News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Donnerstag (13. Oktober)
Die Ukraine benötigt dringend Geld aus dem Ausland – für Haushalt und Wiederaufbau. Immer mehr Länder sagen Waffenlieferungen zu. Und: Der Krieg könnte den Erdgasverbrauch dauerhaft senken. Das geschah in der Nacht.
Was in den vergangenen Stunden geschah
Der ukrainische Generalstab hat weitere russische Raketen– und Luftangriffe auf Wohnhäuser und Objekte der zivilen Infrastruktur registriert. Im abendlichen Lagebericht aus Kiew war die Rede von drei Raketenangriffen und vier Fällen von Beschuss durch Flugzeuge. Zehn Mal seien Mehrfachraketenwerfer eingesetzt worden. Von den zehn getroffenen Zielen lagen die meisten in den frontnahen Gebieten Saporischschja und Mykolajiw im Süden.
Außerdem setze die russische Armee weiter Kampfdrohnen iranischer Bauart ein, von denen zehn abgeschossen worden seien. Die ukrainischen Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar. Aus dem zentralukrainischen Gebiet Winnyzja meldete die Zivilverwaltung, dass zwei solcher Drohnen abgefangen worden seien.
Das sagt Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat internationale Geldgeber um weitere Hilfen in Höhe von bis zu 55 Milliarden US-Dollar gebeten. Das Geld werde benötigt, um das erwartete Haushaltsdefizit im kommenden Jahr abzudecken, sagte er in einer Videoansprache vor Finanzministern bei den Jahrestreffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF). 17 Milliarden Dollar würdenbenötigt, um mit dem Wiederaufbau der kritischen Infrastruktur zu beginnen. »Je mehr Hilfe die Ukraine jetzt erhält, desto schneller wird der russische Krieg zu Ende gehen«, so der Politiker.
Selenskyj begrüßte zudem neue internationale Zusagen von Waffen zur Flug– und Raketenabwehr für sein Land. Das Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe in Brüssel vom Mittwoch sei in dieser Hinsicht »ziemlich produktiv« verlaufen, sagte er in seiner Videoansprache. »Ich bin denen unserer Partner dankbar, die bereits beschlossen haben, genau diese Unterstützung für unseren Staat zu verstärken – Unterstützung für eine effektive Flugabwehr«, sagte Selenskyj. Je brutaler der russische Raketenterror werde, desto mehr verstehe die Welt, dass der Schutz des Himmels über der Ukraine »eine der wichtigsten humanitären Aufgaben Europas in unserer Zeit ist«.
Die Ukraine hat laut Selenskyjs Worten die Kraft, den Krieg gegen den Angreifer Russland fortzusetzen. »Wir haben mutige Menschen, wir haben tapfere Soldaten«, sagte der 44-Jährige laut Übersetzung in einem ZDF-Interview. »Keiner verliert gern, keiner will als Verlierer dastehen(…). Wir können es uns nicht leisten, zu verlieren, das ist eine Frage des Überlebens für uns.«
Waffenlieferungen an die Ukraine
Die britische Regierung will erstmals Luftabwehrraketen vom Typ AMRAAM an die Ukraine liefern. Die Raketen, die in Verbindung mit dem von den USA versprochenen NASAMS Luftabwehrsystem zum Abschuss von Cruise Missiles geeignet sind, sollen in den kommenden Wochen in die Ukraine gebracht werden. Das teilte das Verteidigungsministerium in London mit. »Die Raketen werden dabei helfen, die kritische Infrastruktur der Ukraine zu schützen«, hieß es in der Mitteilung am Donnerstag.
Frankreich hat der Ukraine ebenfalls die Lieferung von Luftabwehrsystemen zugesagt. »Wir werden Radargeräte, (Luftabwehr-)Systeme und Raketen liefern«, um die Ukrainer »insbesondere vor Drohnenangriffen zu schützen«, sagte Präsident Emmanuel Macron dem Sender France 2. Macron bekräftigte zudem, Frankreich wolle der Ukraine weitere Caesar–Haubitzen zukommen lassen.
Seit Kriegsbeginn seien bereits 18 Haubitzen geliefert worden, sagte der französische Staatschef. »Wir arbeiten zusammen mit Dänemark gerade an der Lieferung von sechs zusätzlichen Haubitzen.« Diese waren demnach ursprünglich für die dänische Armee bestimmt gewesen. Die Ukraine hatte nach zwei Tagen intensiven russischen Beschusses ihre westlichen Verbündeten um Unterstützung bei der Stärkung ihrer Luftabwehr gebeten.
Auch Kanada kündigte weitere Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von umgerechnet etwa 35 Millionen Euro an. Dazu gehörten Artillerie-Munition, Winterkleidung und Drohnenkameras. Das erklärte Verteidigungsministerin Anita Anand.
Humanitäre Lage
Seit Beginn des Krieges ist auch die Zahl der in Deutschland aufgenommenen männlichen Flüchtlinge aus der Ukraine gestiegen. Am Geschlechterverhältnis hat sich aber nichts geändert. Wie aus Zahlen des Bundesinnenministeriums hervorgeht, sind von den im Ausländerzentralregister gespeicherten erwachsenen Kriegsflüchtlingen aktuell 468.652 Frauen. Das entspricht einem Anteil von rund 72 Prozent.
Die AfD-Fraktion hatte über eine parlamentarische Anfrage herausfinden wollen, wie viele Ukrainer im wehrfähigen Alter – laut den Gesetzen ihres Heimatlandes betrifft das Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren – aktuell in Deutschland leben. In der Antwort der Bundesregierung heißt es, Ende August seien die Daten von rund 162.000 ukrainischen Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren im Ausländerzentralregister (AZR) gespeichert gewesen. Die AZR-Daten sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, weil es möglich ist, dass ein Teil der dort Registrierten Deutschland inzwischen wieder verlassen hat.
Internationale Reaktionen
Die Uno-Vollversammlung hat mit großer Mehrheit Russlands »illegale Annexionen« in der Ukraine verurteilt. 143 der 193 Uno-Mitgliedstaaten stimmten am Mittwoch auf einer Dringlichkeitssitzung für eine entsprechende Resolution, fünf dagegen. 35 Staaten enthielten sich, darunter China, Indien, Südafrika und Pakistan.
Anfang März hatten bereits 141 Staaten für eine Resolution gestimmt, in der Russland zum »sofortigen« Abzug aus der Ukraine aufgefordert wurde. Bangladesch, der Irak und Senegal, die sich im März enthalten hatten, stimmten am Mittwoch für die Resolution. Russland, Belarus, Nordkorea, Syrien und Nicaragua lehnten die Resolution ab.

