Schon wieder Umverteilungsideen: Die SPD will nicht wahrhaben, warum sie niemand mehr will
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Schon wieder UmverteilungsideenDie SPD will nicht wahrhaben, warum sie niemand mehr will
24.03.2026, 19:47 Uhr
Ein Kommentar von Sebastian HuldArtikel anhören(04:52 min)00:00 / 04:52
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Die einstige Arbeiterpartei reagiert ratlos bis gekränkt auf die Tatsache, dass ihre Antworten auf die Krisen der Zeit nicht verfangen bei Arbeitern und Angestellten. Dabei will ihr Klientel nichts anderes als früher schon: auch in Zukunft gut von der eigenen Arbeit leben können.
Schwer zu sagen, welche SPD-Vertreter gerade das erschreckendere Bild ihrer Partei abgeben. Diejenigen, die Personaldebatten befeuern und jetzt erst recht nach mehr Umverteilung von oben nach unten rufen? Oder diejenigen, denen in ihrer Ratlosigkeit wenig mehr einfällt, als eine schlechte Kommunikation der SPD-Erfolge als Ursache rapide sinkenden Zuspruchs auszumachen? Beide Lager wollen nicht wahrhaben, was das eigentliche Problem ihrer Partei ist: Praktisch niemand traut der SPD noch zu, das Land aus seiner strukturellen Krise herauszuführen.
Nur 4 Prozent der Befragten im RTL/ntv-Trendbarometer nennen die SPD als die Partei, der sie am ehesten zutrauen, die Probleme im Land zu lösen. Das ist ein dramatischer Absturz auf annähernd das Niveau der FDP, bevor diese endgültig den parlamentarischen Löffel abgegeben hat. Dieses Schicksal droht auch den in ihrer Mitgliederstruktur brutal überalterten Sozialdemokraten. Sechs Bundesländer kommen bereits ohne einen direkt gewählten SPD-Bundestagsabgeordneten aus. Die SPD ist, so die Wahrnehmung der meisten Menschen im Land, nicht auf der Höhe der Zeit.
RTL/ntv-TrendbarometerSPD findet aus dem Keller nicht heraus
Der Staat hat nicht überzeugt
Deutschland und Europa durchlaufen einen globalen Umbruch von seit dem Zweiten Weltkrieg nicht dagewesener Intensität. Das Recht des Stärkeren hat die internationale Staatenordnung weitgehend abgelöst. Die bisherige Architektur des Welthandels folgt diesem Trend, was kein anderes Land so stark trifft wie die auf Export von Industrieprodukten ausgerichtete Bundesrepublik. Zugleich materialisieren sich die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt immer stärker in steigenden Lebenskosten, was ein oft übersehener, weil abstrakter Zusammenhang ist.
Die Vielfalt dieser Krisen verlangt überzeugendere Antworten als die gefühlt ewig gleichen Vorschläge für eine gerechtere Umverteilung zwischen Arm und Reich. Der Staat als großer Umverteiler ist – ausweislich der Wahlergebnisse der SPD bei den Arbeitern und Angestellten – schlichtweg nicht gefragt. Ein immer größeres Staatsbudget durch Steuern, Abgaben und nun auch Rekordschulden hat nach Erfahrung vieler Menschen nicht zu einem besseren Leben geführt. Die Rekordhaushalte übersetzen sich nicht in ein anständiges Betreuungs- und Bildungsangebot, nicht in einen für alle erschwinglicheren Wohnungsmarkt, nicht in eine wettbewerbsfähigere Wirtschaft.
Komplett ratlos"Arbeiterpartei" wird die SPD für lange Zeit nicht mehr
Beim wichtigsten Thema schwach aufgestellt
Die von der SPD umworbene Klientel zeigt sich hier klüger und stolzer als die SPD selbst: Die Menschen wollen sich nicht darauf verlassen müssen, dass der als behäbig und teuer wahrgenommene Staat ihnen in der Not helfen wird. Sie wollen gar nicht erst in Not geraten, indem sie von ihrer Hände Arbeit leben können. Hierfür brauchen sie ordentlich bezahlte, möglichst sichere Jobs und dafür wiederum braucht es eine gedeihende Wirtschaft.
Die Antworten der Union mögen ungenügend sein, die rückwärtsgewandten Versprechen der AfD an der Realität vorbeigehen. Beide Parteien aber adressieren konsequent den verbreiteten Eindruck, dass es mit dem bisherigen Erfolgsmodell des deutschen Wirtschaftens immer weiter bergab geht. Ausgerechnet die SPD, die zuletzt mit Gerhard Schröder als 'Genosse der Bosse' prägende politische Kraft in Deutschland war, vernachlässigt dieses Schlüsselthema seit Jahren.
SPD – das P steht für PflegefallBas und Klingbeil bekommen Chance auf letzten Anlauf
Die SPD hat seit Jahren kein prominentes Gesicht, das Wirtschaftskompetenz verkörpert. Sie hat keine Erzählung, wie sie das so viel Wohlstand produzierende Wirtschaftsmodell der Bundesrepublik in die kommenden Jahrzehnte überführen will, in eine Welt gänzlich veränderter Vorzeichen. Diese Leerstelle zu füllen, ist schwieriger und langwieriger als den nächsten Vorschlag zur Belastung großer Vermögen in den Medien zu platzieren. Angesichts des anhaltenden Misserfolgs der bisherigen Strategie beim Publikum wäre es dennoch einen Versuch wert.

