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Russland: Wagner-Söldner drohen – Moskau erhöht Sicherheitsvorkehrungen

June 24
06:15 2023

Der Konflikt zwischen dem russischen Militär und der Privatarmee Wagner eskaliert. Russlands Militär soll die Wagner-Truppe attackiert haben. Die droht nun mit Gegenmaßnahmen und soll auf russischem Territorium vorrücken. Die Ereignisse im Überblick.

Die Eskalation

Söldnerchef Jewgenij Prigoschin hat am Freitagabend Russlands Militärführung beschuldigt, ein Lager seiner Söldnertruppen angegriffen und dabei viele seiner Männer getötet zu haben. Prigoschin behauptet, Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Wagner-Lager im Hinterland mit Artillerie, Hubschraubern und Raketen angreifen lassen. Er sprach von einer »großen Anzahl« an Toten, nannte aber keine genaue Zahl der angeblich bei dem Schlag getöteten Söldner.

Das Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe umgehend zurück. Alle Anschuldigungen seien falsch und eine »Provokation«, heißt es in einer am Abend verbreiteten Erklärung des Ministeriums. Die Angaben beider Seiten lassen sich derzeit nicht unabhängig prüfen.

Ermittlungen gegen Prigoschin

Wagner-Chef Prigoschin drohte Moskaus Militärs mit Gegenmaßnahmen seiner 25.000 Männer, die er unter Befehl habe: »Wer versucht, uns Widerstand zu leisten, den werden wir als Bedrohung betrachten und sofort töten«.

Nun ermittelt der russische Geheimdienst FSB gegen Prigoschin wegen der Organisation eines bewaffneten Aufstands. Das berichten staatliche russischen Nachrichtenagenturen unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft. »Seine Handlungen werden einer angemessenen rechtlichen Bewertung unterzogen. Dieses Verbrechen wird mit einer Freiheitsstrafe von 12 bis 20 Jahren geahndet«, heißt es auf der russischen Nachrichtenplattform RBC.

Der FSB rief die Wagner-Truppen auf, die »kriminellen« und »verräterischen« Befehle Prigoschins nicht zu erfüllen und Schritte für seine Festnahme zu ergreifen.

Wie geht Wagner jetzt vor?

Kämpfer der Söldnertruppe sind nach Angaben ihres Anführers Prigoschin in russisches Territorium einmarschiert. Seine Männer hätten die Grenze von der Ukraine nach Russland überquert. Der Wagner-Boss behauptete, seine Kämpfer seien in die südrussische Stadt Rostow am Don eingerückt. Russland hat sich bislang nicht dazu geäußert.

Medien berichten, dass in der Millionenstadt in der Nähe zur ukrainischen Grenze ruhig sei. Die Sicherheitsvorkehrungen seien aber erhöht worden. Panzerfahrzeuge seien aufgefahren. Videos zeigen schwere Lastwagen, die die Zufahrtsstraßen zur Stadt blockierten, lange Konvois von Lastwagen der Nationalgarde waren auf einer Straße außerhalb von Rostow am Don zu sehen. Gepanzerte Fahrzeuge fuhren durch die Straßen.

Beim Vormarsch der Wagner-Kämpfer habe es keinen Widerstand gegeben. »Aber wir werden jeden vernichten, der sich uns in den Weg stellt«, sagte Prigoschin zum Machtkampf mit dem russischen Militär: »Wir gehen vorwärts und werden bis zum Ende gehen«. Er behauptete, Wagner-Söldner hätten auf ihrem Vormarsch einen russischen Hubschrauber abgeschossen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Der Gouverneur der Region Rostow, Wassili Golubew, forderte die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. »Die aktuelle Situation erfordert die maximale Konzentration aller Kräfte, um die Ordnung aufrechtzuerhalten«, schreibt Golubew bei Telegram : »Die Strafverfolgungsbehörden tun alles Notwendige, um die Sicherheit der Bewohner der Region zu gewährleisten. Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren und das Haus nicht unnötig zu verlassen.« Golubew äußerte sich nicht dazu, wo sich die Wagner-Söldner derzeit aufhalten.

Wie reagiert Putin?

