Minderjährigen verging und ein weitverzweigtes Netzwerk prominenter Bekannter pflegte. Manche davon lud er zu sich nach Hause oder auf seine Privatinsel ein, wo häufig auch Frauen und Mädchen anwesend waren. Bei deren Anwerbung half seine Komplizin Ghislaine Maxwell zwischen 1994 und 2004, die deshalb derzeit eine Haftstrafe verbüßt.
"Wir wollten keine Vertuschung"
Khanna und Massie wollen ein Ende der Geheimniskrämerei erzwingen. Laut Gesetz darf das Justizministerium nur persönliche Daten von Opfern und Informationen zurückhalten, die laufende Ermittlungen gefährden könnten. Er wolle dem Ministerium die Gelegenheit geben, zuzugeben, dass es zu streng redigiert habe und die Namen freizugeben, so Massie. Denn es ist auch möglich, dass die Dokumente bereits geschwärzt vom FBI und anderen Behörden dem Ministerium zur gesammelten Veröffentlichung übermittelt wurden.
Folgt das Justizministerium den Regeln, müsste es dem Kongress bis zum 15. Februar ein Protokoll vorlegen, das im Detail erklärt, warum welche Stellen geschwärzt wurden. Die am Montag erstmals mögliche persönliche Einsicht ist für den Kongress auch wegen der Menge an Dokumenten beschränkt. Die Politiker können keine Telefone mitbringen, sie dürfen sich auch nicht von Mitarbeitern helfen lassen. Es stehen vier Computer zur Verfügung. Der Demokrat Jamie Raskin, ebenfalls Ausschussmitglied, schätzte am Montag, die komplette Durchsicht würde damit etwa siebeneinhalb Jahre dauern. Er habe "viele Beispiele" übermäßiger Schwärzungen gesehen, die keine Opfer beträfen, so Raskin: "Wir wollten keine Vertuschung."
Der Republikaner Massie sagte, er sei besonders enttäuscht, dass er nicht die unredigierten Versionen von Zeugenprotokollen des FBI einsehen könnte, die zu Epstein befragt wurden. Das Justizministerium habe die Identität mehrerer Personen aus einem Dokument von 2019 herausgestrichen, auf dem Epsteins mutmaßliche Mitverschwörer aufgeführt werden. Der stellvertretende Justizminister Todd Blanche sagte am Montagabend, sein Ressort "verstecke nichts". Das sieht der Ausschussangehörige und Demokrat Jared Moskowitz ganz anders: "Es gibt viele Namen, viele Mitverschwörer, und sie betreiben weltweit Mädchenhandel."

