Ukraine-Krieg: Selenskyj hat sich früheren Beginn der Offensive gewünscht
Warum die Gegenoffensive stockt? Weil sein Land in einigen Abschnitten der Front einfach nicht die Waffen gehabt hätte, schneller vorzustoßen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Interview mit dem US-Sender CNN, das am Wochenende in Odessa geführt und am Mittwochabend ausgestrahlt wurde.
Er hätte sich einen »sehr viel früheren« Beginn der Gegenoffensive zur Befreiung der russisch besetzten Gebiete in seinem Land gewünscht – und das habe er den USA und den europäischen Partnern auch gesagt: »Dass wir unsere Gegenoffensive gerne früher starten wollen und dass wir all die Waffen und das Material dafür brauchen. Warum? Ganz einfach, weil es langsamer gehen wird, wenn wir später beginnen«, sagte Selenskyj. Den so hätten die Russen mehr Zeit gehabt, sich einzugraben und ihre Stellungen auszubauen.
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Das CNN-Interview können Sie hier nachlesen: Zelensky says he wanted counteroffensive to start 'much earlier’ to pre-empt Russian defenses und hier ansehen: Zelensky calls Putin 'weak’ and says Russian President’s power is 'crumbling’
Selenskyj betonte die Bedeutung von Raketen größerer Reichweite vom Typ ATACMS, um die die Ukraine die USA bittet und mit denen sie russische Ziele weit hinter der Frontlinie angreifen könnte. Die Raketen würden der Ukraine helfen, schneller voranzukommen, sagte Selenskyj. Er wies auch auf Engpässe bei der Ausrüstung seiner Truppen mit Artillerie hin. »In einigen Richtungen können wir nicht einmal daran denken, damit (mit der Gegenoffensive) zu beginnen, weil wir nicht über die entsprechenden Waffen verfügen«, sagte Selenskyj.
Der Präsident verdeutlichte einmal mehr, was eine Rückeroberung der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim für die Ukraine bedeuten würde. »Wir können uns die Ukraine nicht ohne die Krim vorstellen«, sagte Selenskyj. »Und solange die Krim unter russischer Besatzung ist, bedeutet es nur eins: Der Krieg ist noch nicht vorbei.«
Selenskyj: Will nicht ständig an das eigene Risiko im Krieg denken
CNN-Reporterin Erin Burnett bringt in dem Interview über den Krieg auch Fragen nach dem persönlichen Befinden von Selenskyj unter: Wie geht er mit der täglichen Gefahr für sein eigenes Leben um? Seine Antwort: indem er nicht daran denkt. »Man kann sich in einen Käfig sperren wie ein Tier und sich anketten und ständig daran denken, dass man gleich getötet wird«, sagte Selenskyj.
Dächte er ständig daran, würde er sich abschotten – so wie der russische Präsident Wladimir Putin, der seinen »Bunker« nicht verlasse. »Wenn ich mich selbst isoliere, werde ich nicht mehr verstehen, was um mich herum im Land vor sich geht«, sagte Selenskyj. »Ich würde die Verbindung zur Gesellschaft verlieren. Und wenn ich diese Verbindung verlöre, würde ich die Gesellschaft verlieren.«
Burnett fragt nach: Wie geht er mit dem Druck um, wo tankt er Kraft, Zuversicht? In den raren Momenten sagt Selenskyj, wenn er allein ist. »Allein kann ich Musik hören oder ein Buch lesen. Am besten früh, ganz früh, wenn es noch still ist, noch keine Menschen um mich sind. Dann kann ich lesen. Denken. Denken. Und was wirklich hilft, ist die Musik.«
Die Reporterin will es genauer wissen: welche Musik? »Ich mag AC/DC«, sagt Selenskyj. Morgens eine Runde Fitnesstraining zum Takt von AC/DC, das gebe ihm »Energie für den ganzen Tag«.