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Präsident Wladimir Putin sei über die Ermittlungen gegen Prigoschin informiert worden. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, Putin werde rund um die Uhr über Maßnahmen gegen einen versuchten bewaffneten Aufstand unterrichtet.

Im Stadtzentrum von Moskau sind derweil gepanzerte Fahrzeuge aufgetaucht. »In Moskau wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht, alle wichtigen Objekte, wie Organe der Staatsmacht und Objekte der Verkehrsinfrastruktur, wurden unter verstärkte Bewachung genommen«, berichtet Tass unter Berufung auf die Sicherheitsbehörden. Zuvor waren Videos im Netz aufgetaucht, auf denen ein Schützenpanzer und ein gepanzerter Militärlaster vor dem russischen Parlament, der Staatsduma, entlang fahren. Moskaus Bürgermeister sprach von Anti-Terror-Maßnahmen.

Die Reaktionen

Der russische Armeegeneral Sergej Surowikin, der Vizechef des russischen Generalstabs ist, rief Prigoschin in einer Videobotschaft dazu auf, den Machtkampf zu beenden. »Der Gegner wartet nur darauf, bis sich bei uns die innenpolitische Lage zuspitzt«, sagte Surowikin. Er galt bislang eigentlich als Verbündeter Prigoschins.

Das russische Staatsfernsehen strahlte in der Nacht zum Samstag eine Sondernachrichtensendung aus, in der darüber informiert wurde, dass Prigoschin in Ungnade gefallen sei und festgenommen werden solle. Die Rede in der Sendung war von einer »Provokation« Prigoschins zum Nutzen der Ukraine. Die Medien in der Ukraine berichten breit über den Machtkampf in Moskau.

Die US-Regierung behält nach eigener Aussage die Situation in Russland im Blick. »Wir beobachten die Situation und werden uns mit Verbündeten und Partnern über diese Entwicklungen beraten«, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Adam Hodge. Präsident Joe Biden sei über die Lage unterrichtet worden.

Wie kam der Konflikt zustande?

Der Wagner-Chef, der eigentlich als unantastbar gilt und ein Vertrauter von Putin ist, hatte die russische Militärführung zuletzt immer wieder wegen der Niederlagen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisiert. Er spricht sich seit Langem auch für eine neue Militärführung aus.

Schon während des Kampfes um Bachmut klagte Prigoschin über Sabotage vonseiten der regulären Truppen. Seine Einheiten würden nicht ausreichend mit Munition versorgt, lautete der Vorwurf. Zuletzt hatte Prigoschin bereits täglich die Militärführung kritisiert.

Am Freitag, wenige Stunden vor dem angeblichen Angriff auf die Wagner-Lager im Hinterland, hatte er die offiziellen Begründungen des Kreml für den Krieg in der Ukraine verworfen. Entgegen der russischen Propaganda-Behauptung sei vor Kriegsbeginn im Februar 2022 Russland überhaupt nicht durch die Ukraine gefährdet gewesen, sagte er in einem Video. Die angeblich »wahnsinnige Aggression« vonseiten Kiews und der Nato habe es so nie gegeben. Außerdem hätten sich russische und prorussische Oligarchen Vorteile von dem Krieg erhofft, sagte Prigoschin.

Was geschieht in der Ukraine?

In der Ukraine ist in der Nacht zum Samstag im ganzen Land Luftalarm ausgelöst worden. Aus mehreren Städten gab es in der Folge Berichte über Explosionen. Im ostukrainischen Charkiw habe es mindestens drei Einschläge gegeben, unter anderem in eine Gasleitung, woraufhin ein Feuer ausgebrochen sei, schreibt Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram . Aus der Hauptstadt Kiew heißt es, Raketenteile seien auf einen Parkplatz in einem zentralen Bezirk gestürzt. Die 16. Etage eines Wohngebäudes neben dem Parkplatz habe zudem Feuer gefangen, schreibt Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram . Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden.

Korrespondenten vom nationalen Rundfunk, Suspilne Media , berichteten zudem, dass Explosionen auch in den Städten Dnipro und Krementschuk zu hören gewesen seien.

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