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Russland – Jewgenij Prigoschin: Was wir zum Absturz des Privatjets wissen – und was nicht

August 24
00:18 2023

Genau zwei Monate nach dem berüchtigten »Marsch auf Moskau« ist ein Flugzeug des Chefs der Söldnergruppe Wagner, Jewgenij Prigoschin, abgestürzt. Mit an Bord soll Berichten zufolge auch Prigoschin selbst gewesen sein. Offiziell bestätigt ist das bisher nicht, jedoch berichten auch Wagner-nahe Telegram-Kanäle davon.

Was wir wissen

Am frühen Mittwochabend deutscher Zeit meldete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die zivile Luftfahrtbehörde zuerst, dass ein Privatjet in der Region Twer nordwestlich von Moskau abgestürzt sei. Laut dem russischen Katastrophenschutz starben insgesamt zehn Menschen: sieben Passagiere, drei Besatzungsmitglieder.

Auf der Passagierliste sticht ein Name heraus: Jewgenij Prigoschin. Eine offizielle Bestätigung, dass Prigoschin unter den Opfern ist, gibt es nicht. Acht Leichen wurden nach einem Bericht von Ria bisher geborgen. Identifiziert sind sie offiziellen Angaben zufolge noch nicht.

Der Wagner nahestehende Telegram-Kanal »Grey Zone« schrieb um 21.27 Uhr deutscher Zeit, dass Prigoschin tot sei und durch »Taten von Verrätern an Russland« starb. Um 22.05 Uhr veröffentlichte Ria eine Liste mit zehn Namen, die an Bord des Fluges gewesen sein sollen, inklusive Prigoschin. Laut der Luftfahrtbehörde selbst handelt es sich dabei jedoch nur um die Passagierliste. Offen bleibt: Waren alle zehn Personen wirklich an Bord?

Unklar bleibt vor allem, ob Prigoschin selbst wirklich mitgeflogen war. Am Abend sorgte für Verwirrung, dass laut dem Portal Flightradar24 zwei Privatjets am Mittwochabend rund um Moskau in der Luft waren, die dem Söldnerchef zugeordnet werden. Berichten zufolge ist es nicht ungewöhnlich, dass Prigoschin möglicherweise aus Angst vor Angriffen mehrere Fährten bei seinen Reisen legt.

In diesem Fall waren es die Privatjets mit den Kennungen RA-02795 und RA-02748. RA-02795 stürzte über Twer ab, RA-02748 flog laut Flightradar24 zunächst von Moskau nach Sankt Petersburg und dann wieder zurück. Laut Wagner-nahen Telegram-Kanälen landete der Jet später wieder am Moskauer Flughafen Ostafjewo.

Was wir nicht wissen

Es gibt Spekulationen über einen Raketenangriff oder gar einen Bombenanschlag auf das Flugzeug. Derartige Berichte können bisher jedoch nicht bestätigt werden. In den sozialen Netzwerken gehen Videos herum, die zeigen, wie ein Flugzeug, bei dem es sich offenbar um den Privatjet von Prigoschin handeln soll, senkrecht zu Boden trudelt und in einer großen Rauchwolke verschwindet.

Auch ist nicht klar, warum Prigoschin überhaupt an Bord der Maschine gewesen sein soll und warum sie offenbar in Richtung Sankt Petersburg unterwegs war. Erst am Montagabend hatte sich der Wagner-Boss offenbar aus der afrikanischen Wüste gemeldet. Es war das erste richtige Lebenszeichen seit dem Aufstand seiner Söldner.

Wagner-nahe Telegram-Kanäle implizieren bereits am Abend, dass es sich um einen Racheakt des Kreml für den »Marsch auf Moskau« gehandelt haben könnte.

»Die Ermordung von Prigoschin wird katastrophale Folgen haben. Die Leute, die den Befehl gegeben haben, verstehen die Stimmung und die Moral in der Armee überhaupt nicht«, heißt es etwa in einem Kommentar. Ein anderer Kanal schreibt: »Möge dies eine Lehre für alle sein. Es ist immer notwendig, bis zum Ende zu gehen.« Damit bezieht er sich offenbar darauf, dass Prigoschin den Aufstand seiner Wagner-Söldner noch vor Moskau stoppte.

Was war zuletzt bekannt über Prigoschin?

Am 23. Juni übernahm die paramilitärische Organisation die Kontrolle über die Großstadt Rostow am Don im Südwesten des Landes und machte sich später auf den Weg nach Moskau. Rund 200 Kilometer vor der Hauptstadt, wo bereits Barrikaden aufgebaut worden waren, blies Prigoschin den Aufstand ab.

In der Folge war spekuliert worden, wie der Kreml auf den Affront des einstigen Freundes von Machthaber Wladimir Putin reagiert. Zumal immer wieder Oppositionelle und andere Kremlgegner verschwinden oder wie Oppositionsführer Alexej Nawalny sogar vergiftet werden.

Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko handelte für Prigoschin einen Deal aus, der ihn ins Exil im russischen Nachbarland schicken sollte. Bis Montag war es ruhig geworden um Prigoschin. Dann veröffentlichten Wagner-nahe Kanäle ein Video, in dem Prigoschin unter anderem um Rekruten für die afrikanischen Wagner-Truppen warb.

Mit der Vormachtstellung seiner Söldner in mehreren afrikanischen Ländern schien er noch immer essenziell für den Kreml. Zumal die Arbeit der Wagners nicht nur finanziell lukrativ ist, sondern auch den Einfluss Russlands außerhalb der eigenen Grenzen stärkt.

Es sollte bis heute sein letztes Lebenszeichen bleiben.

Was sind die Reaktionen?

Die ersten Reaktionen aus Kiew fallen fast schon höhnisch aus.

Der ukrainische Präsidentenberater Michajl Podoljak twitterte, dass es offensichtlich sei, dass Putin niemandem »seinen eigenen bestialischen Terror« verzeihen werde. Prigoschin habe demnach mit der Unterzeichnung der Garantien von Lukaschenko, ihm Exil zu gewähren, sein eigenes Todesurteil unterschrieben. Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, verbreitete über seinen Telegram-Kanal lediglich die Audiospur des AC/DC-Klassikers »Highway to Hell«.

Auch US-Präsident Joe Biden meldete sich aus seinem Urlaub zu Wort. Gegenüber einem Bloomberg-Reporter sagte er: »Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber ich bin nicht überrascht.«

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