Trump-Anhänger im Kapitol: »Die Demonstranten wollen sich als revolutionärer Mob inszenieren«
Icon: vergrößernTrump-Anhänger im Kapitol: »Rechtsradikaler, hoch bewaffneter Rand der US-Gesellschaft«
Foto: JIM URQUHART / REUTERS
SPIEGEL: Herr Professor Gassert, welche Emotionen haben die Fernsehbilder vom Sturm auf das Kapitol bei Ihnen ausgelöst?
Gassert: Alles zwischen Schock, Enttäuschung und Empörung. Ich habe eine enge Beziehung zu den USA und in den Neunzigerjahren in Washington gelebt. Oft bin ich auf der Kapitol-Terrasse spazieren gegangen, als man das noch durfte. Der Platz zwischen Lincoln Memorial, Kapitol und dem Weißen Haus ist ein zentraler Ort der Demokratie, geheiligt durch Martin Luther King und viele andere. Wenn dort eine Protestkundgebung zu einer Mobaktivität ausartet, ist das bestürzend.
SPIEGEL: Es kam für Sie also überraschend?
Gassert: Das hätte ich so nicht erwartet. Es gibt eine lange Geschichte von politischer Gewalt in den USA. Aber es ist eben ein Unterschied, ob politische Gewalt in den Straßen ausgeübt wird. Oder ob der Präsident selbst, der oberste Repräsentant des Staates und Hüter der Verfassung, zur Gewalt anstachelt. Das hat es in dieser Weise im 20. Jahrhundert einfach nicht gegeben und ist das historisch Einzigartige an dem traurigen Ereignis.

