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»Reichsbürger«: Erneute Durchsuchungen bei Anhängern von Heinrich XIII. Prinz Reuß

June 21
19:57 2023

Im Fall der Politsekte um den »Reichsbürger«-Aktivisten Heinrich XIII. Prinz Reuß haben Ermittler nach SPIEGEL-Informationen am Dienstag Wohnungen von fünf Beschuldigten durchsucht. Die Aktionen richteten sich demnach gegen vier Männer aus Baden-Württemberg und eine Person aus Niedersachsen.

In allen fünf Fällen geht es um den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte dem SPIEGEL die Durchsuchungen, wollte mit Verweis auf laufende Ermittlungen aber zu Details keine Angaben machen.

Ein Beschuldigter soll über eine waffenrechtliche Besitzerlaubnis verfügen. Mehrere der fünf Verdächtigen sollen nach SPIEGEL-Informationen sogenannte Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnet haben. Aus Dokumenten, die Ermittler bei früheren Durchsuchungen im Umfeld der mutmaßlichen Terrorgruppe fanden, geht hervor, dass vermeintlichen Verrätern drakonische Strafen drohten. Gegen Mitglieder, die gegen die »Geheimhaltungspflicht« innerhalb der Gruppe verstießen, sollte demnach die »Todesstrafe« verhängt werden . Diese würde »durch den PR ausgesprochen und durch ein Militärgericht abgeurteilt und vollzogen«, heißt es in einem Schriftstück.

Geplante »Heimatschutzkompanien«

Die aktuellen Durchsuchungen fanden nach SPIEGEL-Informationen in den baden-württembergischen Orten Aldingen, Empfingen, St. Johann, Ebersbach an der Fils und Tübingen sowie in Hameln in Niedersachsen statt. Festnahmen gab es keine. Die Ermittlungen stehen offenbar in Zusammenhang mit der geplanten Aufstellung sogenannter Heimatschutzkompanien.

Um ihre Putschfantasien in die Tat umzusetzen, plante die »Reichsbürger«-Truppe den Ermittlungen zufolge den Aufbau einer »Neuen deutschen Armee«, samt 286 dieser »Heimatschutzkompanien« im ganzen Land. Nach dem Umsturz hätten sie angeblich lokale Politiker verhaften oder gar hinrichten sollen, wie Ermittler Abgeordneten des Bundestags schilderten.

Als Hauptquartier sollte den verhinderten Putschisten offenbar Prinz Reuß’ Jagdschloss im thüringischen Bad Lobenstein dienen. Dort stellten Ermittler Ende vergangenen Jahres neben 1034 Schuss Munition eine Reihe bizarrer Asservate sicher: etwa eine esoterische Abhandlung mit dem Titel »Die Smaragdtafeln von Thoth dem Atlanter« und ein Satellitentelefon, das mit Alufolie umwickelt war – offenbar zum Schutz gegen Lauschangriffe.

Mehrere Asservate deuten zudem auf Verbindungen nach Russland hin, darunter Kontounterlagen der russischen Sberbank und eine Einladung des russischen Konsulats in Leipzig. Im Schlosspark stießen die Fahnder zudem auf eine goldene Pyramide mit Stühlen und Feldbett, die mit handgeschriebenen Hieroglyphen-Zetteln und laminierten »Verfügungen« von Prinz Reuß geschmückt war.

Die Bundesanwaltschaft wirft Prinz Reuß die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor, die einen gewaltsamen Umsturz geplant haben soll. Gut ein Dutzend teils aktive, teils ehemalige Soldaten und Polizisten sollten demnach bewaffnet in den Bundestag eindringen und Politiker festnehmen. Reuß’ Anwalt ließ Anfragen zu den Vorwürfen zuletzt unbeantwortet.

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