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Niederlande: Frachtschiff brennt – wohl 500 E-Autos an Bord. Die wichtigsten Fragen

July 28
15:59 2023

Stabil liegt das mit 3800 Autos beladene Frachtschiff »Fremantle Highway« etwa 17 Kilometer vor der westfriesischen Insel Terschelling. Zumindest derzeit. Ein Schlepper hält laut der niederländischen Küstenwache das Schiff über eine Notverbindung auf dieser Position.

Seit Dienstag steht der Frachter vor der niederländischen Küste in Flammen. Noch immer sind Löscharbeiten schwierig, ein Flugzeug der Küstenwache soll mithilfe von Aufnahmen die Temperaturen an Bord kontrollieren. Dann soll ein Bergungsplan erstellt werden.

Was sind die Probleme bei den Löscharbeiten?

An Bord befinden sich nach Angaben der japanischen Reederei etwa 500 E-Autos, zunächst war nur von 25 die Rede gewesen. Geraten die Lithium-Ionen-Akkus in Brand, kommen die Einsatzkräfte mit konventionellen Löschmethoden nicht allzu weit. Eigentlich werden Brände auf Schiffen mit CO₂ gelöscht, das den Sauerstoff verdrängt und den Flammen die Nahrung nimmt.

Das Problem bei E-Autos: Die Akkus produzieren beim Brennen selbst Sauerstoff. Die Methode, mit CO₂ zu löschen, wird dadurch wirkungslos. Der Allianz-Versicherer AGCS teilte der dpa mit, dass Brände von Elektrofahrzeugen tückisch seien, »weil sie schwer zu löschen sind und sich spontan wieder entzünden können«. Unklar ist im Falle der »Fremantle Highway«, wodurch der Brand ausgelöst wurde.

Ein weiteres Problem bei den Rettungsarbeiten betrifft die Kühlung. Mit Meerwasser sollte die Temperatur des Schiffs von außen reguliert werden. Nach Angaben der Küstenwache kam dadurch jedoch zu viel Wasser in das Schiff – das hätte zum Kentern des Schiffs führen können.

Die Sorgen davor sind jedoch unverhältnismäßig groß. So kündigte eine norwegische Reederei an, keine Elektroautos mehr an Bord zu nehmen. Jedoch nicht wegen des höheren Risikos, dass etwas passiert. Sondern wegen des höheren Risikos, wenn etwas passiert. Im Jahr 2022 etwa sank das Frachtschiff »Felicity Ace« mit Tausenden Elektrofahrzeugen, weil ein Brand nicht gelöscht werden konnte.

Reedereien müssten nachsteuern, die International Maritime Organisation (IMO) kündigte als Reaktion auf die Havarie der »Felicity Ace« schärfere Brandschutzvorschriften an. Wie der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, sagte, haben die Löschsysteme mit der Entwicklung der immer größeren Schiffe jedoch nicht Schritt gehalten.

Was droht im Falle eines Untergangs?

An Bord des Frachters sind nach Angaben des Bundesumweltministeriums 1600 Tonnen Schweröl und 200 Tonnen Schiffsdiesel. Die Folge wäre eine Umweltkatastrophe in der Nordsee.

Davon bliebe aber wohl zumindest das Wattenmeer verschont. Nach offiziellen Angaben würden Wind und Strömung eine Ölkatastrophe im Wattenmeer verhindern und den Schiffstreibstoff in Richtung Norden auf das offene Meer treiben lassen.

Wie erging es der Crew?

Zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs in der Nacht auf Mittwoch waren 23 Menschen an Bord, die meisten aus Indien. Die Rettungskräfte sagten per Funkspruch, den der niederländische Sender RTL veröffentlicht hat, dass die Besatzungsmitglieder keine Möglichkeit hatten, zu den Rettungsbooten zu gelangen. Sie standen vor der Wahl: Entweder an Bord den Flammen ausgeliefert sein oder 30 Meter tief in die Nordsee springen. Die Küstenwache und der Kapitän entschieden: Die Männer sollten springen.

Sieben Männer sollen gesprungen sein, verletzten sich dabei jedoch. Ein Mann starb auf einem Rettungsboot. Per Hubschrauber wurden die restlichen 16 Besatzungsmitglieder von Bord geholt.

Was sind die Folgen aus dem Unglück?

Bisher ist noch nicht klar, ob die Havarie vor der niederländischen Küste Konsequenzen haben wird. An der Stelle verlaufen zwei wichtige Schifffahrtsrouten, die »Fremantle Highway« etwa war von Bremerhaven über Ägypten nach Singapur auf dem sogenannten Verkehrstrennungsgebiet »Terschelling German Bight« unterwegs.

Forderungen kommen bereits aus der Landespolitik. Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) forderte verbindliche Vorgaben für große Schiffe zum Befahren küstenferner Routen. »Es müssen endlich Konsequenzen aus vergangenen Havarien gezogen werden«, sagte Meyer der »Ostfriesen-Zeitung« und der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«: »Niedersachsen hat mehrfach diese Forderung in Berlin platziert, aber der Bund hat noch immer keine konkreten Maßnahmen umgesetzt.«

Es bestehe eine »latente Gefahr« durch große Containerschiffe und Frachter, gerade bei schlechtem Wetter. Bereits nach der Havarie des Containerschiffs »MSC Zoe« in der Nordsee hatte es entsprechende Forderungen gegeben. Inseln wie Borkum hatten nach dem Unglück im Jahr 2019 mit angespültem Müll zu kämpfen.

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