Österreich: Massenandrang von Skifahrern löst Chaos aus
Icon: vergrößernGroßer Andrang: Talstation der Patscherkofelbahn (Innsbruck) am zweiten Weihnachtsfeiertag
Foto: Michael Kristen / imago images
In mehreren Wintersportgebieten Österreichs hat der Ansturm von Skifahrern und Rodlern mitten im Lockdown zu Problemen geführt. Daraufhin schlossen einige Betreiber die Areale komplett oder riegelten sie für weitere Besucher ab.
Im Bundesland Steiermark berichtete die Polizei am Sonntagvormittag von langen Staus und Wartezeiten auf den Straßen. Mehrere Parkplätze seien voll, sie wurden abgesperrt. Die Skigebiete am Hauser Kaibling sowie St. Jakob im Walde wurden den Angaben zufolge für weitere Sportler geschlossen.
In Kärnten sperrten die Behörden Straßen für Auswärtige, weil der Andrang zu groß wurde. Betroffen waren das Skigebiet im Bodental südlich von Klagenfurt sowie die Dobratsch-Alpenstraße.
Das Nachrichtenportal Vol.at veröffentlichte am zweiten Weihnachtstag ein Video, das eine Menschentraube vor einem Lift in Damüls (Vorarlberg) zeigen soll. Die Menschen darauf tragen Mund-Nasen-Bedeckungen, halten aber kaum Abstand zueinander.
Skifahren ist trotz allgemeiner Ausgangssperre in Österreich nicht verboten. Der Nationalsport profitiert von einer Ausnahmeregelung, die auch für andere Individualsportarten gilt. Skifahrer dürfen Lifte und Bergbahnen nutzen. Dabei sollen sie einen Mindestabstand von einem Meter einhalten. Gondelbahnen dürfen nur zu 50 Prozent ausgelastet sein, Passagiere müssen FFP2-Masken tragen. In Deutschland sind Skilifte hingegen geschlossen.
Auch Skiverleihe dürfen in Österreich öffnen und Skischulen ist es erlaubt, zumindest Angehörige eines gemeinsamen Haushalts zu unterrichten. »Für die Schilehrerin oder den Schilehrer ist diese Tätigkeit ein beruflicher Zweck und damit eine […] Ausnahme der Ausgangsbeschränkung«, heißt es auf der Website des österreichischen Sozialministeriums.
Für Urlauber aus Deutschland und anderen Ländern kommt Skifahren in Österreich aber kaum infrage. Hotels sind bis zum 17. Januar geschlossen. Wer einreist, muss mindestens für fünf Tage in Quarantäne.
Im Internet verbreitete sich scharfe Kritik an den wahrgenommenen Zuständen in den Skigebieten. »Endlich wieder Ischgl«, kommentierte ein Twitter-Nutzer sarkastisch. Der Tiroler Wintersportort gilt als Brutstätte bei der Weiterverbreitung des Virus im vergangenen Winter.
Rodelwiesen komplett dicht gemacht
Damals hatten sich mehr als 11.000 Bürger allein aus der EU laut ORF-Recherchen in Österreich mit dem Virus angesteckt, großteils in Ischgl und umliegenden Tiroler Skigebieten. Mindestens 27 Menschen, zumeist Deutsche, sollen die Folgen der Tiroler Skigaudi damals mit ihrem Leben bezahlt haben. In diesem Winter will Ischgl sein Skigebiet erst im Januar öffnen.
Manche Medien in Österreich werteten den Skibetrieb an und nach den Weihnachtsfeiertagen indes als Erfolg. Es habe keine Staus beim Anstellen an den Liften gegeben, zitierte der öffentliche Rundfunksender ORF einen Funktionär in Kärnten.
Einigen Gemeinden wurde der Andrang aber unheimlich. So schloss Semmering (Niederösterreich) am Sonntag die Rodelwiesen. Es sei nicht sicherzustellen, »dass die Abstandsregeln entsprechend eingehalten werden«, zitierte die »Kronenzeitung« den Bürgermeister der Gemeinde. Ihm zufolge seien zeitweise mehr als 1000 Menschen zum Schlittenfahren unterwegs gewesen.
Icon: Der Spiegel

