Türkei – Regierungskrise: Es wird einsam um Recep Tayyip Erdoğan
Icon: vergrößernPräsident Erdoğan: Tiefgreifende Systemkrise
Foto: MURAD SEZER / REUTERS
Berat Albayrak war es gewohnt, dass sein Wort Gehör findet. Das türkische Fernsehen sendete, was immer der türkische Finanzminister gerade zu sagen hatte. Ein Anruf von ihm genügte, und Zeitungen räumten ihre Titelseiten frei. Vermutlich schadete es nicht, dass er der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist.
Als Albayrak jedoch am 8. November seine bislang wichtigste Botschaft loswerden wollte, fand sich kein Medium, das sie aufgriff. Der Minister, so berichten Vertraute, wendete sich zunächst an die Zeitungen und Sender, die von seinem Bruder Serhat kontrolliert werden, darunter die Zeitung »Sabah«. Vergeblich. Auch vom Staatssender TRT und der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı kamen Absagen.
In seiner Not griff Albayrak auf ein Medium zurück, das seine Regierung wenige Wochen zuvor noch mit einer Millionenstrafe belegt hat: Instagram. In schlampigem, fehlerhaftem Türkisch erklärte Albayrak seinen Rücktritt vom Amt des Finanzministers. Er wolle sich stärker um seine Familie kümmern, schrieb er, seine Eltern, seine Frau, die vier Kinder; seinen Schwiegervater, Erdoğan, dem er seine politische Karriere zu verdanken hat, erwähnte Albayrak nur am Rande.

