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Ukraine: Teile von Kiew nach Angriff ohne Strom – Selenskyj bildet eigene Drohnentruppe

February 07
12:58 2024

Bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine sind laut ukrainischen Angaben mindestens drei Menschen getötet worden. Russland hat am frühen Mittwochmorgen einen Angriff mit Marschflugkörpern auf die Ukraine gestartet und Geschosse in Richtung Kiew und andere Regionen abgefeuert, erklärte die ukrainische Luftwaffe. Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den »Terrorangriff« Russlands gegen sechs Regionen des Landes und kündigte Vergeltung an.

In Kiew seien am Morgen zur Hauptverkehrszeit mehrere Explosionen zu hören gewesen, weil die Flugabwehr im Einsatz sei, teilt die ukrainische Luftwaffe mit. Im ganzen Land wurde Luftalarm ausgerufen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, mindestens 16 Menschen seien bei dem Angriff verletzt worden. Zudem seien zwei Hochspannungsleitungen durch Raketenteile in der Hauptstadt beschädigt worden. In einigen Haushalten sei der Strom ausgefallen, erklärte ein Energieunternehmen. Darüber hinaus fing ein Hochhaus im Bezirk Holossijiw Feuer.

Der Bürgermeister von Mykolajiw im Süden des Landes, Oleksandr Senkewitsch, sagte, ein Mann sei an seinen schweren Verletzungen gestorben, nachdem bei dem Angriff Dächer von 20 Häusern abgetragen sowie Gas- und Wasserleitungen beschädigt worden seien. Auch in Charkiw, in der Region Lemberg und in der Region Tscherkassy kam es zu Explosionen.

Russland überzieht in seinem seit fast zwei Jahren andauernden Angriffskrieg die Ukraine immer wieder mit Drohnen- und Raketenangriffen. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher militärischer Hilfe gegen diese Angriffe. Vor allem auch Deutschland hatte besonders zur Stärkung der Flugabwehr in dem Land beigetragen. Die Ukraine hat noch deutlich mehr westliche Hilfe für die Luftverteidigung gefordert, um die Städte noch besser schützen zu können.

Selenskyj bildet eigene Drohnen-Truppe

Die Ukraine geht in der Kriegsführung neue Wege und hat nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj eine eigenständige Truppengattung namens »unbemannte Systeme« ins Leben gerufen. Er habe bereits den entsprechenden Erlass geschrieben, berichtete Selenskyj am Dienstag in seiner allabendlichen Videoansprache. Die neuen Drohnen-Streitkräfte seien »keine Frage der Zukunft, sondern vielmehr etwas, das in naher Zukunft zu einem sehr konkreten Ergebnis führen sollte«. Drohnen hätten sich bei Kämpfen am Boden, in der Luft und zur See als wirksam erwiesen.

»Dank der Drohnen hat die Ukraine die Sicherheitslage im Schwarzen Meer wirklich verändert«, sagte Selenskyj. Durch den Einsatz der sogenannten Seedrohnen – unbemannte Boote mit großer Sprenglast – ist die russische Schwarzmeerflotte sowohl von der südukrainischen Küste als auch aus der Umgebung der Halbinsel Krim verdrängt worden. Auch in den Kämpfen entlang der Fronten wurden vielfach Drohnen eingesetzt, um dem russischen Militär schwere Verluste zuzufügen.

Sowohl Russland als auch die Ukraine haben im historischen Kriegsverlauf Drohnen eingesetzt. Das Militär setzt dabei im Landkrieg auf kleine Drohnen sowohl zur Aufklärung als auch für Angriffe auf Punktziele. Diese unbemannten Fluggeräte sind preiswert herzustellen. Künftig sollen auch größere Drohnen im Land in Serie hergestellt werden. Russland dagegen hat zunächst sogenannte Kamikaze-Drohnen aus iranischer Produktion für Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine genutzt und ist inzwischen auch auf kleinere Fluggeräte zum Einsatz an den Fronten umgestiegen.

Laut Kiew verliert Russland ein Drittel der Schwarzmeerflotte

Die russische Schwarzmeerflotte hat laut Einschätzung Kiews knapp ein Drittel ihrer Kampfschiffe eingebüßt. »Nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte haben unsere Militärs bisher 24 russische Schiffe und ein U-Boot aus dem Verkehr gezogen«, teilte das Oberkommando am Dienstag auf Telegram mit. Zu Kriegsbeginn vor zwei Jahren habe die russische Schwarzmeerflotte über 74 Kampfschiffe verfügt. Einschätzungen des britischen Verteidigungsministeriums zufolge muss Moskau inzwischen seine Marine-Präsenz rund um die Halbinsel Krim überdenken.

Ukraine steigert Exporte auf dem Seeweg

Die Ukraine hat nach der Zurückdrängung der russischen Flotte innerhalb von sechs Monaten fast 20 Millionen Tonnen Fracht über das Schwarze Meer ausgeführt. »70 Prozent dieser Fracht sind Agrarprodukte unserer Landwirte«, schrieb Regierungschef Denys Schmyhal am Dienstag bei Telegram. Insgesamt seien in diesem halben Jahr über 660 Frachter mit Zielen in 32 Ländern ausgelaufen. Im Januar sei dabei sogar das monatliche Vorkriegsniveau bei den Exportmengen auf dem Seeweg erreicht worden. Von den Exporten im Wert von umgerechnet gut 2,8 Milliarden Euro im Januar seien gut 60 Prozent über das Meer realisiert worden.

Schwere Kämpfe im Osten

Zuletzt schlugen die ukrainischen Truppen laut eigener Darstellung entlang der Fronten im Osten des Landes erneut zahlreiche russische Angriffe zurück. Die Schwerpunkte der russischen Angriffe lagen laut Angaben des Generalstabs in Kiew bei Kupjansk, Bachmut und Awdijiwka. Auch südlich von Bachmut im Mittelabschnitt der Frontlinien wurden mehrere Vorstoßversuche des russischen Militärs gemeldet. In der täglich aktualisierten Liste Kiews zu Verlusten des russischen Militärs wurde die Zahl der außer Gefecht gesetzten russischen Soldaten am Dienstag mit 390 580 beziffert. Die Angaben können nicht unabhängig geprüft werden. Eigene Verluste nennt die Ukraine nicht.

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