Triage: Welcher Corona-Patient soll noch beatmet werden?
Icon: vergrößernSanitäter bei Triage-Zelt vor Krankenhaus in Lissabon
Foto: Patricia De Melo Moreira / AFP
In seiner chronischen Unaufgeregtheit hat der Virologe Christian Drosten dieser Tage ein Drama skizziert. Bei einer Veranstaltung im niedersächsischen Meppen erklärte er, was passiert, sollte sich das Virus in der bisherigen Geschwindigkeit weiter ausbreiten. Wenn alle Intensivplätze im Land belegt seien, was bald der Fall sein könne, "dann müssen wir in eine Triage-Situation gehen".
Triage ist ein Wort aus dem Französischen. Es bedeutet: Sortieren. Auswählen. Was solche Situationen für Ärzte bedeuten, erklärte Drosten sehr konkret: "Wir haben dann auf der Intensivstation einen Patienten mit Covid-19, der ist alt, und der liegt da seit einer Woche, und der hat eine Überlebenschance von etwa 30 bis 50 Prozent. Vielleicht auch 60." Dann, so Drosten weiter, komme ein Patient, der 35 Jahre alt sei und drei kleine Kinder habe, mit der gleichen Krankheit, mit schwerem Verlauf. "Und wenn Sie den nicht jetzt an ein Beatmungsgerät anschließen, dann ist der übermorgen tot – und das wissen Sie als Intensivmediziner. Was machen Sie?" Kurze Pause, dann die Antwort: "Sie müssen einen der älteren Patienten abmachen. Das ist es, was Triage bedeutet."

