US-Jets dürfen nicht landen: Meloni stößt Trump vor den Kopf
Politik
US-Jets dürfen nicht landenMeloni stößt Trump vor den Kopf
03.04.2026, 11:08 Uhr
Von Andrea Affaticati, MailandArtikel anhören(05:10 min)00:00 / 05:10
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Eigentlich haben Italiens Premierministerin Meloni und Trump ein gutes Verhältnis – aber nun verweigert Italien zwei US-Kampffliegern die Landung auf einem sizilianischen US-Stützpunkt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Rom widersetzt. Der jetzige Vorfall könnte Meloni helfen.
Für Trump ist die Nato nur mehr ein "Papiertiger" – und der US-Präsident droht mittlerweile offen damit, aus der Allianz auszutreten. Er ist wütend darüber, dass kein Nato-Land sich am US-Abenteuer im Iran beteiligen mag. Nicht einmal Italien.
Dabei meinte er bis vor kurzem noch, in Premierministerin Giorgia Meloni eine treue Verbündete zu haben, eine Gleichgesinnte, eine Freundin. Bei jeder Gelegenheit lobte er sie, was sie meist mit einem bescheidenen Lächeln quittierte. Mittlerweile kann er sich aber ihrer Unterstützung nicht mehr so sicher sein. Das zeigen mehrere Vorfälle.
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Als Trump vor ein paar Wochen die Nato-Länder aufforderte, ihn an der Straße von Hormus zu unterstützen, verpasste ihm auch Italien eine Absage. Nur im Fall eines Waffenstillstands wäre das möglich, ließ Verteidigungsminister Guido Crosetto wissen.
Und keine sieben Tage später kam schon die zweite Absage. Freitag vor einer Woche waren zwei US-Kampfflugzeuge B1 Lancer vollbeladen mit Kriegsmunition in Großbritannien mit Ziel Iran abgehoben. Gegen 20 Uhr wurde um Landeerlaubnis auf dem US-Stützpunkt von Sigonella auf Sizilien gebeten. So wäre es zumindest üblich gewesen. Doch tatsächlich wurde laut Medienberichten lediglich mitgeteilt, dass man in Kürze landen werde. Dieses Vorgehen wurde nicht nur als übergriffig und irritierend empfunden, es verstieß auch gegen die gemeinsamen Regeln.
Parlament muss zustimmen
Die Gründe für den Zwischenstopp auf Sigonella sind unklar. Möglicherweise sollte aufgetankt werden. Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto verweigerte die Erlaubnis mit der Begründung, diese sei zu kurzfristig beantragt worden, um das Parlament abstimmen zu lassen.
Dazu ist er berechtigt. Die Nutzung der US-Stützpunkte in Italien unterliegt einem Abkommen namens "Bilateral Infrastructure Agreement" (BIA), das 1995 mit dem Shell-Abkommen aktualisiert wurde.
Die Stützpunkte dienen vornehmlich logistischen Zwecken, als Ausgangspunkt für Friedensmissionen oder Verteidigungseinsätze. Im Fall von Kriegsoperationen muss das italienische Parlament entscheiden, ob sie genutzt werden dürfen. Auch wird auf die Verfassung verwiesen. In Artikel 11 steht: "Italien lehnt Krieg als Mittel des Angriffs auf die Freiheit anderer Völker und als Mittel zur Lösung internationaler Streitigkeiten ab."
US-Stützpunkte in Italien
Italien ist wegen seiner Lage im Mittelmeer und seiner Nähe zum Nahen Osten strategisch wichtig für Nato und USA. Davon zeugen gleich acht große US-Stützpunkte auf italienischem Boden sowie rund hundert kleine, wovon 20 als geheim eingestuft sind. Es handelt sich um Militärflughäfen, Häfen, Ausbildungscamps, Logistikzentren und hochentwickelte Radarstationen. Aviano im Friaul, Ghedi in der Lombardei und Sigonella sind wichtige Flughäfen. Was die Häfen betrifft, so spielt neben dem von Neapel auch Gaeta in Latium eine wichtige Rolle. In diesem ist das Kommando der VI. Flotte der US Navy stationiert. Auf Camp Darby in der Toskana befindet sich wiederum das größte amerikanische Waffendepot in Europa, während auf dem lombardischen Militärflughafen Nuklearsprengköpfe lagern. In den Häfen liegen 40 Kriegsschiffe vor Anker und auf den Militärflughäfen stehen 175 Maschinen bereit. 34.000 US-Soldaten sind in Italien stationiert.
Außerdem behält Italien, auch wenn es sich um US-Stützpunkte handelt, die Hoheit über das Areal. Folglich hat Italien bei der Nutzung des Geländes das letzte Wort.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Italien den US-Streitkräften widersetzt. Das geschah schon vor 41 Jahren und der Schauplatz war auch damals Sigonella.
Der Fall "Achille Lauro"
Im Oktober 1985 hatten vier palästinensische Terroristen der PLO das italienische Kreuzfahrtschiff "Achille Lauro" vor der Küste Ägyptens entführt und die Freilassung von 50 in Israel inhaftierten Palästinensern gefordert. Nach langen Verhandlungen vor allem zwischen Rom und dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat, wurde den Terroristen erlaubt, aus Ägypten auszufliegen. Erst später fand man heraus, dass die den 63-jährigen Amerikaner Leon Klinghoffer kaltblütig erschossen und mit seinem Rollstuhl ins Meer geworfen hatten.
Die Amerikaner waren damit nicht einverstanden – sie wollten die Terroristen festnehmen und vor Gericht bringen. Die Maschine mit den Terroristen wurde abgefangen und zur Landung auf Sigonella gezwungen. Ronald Reagan, damaliger US-Präsident, forderte die Auslieferung der Terroristen und die Marines umzingelten das Flugzeug.
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Das ging Premierminister Bettino Craxi dann zu weit. Den italienischen Sicherheitskräften wurde befohlen, die Festnahme der Palästinenser zu verwehren. Es folgten lange und zähe Verhandlungen. Am Ende zogen sich die Marines zurück und die Palästinenser wurden von Italien in Gewahrsam genommen. Später wurden sie zu Haftstrafen zwischen 15 und 30 Jahren verurteilt.
Anders als der Fall "Achille Lauro", der zu einer diplomatischen Verstimmung geführt hatte, dürfte der jetzige Fall schnell wieder ad Acta gelegt sein. Und für Meloni selber, ist der Vorfall gar nicht negativ. Im Gegenteil. Nicht einmal die Opposition kritisierte ihre Entscheidung.

