Ukraine-Krieg: Was von den russischen Invasoren zurückbleibt
»Für den Sieg« steht auf Teebeuteln, die die russischen Besatzer zurückgelassen haben. Und sie sind längst nicht das einzige, was von den Invasoren in den von ukrainischen Soldaten zurückeroberten Gebieten im Süden der Ukraine zurückgeblieben ist. Das berichtet die »New York Times«.
Seit einem Monat läuft die Offensive der Ukraine in Verteidigungskampf gegen Russland. Jeder kleine Fortschritt, den die ukrainischen Soldaten im Süden ihres Landes machen, bringt sie in Gebiete, die zuvor vom Feind gehalten wurden – und nun verlassen sind.
Die Hinweise auf die russischen Truppen aber sind überall zu sehen. Und das sei nicht wirklich angenehm, sagte der Gefreite Maksim der Zeitung: »Es ist unser Land, aber es ist nicht sehr angenehm, hier zu sein. Es fühlt sich nicht wie zu Hause an.«
Stetes Hin und Her
So profitieren die ukrainischen Soldaten zwar von russischen Bunkern und den kilometerlangen tiefen Schützengräben, die die Russen ausgegraben, nun aber verlassen haben – um zurückgezogen auf ihre Chance zu lauern. Denn die Ukraine ist längst nicht nur auf dem Vormarsch. Es ist vielmehr ein stetes Hin und Her. »Wir drängten sie zurück, sie drängten uns zurück, wir drängten sie, sie drängten uns, und so weiter«, sagte Maksim dazu.
Gleichzeitig heißt das: Sie leben und kämpfen nun in Ortschaften, Befestigungen und Gräben, in denen die russischen Soldaten lange gelebt und gekämpft haben. Inmitten unschöner Beweise davon. Ein Tee aus Militärbestand, dessen Beutel mit »Für den Sieg« beschriftet ist. Schutzwesten, Bettzeug und dreckige Socken.
Die »New York Times« berichtet aus dem zerstörten Dorf Novodanylivka südlich der Stadt Orichiw in der Region Saporischschja im Süden der Ukraine, das auch einen Monat nach der Rückeroberung noch immer übersät ist von den Hinterlassenschaften der Besatzer. Unter ständigem Artilleriebeschuss bleibt weder Zeit noch Sicherheit für Aufräumarbeiten, heißt es in dem Artikel. Oder für die Bergung jener gefallener Kameraden, die bereits in den ersten Monaten des Krieges bei der Verteidigung des Dorfes gefallen seien.
Sieben Leichen hätten seit April 2022 in der Nähe von Novodanylivka gelegen, sagte Volodymyr der Zeitung. Man habe das Dorf während der Besatzung manchmal mit Drohnen überflogen, um zu sehen, ob die Leichen noch dort seien. Nun hätten sie endlich die Gelegenheit, ihre Kameraden zu bergen. »Sie waren nur noch Skelette«, sagte Volodymyr. DNA müsse helfen, sie zu identifizieren. Und die russischen Toten? Man habe diejenigen geborgen, bei denen keine Gefahr für das eigene Leben bestand. Andere habe man mit Erde bedeckt, doch der Gestank sei damit kaum zu tilgen, heißt es weiter in dem Bericht.
Der Gefreite Maksim hat eine kleine Sammlung von kuriosen Dingen bei sich, die er auf dem Vormarsch gefunden hat. Preiselbeersirup zum Beispiel. Oder an einem Schlüsselring befestigte Patronenhülsen, die mit Glitzer überzogen sind. Ein Talisman, vermutet Maksim. Mit Blick auf den Tee »Für den Sieg« sagte er: »Der Besatzer hatte keine Zeit, ihn zu trinken.«

