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Russland-Ukraine-Krieg: Wer liefert jetzt welche Waffen an Kiew?

January 21
23:34 2023

Haubitzen, Schützenpanzer, Flugabwehrsysteme: Anlässlich einer Konferenz in Ramstein haben zahlreiche Länder der Ukraine neue militärische Hilfen versprochen. Der Überblick.

Am 24. Februar jährt sich der russische Überfall auf die Ukraine, mit dem der russische Angriffskrieg gegen das gesamte Land begann. Seit fast einem Jahr unterstützen die westlichen Partner Kiew mit verschiedensten Waffen, humanitärer Hilfe und Ausbildungsprogrammen für die ukrainischen Truppen. »Die Ukraine wird alle Hilfe bekommen, die sie braucht«, versprach US-Präsident Joe Biden an diesem Samstag.

Die Ukraine fordert seit geraumer Zeit die Lieferung von Kampfpanzern, insbesondere des Leopards 2. Unter anderem Polen hat seine Bereitschaft zur Lieferung erklärt. Da die Panzer aber aus deutscher Produktion stammen, muss Deutschland einer Weitergabe zustimmen. Dies ist bislang nicht erfolgt, auch auf einem Treffen westlicher Verbündeter auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein am Freitag wurde dazu keine Entscheidung gefällt. Auch die Frage, ob Deutschland selbst Kampfpanzer liefert, ist offen.

Die Verbündeten der Ukraine haben dennoch umfassende neue Waffenlieferungen versprochen. Die Zusagen der Länder im Überblick.

USA

Die USA haben weitere Waffenlieferungen an die Ukraine im Umfang von 2,5 Milliarden Dollar, umgerechnet 2,3 Milliarden Euro, angekündigt. Zum jüngsten Hilfspaket gehören laut US-Verteidigungsministerium zwar keine Kampfpanzer, aber weitere 59 Panzer vom Typ Bradley, 90 gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Stryker, Luftabwehrsysteme vom Typ Avenger sowie Tausende Schuss Munition. Mit diesem Paket belaufen sich die Militärhilfen des Landes für Kiew seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar vergangenen Jahres auf insgesamt mehr als 26,7 Milliarden Dollar. (Lesen Sie hier , welche Rollen die verschiedenen Länder im Panzer-Poker spielen.)

Großbritannien

Nur wenige Tage nach der Ankündigung, schwere Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 an die Ukraine zu liefern, hat London bei der Militärhilfe für Kiew noch einmal nachgelegt. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace kündigte an, 600 Raketen vom Typ Brimstone an die Ukraine zu senden. Dabei handelt es sich um Luft-Boden-Raketen, die für den Einsatz gegen gepanzerte Fahrzeuge und Panzer gedacht sind. Bislang haben die Briten militärisches Material für 2,3 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro, an die Ukraine gegeben. Sie folgen damit den USA in der Liste der Waffenlieferanten für Kiew.

Deutschland

Die Bundesregierung hat der Ukraine Anfang Januar die Lieferung von 40 Marder-Schützenpanzern sowie eine Patriot-Flugabwehrraketenbatterie zugesagt. Zudem sollen laut Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bis Februar sieben weiter Flak-Panzer vom Typ Gepard geliefert werden, sodass die Ukraine dann über 37 dieser Panzer verfügt. In den kommenden Wochen sollen außerdem weitere Lenkflugkörper der Variante Iris-T SLM geliefert werden, im Frühjahr dann ein weiteres Iris-T SLM Gesamtsystem. Die deutsche Unterstützung seit Beginn des russischen Angriffskriegs beläuft sich demnach dann auf 3,3 Milliarden Euro.

Bestimmt wird die Debatte aber von der Forderung aus dem In- und Ausland, Kiew auch mit dem Kampfpanzer Leopard 2 zu versorgen oder zumindest verbündeten Ländern zu erlauben, die Panzer deutscher Herstellung zu liefern. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sagte dazu dem »Handelsblatt « nach der Ramstein-Konferenz, sie sei »auch im Hinblick auf die Panzer optimistisch, da dies der logische nächste Schritt ist«. Die Leopard-2-Panzer stünden deshalb im Zentrum der Debatte, »weil es viele davon gibt, weil sie relativ leicht zu warten sind, weil viele europäische Länder sie haben und weil die Ukraine sie einfach braucht«. Dies sei der entscheidende Moment, der mutige Entscheidungen erfordere.

