Recep Tayyip Erdoğan: Ukraine »verdient Mitgliedschaft in der Nato«
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seine Unterstützung für eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine zum Ausdruck gebracht. »Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Ukraine die Mitgliedschaft in der Nato verdient«, sagte Erdoğan nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor Journalisten in Istanbul. Der türkische Staatschef sagte aber auch, dass im Krieg zwischen Russland und der Ukraine »beide Seiten« zu »Friedensgesprächen zurückkehren« sollten.
Selenskyj hatte zuletzt immer wieder eine konkrete Beitrittseinladung für sein Land gefordert, das sich seit über 16 Monaten gegen einen Angriffskrieg Russlands zur Wehr setzt. Die USA dämpften am Freitag aber Hoffnungen der Ukraine auf einen raschen Beitritt zu dem westlichen Bündnis. Innerhalb des Verteidigungsbündnisses gab es bis zuletzt Diskussionen darüber, wie genau beim Nato-Gipfel in der kommenden Woche auf die Beitrittshoffnungen der Ukraine eingegangen werden soll. Auch Selenskyj wird dort erwartet.
Länder wie Litauen und Polen fordern nach Angaben aus Bündniskreisen, dass das Land die Zusage bekommen sollte, direkt nach einem möglichen Kriegsende aufgenommen zu werden. Andere Länder wie Deutschland wollen solche Versprechen hingegen eigentlich nicht geben. Sie verweisen unter anderem darauf, dass ein Nato-Beitritt weiter an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft sein sollte. So muss das Militär etwa einer zivilen und demokratischen Kontrolle unterliegen.
Erdoğan kündigte an, dass der russische Präsident Wladimir Putin im August erstmals seit Beginn des Angriffskriegs seines Lands gegen die Ukraine die Türkei besuchen werde. Bei den Gesprächen mit Putin soll es Erdoğan zufolge auch um eine Verlängerung des am 17. Juli auslaufenden Abkommens zur Ausfuhr ukrainischen Getreides gehen. Er habe darüber mit Selenskyj gesprochen und hoffe, dies im kommenden Monat auch mit Putin zu besprechen, sagte Erdoğan und ergänzte: »Wir hoffen, dass das Abkommen verlängert wird.«
Auch Selenskyjs Besuch in der Türkei war sein erster seit der russischen Invasion in seinem Land. Der Kreml hatte im Vorfeld erklärt, er beobachte das Treffen genau.
Moskau hatte zuletzt versucht, seine wachsende internationale Isolation durch den Aufbau enger Beziehungen zu Erdoğan zu durchbrechen. »Wir werden die Ergebnisse dieser Gespräche sehr genau verfolgen«, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. »Es wird für uns interessant sein herauszufinden, was besprochen wurde. Es ist wichtig«, fügte er hinzu.

