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Russland-Ukraine-News, das geschah in der Nacht: Erster Luftangriff auf Kiew seit zwölf Tagen

July 02
12:11 2023

Die ukrainische Luftabwehr hat in der Nacht nach eigenen Angaben den ersten russischen Drohnenangriff auf die Hauptstadt Kiew seit zwölf Tagen abgewehrt. Die Luftabwehr habe vorläufigen Erkenntnissen zufolge alle Ziele getroffen. »Ein weiterer Angriff auf Kiew«, schrieb der Militärverwaltungschef von Kiew, Serhij Popko, auf Telegram . »Zurzeit gibt es keine Informationen über mögliche Opfer oder Schäden.« Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Zeugen Explosionen hörten, die dem Geräusch von Flugabwehrsystemen ähnelten, die Ziele treffen. Für Kiew, seine Umgebung und eine Reihe von Regionen in der Zentral- und Ostukraine waren in der Nacht für etwa eine Stunde Luftangriffswarnungen ausgegeben worden. Am Morgen kam es zu erneuten Warnungen in Kiew sowie der Ostukraine.

Von Russland lag zunächst keine Stellungnahme vor. Zuletzt hatte das Land in der Nacht zum 20. Juni mehrere Städte in der Ukraine, darunter Kiew und das etwa 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernte Lwiw, aus der Luft angegriffen. Die ukrainische Luftabwehr hatte damals ersten Angaben zufolge 28 von 30 Drohnen abgeschossen.

Das sagt Kiew

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zuversichtlich zur europäischen Zukunft seines Landes geäußert. Es sei schon immer unmöglich gewesen, sich ein »gemeinsames Haus Europa« ohne die Ukraine vorzustellen, sagte er am Samstagabend in seiner täglichen Videoansprache. Doch nun habe Kiew erreicht, dass auch auf politischer Ebene Europa-Angelegenheiten nicht mehr ohne die Ukraine gedacht würden. Der Besuch von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez am ersten Tag der spanischen EU-Ratspräsidentschaft sei diesbezüglich eine wichtige Geste gewesen, fügte er hinzu.

Er bedankte sich bei Madrid für die politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe sowie die Aufnahme von Flüchtlingen. Er sei aber zuversichtlich, dass diese bald in die Heimat zurückkehren könnten, wenn es dort wieder sicher sei. Teil dieser Sicherheit sei der von Kiew angestrebte Nato-Beitritt der Ukraine. Er danke Spanien für seine Unterstützung der ukrainischen Nato-Ambitionen.

Der ukrainische Staatschef hielt seine Ansprache im Nordwesten des Landes am Atomkraftwerk Riwne. Dort habe er eine Lagebesprechung mit militärischen und politischen Entscheidungsträgern unter anderem zur Sicherheit von Atomkraftwerken gehabt, sagte Selenskyj. Kiew hat Moskau in den vergangenen Wochen mehrfach vorgeworfen, einen atomaren Zwischenfall im von Russen besetzten Kernkraftwerk Saporischschja provozieren zu wollen . Russland weist diese Anschuldigungen zurück.

Selenskyj beklagt Verzögerungen beim Pilotentraining an US-Kampfjets

Während des Besuchs von Sánchez beklagte Selenskyj Verzögerungen bei der Ausbildung ukrainischer Piloten an Kampfflugzeugen aus US-Produktion. »Ich denke, dass einige unserer Partner hier verschleppen«, sagte er am Samstag in Kiew. Immer noch gebe es keine festen Termine für den Beginn und keine Zeitpläne für das Pilotentraining. Im Mai hatten mehrere europäische Staaten die Bildung einer Kampfjet-Koalition für die Ukraine bekannt gegeben. Washington machte den Weg dafür frei, indem es grünes Licht für die Ausbildung ukrainischer Piloten an F-16-Kampfjets gab.

Kuleba: Minenfelder und Lufthoheit der Russen sind größte Probleme

Die russische Lufthoheit und die Minenfelder stellen nach Ansicht des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba die größten Probleme für die ukrainischen Truppen bei ihrer Gegenoffensive dar. Unter Einsatz ihres Lebens müssten die ukrainischen Soldaten am Tag manchmal 200 oder 300 Meter durch ein Minenfeld robben, um das Gelände für die vorrückenden Truppen zu räumen, sagte Kuleba in Kiew in einem Interview von »Welt« , »Bild«-Zeitung und »Politico«. Die mit Beton, Stahl und anderen Materialien verstärkten Befestigungen der Russen seien schwer zu zerstören.

Darüber hinaus würden die Streitkräfte sehr darunter leiden, »dass uns Anti-Luft-, Anti-Hubschrauber- und Anti-Flugzeug-Waffen am Boden fehlen«, sagte Kuleba weiter. Mit dem Einsatz von Kampfhubschraubern und Kampfflugzeugen sei es den Russen gelungen, »unsere Gegenoffensivkräfte zu treffen«.

Spaniens Regierungschef Sánchez verspricht Ukraine 55 Millionen Euro

Spaniens Regierungschef Sánchez sagte derweil bei seinem Besuch in Kiew der Ukraine 55 Millionen Euro an neuen Hilfsgeldern zu. »Spanien wird weitere 55 Millionen Euro bereitstellen, um die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in der Ukraine zu unterstützen«, sagte er am Samstag bei seiner Rede vor dem Parlament in Kiew. Zugleich versicherte der sozialistische Politiker, dass die Unterstützung der Europäer für die Ukraine bei ihrer Abwehr des russischen Angriffskriegs ungebrochen sei. Spanien hat am Samstag turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft übernommen.

Das sagt Moskau

Die ultranationalistische Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) will ein Reiseverbot für enge Verwandte hochrangiger Offizieller in »unfreundliche Länder« durchsetzen. Die Partei arbeite an einem entsprechenden Gesetzentwurf, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur RIA. Die Beschränkungen könnten unter anderem auch Richter, Spitzenmanager staatlicher Unternehmen und den Vorstand der Zentralbank betreffen, zitiert RIA den Abgeordneten Sergej Karginow.

Russland betrachtet alle Länder, die es wegen seines Militäreinsatzes in der Ukraine mit Sanktionen belegt haben, als »unfreundlich«. Solche Reisen seien nicht nur unzulässig, sondern auch gefährlich, zitiert RIA Karginow. Trotz ihres Namens vertritt die Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) seit ihrer Gründung im Jahr 1991 eine radikale, ultranationalistische Ideologie und fordert die Rückeroberung der Länder der ehemaligen Sowjetunion durch Russland. Es war nicht sofort klar, wann die LDPR den Gesetzentwurf in die Duma, das Unterhaus des russischen Parlaments, einbringen will.

Was heute wichtig wird

In der Ukraine gehen die Kämpfe an der Front weiter. Auf Kritik am langsamen Vorankommen der eigenen Offensive reagierte Kiew zuletzt verärgert.

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