Reaktionen auf Fall Prigoschin: Von Joe Biden bis zur deutschen Innenpolitik sehen viele die Schuld bei Putin
Noch sind längst nicht alle Fragen rund um den Flugzeugabsturz geklärt, bei dem Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin um Leben gekommen sein soll. Nicht einmal zweifelsfrei geklärt ist, ob der Söldneranführer wirklich an Bord war – auch wenn vieles dafür spricht. Trotz dieser Unklarheiten gibt es klare Meinungen zu möglichen Hintergründen.
So hat sich US-Präsident Joe Biden »nicht überrascht« vom möglichen Tod des Wagner-Chefs in Russland gezeigt. »Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber ich bin nicht überrascht«, sagte Biden am Mittwoch in der kalifornischen Stadt South Lake Tahoe, wo er sich derzeit mit seiner Familie aufhält. Biden fügte hinzu, er habe kürzlich mit Blick auf den russischen Söldnerchef gesagt, dieser müsse »vorsichtig« sein.
Auf die Frage, ob der russische Präsident Wladimir Putin hinter dem Flugzeugabsturz stehe, sagte Biden: »In Russland passiert nicht viel, hinter dem Putin nicht steht. Aber ich weiß nicht genug, um die Antwort zu kennen.«
Für den Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, war die Entwicklung absehbar. »Prigoschin hat in dem Moment, als er 200 Kilometer vor Moskau stehen blieb, sein eigenes Todesurteil unterschrieben«, sagte Podoljak der »Bild«-Zeitung. »Der Aufstand von Prigoschin im Juni hat Putin wirklich erschreckt« und habe absehbar zu Konsequenzen führen müssen, denn: »Putin verzeiht niemandem seine eigene Angst.«
Zuvor hatte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Adrienne Watson, erklärte, die Regierung habe die Berichte über den Absturz des Flugzeugs gesehen, auf dessen Passagierliste Prigoschin stand. »Wenn es bestätigt wird, wäre es für niemanden eine Überraschung«, erklärte Watson. »Der verheerende Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass eine Privatarmee auf Moskau marschiert ist, und jetzt, so scheint es, zu dem hier (dem Absturz).«
Auch mehrere deutsche Politiker haben sich klar positioniert.
»Dass Prigoschin seinen Angriff auf Putin mit dem Leben bezahlen wird, davon war auszugehen«, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Mittwoch und sprach mit Blick auf Prigoschin von einem »Teufel, der sich mit dem Teufel einlässt«. Es zeige aber auch, »dass offensichtlich große Nervosität bei Putin und seinen Schergen im Kreml herrscht«, fügte sie hinzu.
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter vermutet, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Tod des Wagner-Chefs beauftragt hat. »Es war eine Frage der Zeit«, sagte er in der Sendung »RTL Direkt« am Mittwochabend. »Dass es jetzt so rasch ging (…) und auch noch zehn weitere Tote in Kauf genommen wurden, zeigt die Brutalität des Systems Putin«, erklärte er.
Die mutmaßliche Ermordung Prigoschins sei eine »Warnung« auch für Deutschland, betonte Kiesewetter. »Wir müssen uns im Klaren sein, dass dieses System nicht verhandelt (…) und nur die Sprache der Stärke versteht.«
Der CDU-Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen sieht Präsident Putin auch nach dem Tod Prigoschins geschwächt. »Entweder Putin oder Prigoschin – das blieb die Lage auch nach dem abgesagten Putsch«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Ob die von Putin enthauptete Wagner-Gruppe sich nun erst recht zur Rebellion formiert oder sich führungslos fügt, ist eine offene Frage. Das Machtsystem Putins aber hat Risse bekommen, und das kann er nicht mehr stoppen.«
Prigoschin war mutmaßlich am Mittwochabend bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen. Wie die russische Luftfahrtbehörde Rosawiatsija unter Berufung auf die Fluggesellschaft mitteilte, befanden sich sowohl Prigoschin als auch sein Stellvertreter Dmitri Utkin »an Bord des Flugzeugs«. Das Katastrophenschutzministerium in Moskau teilte mit, nach ersten Informationen seien alle zehn Insassen der Maschine ums Leben gekommen. Laut Rosawiatsija erfolgte der Flug »im Rahmen einer ordnungsgemäß erteilten Luftraumgenehmigung«.