Frankreich

Paris will ungefähr 30 Spähpanzer vom Typ AMX-10 RC in die Ukraine schicken. Wann und wie viele der Fahrzeuge geliefert werden sollen, bleibt jedoch unklar.

Polen

Polen verspricht Kiew in einem neuen Paket Flugabwehrkanonen und Munition. Präsident Andrzej Duda hatte aber zuletzt angekündigt, dass das Land bereit sei, als Teil einer internationalen Koalition 14 seiner mehr als 200 Leopard-Panzer an die Ukraine zu geben. Regierungssprecher Piotr Müller hatte dazu mit Blick auf Deutschland gesagt, Polen wolle »bestimmte Verhaltensweisen erzwingen«. Andeutungen von Premier Mateusz Morawiecki zufolge erwägt das Land, Leopard-Panzer auch im Falle eines deutschen Neins an die Ukraine zu liefern.

Kanada

Kanada gibt der Ukraine 200 gepanzerte Mannschaftstransportwagen. Die Lieferung ist Teil eines im November angekündigten Militärhilfspakets im Wert von umgerechnet etwa 343 Millionen Euro. Insgesamt hat Kanada Militärhilfen im Wert von 920 Millionen Euro an Kiew zugesagt, darunter gepanzerte Fahrzeuge, Haubitzen, Winterkleidung, Kameradrohnen und Munition.

Schweden

Schweden will der Ukraine das Artilleriesystem Archer zur Verfügung stellen. Wie viele der Haubitzensysteme geliefert werden sollen, blieb zunächst unklar. Schweden plant laut Regierungschef Ulf Kristersson zudem, der Ukraine 50 Schützenpanzer vom Typ CV-90 und NLAW-Panzerabwehrwaffen zu schicken. Schweden rückt mit den geplanten Lieferungen von seiner Haltung ab, keine Waffen an ein Land zu liefern, das sich im Krieg befindet.

Niederlande

Die Niederlande schließt sich nach eigenen Angaben einem »Kooperationsprojekt mit den USA und Deutschland« über die gemeinsame Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystemen an die Ukraine an. Es geht demnach um zwei Raketenwerfer und um Raketen. Die Niederlande kündigten zudem an, die Verantwortung für die Ausbildung ukrainischer Soldaten zu übernehmen und 100 aus Tschechien gekaufte Fahrzeuge bereitzustellen, die mit Flugabwehrkanonen ausgerüstet sind.

Dänemark

Dänemark spendet nach eigenen Angaben 19 Caesar-Haubitzen französischer Herstellung an die Ukraine. Kiew habe die Artillerie trotz gewisser technischer Herausforderungen angefragt, hieß es vom dänischen Verteidigungsministerium. Allerdings sind bisher erst einige der Haubitzen aus Frankreich an Kopenhagen geliefert worden.

Finnland

Helsinki hat Kiew weitere Militärhilfe im Wert von 400 Millionen Euro zugesagt. Darin sind nach Angaben des finnischen Verteidigungsministers Mikko Savola schwere Artillerie und Munition enthalten. Es ist die bisher größte Lieferung aus Finnland in die Ukraine. Die vorhergehenden Zusagen hatten einen Gesamtwert von 190 Millionen Euro. Helsinki ist grundsätzlich auch dazu bereit, im europäischen Verbund einige Leopard-Panzer zu liefern.

Estland, Lettland und Litauen

Keines der drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen besitzt eigene Kampfpanzer. Estland hat aber inzwischen Rüstungsgüter im Gesamtwert von etwa 113 Millionen Euro angekündigt, darunter sind laut estnischer Regierung Panzerabwehrwaffen sowie Munition. Mit dem Paket steige die estnische Militärhilfe für die Ukraine auf 370 Millionen Euro »oder etwas mehr als ein Prozent von Estlands Bruttoinlandsprodukt«, hieß es.

Lettland will unterdessen in einem neuen Paket Stinger-Flugabwehrraketen, zwei Hubschrauber und Drohnen an die Ukraine geben. Litauen hat Kiew Flugabwehrkanonen und zwei Hubschrauber versprochen.

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