News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Mittwoch (23. August)
Was in den vergangenen Stunden geschah
Russische Luftabwehrsysteme haben nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums drei Drohnen über Moskau abgeschossen. Die Trümmer einer der abgefangenen Drohnen hätten ein Gebäude im Zentrum Moskaus beschädigt, die beiden anderen seien von Luftabwehrsystemen westlich der russischen Hauptstadt abgeschossen worden, teilte das Militär mit. Von vor Ort wurde von einer Explosion in einem Geschäftsviertel berichtet. Nach russischer Darstellung war das getroffene Gebäude noch im Bau.
Die USA unterstützten oder ermöglichten keine Angriffe innerhalb Russlands, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums zu dem Vorfall. Es sei aber Sache der Ukrainer, wie sie sich gegen die russische Invasion verteidigen wollen. Russland könne den Krieg jederzeit beenden, indem es sich aus der Ukraine zurückziehe.
Das sagt Kiew
Bei Angriffen der russischen Artillerie in zwei Dörfern nahe der ukrainischen Kleinstadt Lyman sind am Dienstagabend drei Menschen getötet worden. Zwei weitere Menschen seien verwundet, erklärte der Leiter der Militärverwaltung der ostukrainischen Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, im Onlinedienst Telegram. Laut der Staatsanwaltschaft von Donezk war das Dorf Torske zuerst getroffen worden, eine halbe Stunde später dann das Dorf Sakitne. Die Todesopfer in Torske saßen demnach auf einer Bank, als der Beschuss erfolgte. Bei einem weiteren Angriff im Dorf Seredyno-Buda im Nordosten der Ukraine nahe der Grenze zu Russland wurden indes vier Menschen bei einem Granatenangriff verwundet, ein Wohnhaus wurde von Drohnen getroffen, wie die regionale Militärbehörde auf Facebook mitteilte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich nach seiner Rückkehr aus Griechenland bei europäischen Ländern für neue Zusagen bezüglich der Militär- und Aufbauhilfe bedankt. »Es gibt Flugzeuge für die Ukraine. Es gibt zusätzliche Panzertechnik und wir stärken die Luftabwehr«, sagte er in seiner täglichen Videoansprache. Das Video wurde diesmal in einem Zug aufgenommen, mit dem Selenskyj nach einer mehrtägigen Reise durch verschiedene EU-Länder zurück nach Kiew fuhr.
Er habe Schweden, die Niederlande, Dänemark und am Ende Griechenland besucht, wo er gleich mehrere Staats- und Regierungschefs der Balkan-Region gesprochen habe, erklärte Selenskyj. Dänemark und die Niederlande hatten der Ukraine in den vergangenen Tagen die Lieferung von westlichen Kampfjets vom Typ F-16 zugesichert.
Bei Griechenland bedankte sich Selenskyj nicht nur für die Waffenhilfe, sondern auch für die Zusage, die Schirmherrschaft für den Wiederaufbau der durch russische Raketen- und Drohnenangriffe mehrfach getroffenen ukrainischen Hafenstadt Odessa zu übernehmen. »Das ist nicht nur eine inhaltsreiche, sondern auch eine sehr symbolische Entscheidung« mit historischer und kultureller Bedeutung, lobte er.
In der Antike hatten die Griechen den Schwarzmeerraum erschlossen. Auch im Gebiet der heutigen Stadt Odessa gab es antike Siedlungen. Odessa selbst wurde aber erst 1794 auf Anweisung der Zarin Katharina der Großen gegründet.
In der Ukraine hat sich eine überwältigende Mehrheit in einer Umfrage gegen Kompromisse mit dem Kriegsgegner Russland im Austausch für einen Friedensschluss ausgesprochen. Den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen zweier renommierter Institute zufolge waren mehr als 90 Prozent der rund 2000 Befragten gegen Gebietsabtretungen. Knapp 74 Prozent schlossen einen Verzicht auf den Beitritt zum Militärbündnis Nato aus. Eine Reduzierung der Truppenstärke der Armee zu Friedenszeiten lehnten 80 Prozent ab.
Zugleich sahen aber nur noch knapp 49 Prozent der Ukrainer eine positive Entwicklung der Ereignisse im eigenen Land. Im Dezember vergangenen Jahres glaubten das nach der erfolgreichen Vertreibung der russischen Besatzer aus der Nordukraine und großen Teilen der Gebiete Charkiw und Cherson noch beinahe 60 Prozent.
Die Ukraine wehrt seit fast 18 Monaten mit massiver westlicher Hilfe eine russische Invasion ab. Moskau kontrolliert derzeit fast 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets.
Die Umfrage wurde vom 9. bis 15. August in den von der Regierung kontrollierten Regionen ohne die Gebiete Luhansk, Donezk und der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durchgeführt. Insgesamt wurden 2019 erwachsene Ukrainer persönlich befragt. Die Fehlertoleranz soll 2,3 Prozent nicht übersteigen.
Das sagt Moskau
Die Moskauer Flughäfen haben in der Nacht erneut den Flugverkehr eingestellt, berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die großen Flughäfen rund um die russische Hauptstadt waren in den vergangenen Tagen wiederholt wegen ukrainischer Drohnenangriffe geschlossen worden.
Russland könnte nach Worten des ehemaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew die abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien annektieren. »Die Idee, sich Russland anzuschließen, ist in Abchasien und Südossetien nach wie vor populär«, schrieb der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates in einem Artikel, der am frühen Mittwoch von der russischen Zeitung »Argumenty i Fakty« veröffentlicht wurde. »Sie könnte durchaus umgesetzt werden, wenn es gute Gründe dafür gibt«, so Medwedew.
Westliche Lieferungen an die Ukraine
Die Niederlande stellen der Ukraine tausend Ladegeräte für die Minenräumung zur Verfügung. »Es gibt eine Entscheidung, etwa tausend tragbare Ladegeräte für die Fernminenräumung zu liefern, die Durchgänge in künstlichen Barrieren schaffen können«, wird die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren auf der Website des ukrainischen Verteidigungsministeriums nach einem Treffen mit Verteidigungsminister Oleksij Resnikow in Kiew zitiert. »Wie ich weiß, stehen Sie jetzt vor dem Problem einer extrem dichten Verminung von Gebieten«, sagte sie.
Zuvor hatte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am Dienstag erklärt, die Unterstützung der Ukraine bei der Beseitigung eines massiven Landminengürtels könne eine gemeinsame Anstrengung Deutschlands und anderer Partner werden.
Internationale Reaktionen
Der britische Energieminister Grant Shapps kündigt bei einem Besuch in Kiew eine Exportfinanzierung in Höhe von 192 Millionen Pfund (rund 225 Millionen Euro) für Kernbrennstoff für ukrainische Atomkraftwerke an. »Mit dieser Garantie wollen wir der Ukraine helfen, ihren Kernbrennstoff künftig nicht mehr aus Russland beziehen zu müssen«, sagt Shapps der Nachrichtenagentur Reuters. Die Summe garantiere, dass der Brennstoff künftig aus viel sichereren Quellen komme. Eine davon sei Urenco, ein teilweise britisches Konsortium. Das ukrainische Energiesystem wurde durch die massiven russischen Luftangriffe schwer beschädigt, wodurch das Land noch abhängiger von seinen alternden Atomkraftwerken geworden ist. Das größte Atomkraftwerk der Ukraine, Saporischschja, ist seit März vergangenen Jahres von Russland besetzt. Seitdem haben sich beide Seiten wiederholt gegenseitig beschuldigt, die Sicherheit der Anlage zu gefährden.

