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News: Wladimir Putin, Donald Trump, Ron DeSantis, Sinéad O’Connor, Giorgia Meloni, Joe Biden

July 27
08:37 2023

Afrikanische Staatschefs bei Putin

Wladimir Putin will nicht nach Den Haag ausgeliefert werden – deshalb wird er im August nicht zum Brics-Gipfel nach Südafrika reisen: Es könnte kaum einen eindrucksvolleren Beleg für den Paria-Status des russischen Staatschefs geben als dessen drohende Verhaftung. Heute nun möchte Putin dem Eindruck widersprechen, dass er isoliert sei. Er hat deswegen zu einem Russland-Afrika-Gipfel nach St. Petersburg geladen.

Allerdings kommen nur halb so viele Staats- und Regierungschefs wie beim ersten Mal: 21 sind es, 2019 waren es noch 43. Ein außenpolitischer Berater Putins, Juri Uschakow, beklagte sich nun bitterlich über westlichen Druck auf afrikanische Staatschefs, der sei dafür verantwortlich, dass viele der geladenen Politiker zu Hause bleiben. Es kam ihm offenbar nicht in den Sinn, dass Russlands Isolationan Putins Entscheidung liegen könnte, ein souveränes Land in Europa mit Krieg zu überziehen, seine Städte zu zerbomben und Kinder zu entführen.

Der Gipfel ist also nicht so erfolgreich wie gewünscht. Dennoch ist Russland nicht nur mit seiner Wagner-Truppe in Afrika aktiv, es verfolgt erfolgreich wirtschaftliche Interessen auf dem Kontinent. Damit ist es Teil eines großen internationalen Wettlaufs um Afrika, an dem sich auch China, die Türkei, aber auch die USA und die Europäer beteiligen. Es geht um die Ausbeutung von Rohstoffen, um Infrastrukturprojekte und militärische Zusammenarbeit. Die früheren Kolonialmächte haben in den vergangenen Jahren Einfluss auf dem Kontinent verloren.

In Europa wird oft über Afrika als Ausgangspunkt ungewollter Migranten gesprochen. Doch auf dem Kontinent spielt sich auch eine globale Machtverschiebung ab: Europa ist vielerorts auf dem Rückzug, andere Player gewinnen. Und die afrikanischen Staaten suchen sich dabei selbstbewusst ihre Partner aus.

Ein Team von SPIEGEL-Reportern erzählt diesen neuen Wettlauf um den afrikanischen Kontinent in einem großen Bericht – lesen Sie ihn gern hier:

  • Wie die Weltmächte um Einfluss in Afrika ringen: Der Ukrainekrieg hat Afrika neu in den Fokus gerückt. Großmächte ringen um Einfluss auf dem Kontinent – so wie auch von heute an beim Russland-Afrika-Gipfel in Sankt Petersburg .

Wie der »Trump mit Hirn« gegen den echten Trump den Kürzeren zieht

Wann genau es zur dritten Anklage gegen Donald Trump kommt, ist ungewiss – sie wird aber täglich oder stündlich erwartet. Es soll darin um Trumps Rolle beim Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gehen. Doch es ist paradox: Einerseits werden die juristischen Probleme des Ex-Präsidenten laufend größer. Andererseits scheint das Trump nicht nur nicht zu schaden, es hilft ihm sogar gegen seine republikanischen Konkurrenten. Es ist wie bei seiner ersten Kandidatur vor sieben Jahren: Es wird so viel über Trump geredet, dass er den anderen den Sauerstoff entzieht.

Darunter leidet besonders der Mann, der lange als gefährlichster Rivale Trumps angesehen wurde: der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis. Er hat selbst zu viele Fehler im Wahlkampf begangen und sich in einen Krieg mit dem angeblich »woken« Disney-Konzerns verstrickt. Nun musste er wegen versiegender Spenden einen Teil seines Wahlkampfteams entlassen, und es bleibt ihm nur die Hoffnung auf die US-Justiz.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ausgerechnet die vielen Strafverfahren Trump am Ende zum Kandidaten machen könnten – und selbst wenn er verurteilt würde, könnte er theoretisch immer noch gewählt werden.

  • Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner: Wie der »Trump mit Gehirn« seine Chancen verspielte

Die Klimakrise zeigt sich – und wir verharren im Kulturkampf

Die Anzeichen für die menschengemachte Erwärmung des Planeten sind unverkennbar. Der Juli 2023 ist einer der heißesten Monate seit Menschengedenken, schon der Juni war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Extreme Hitze herrscht in Südeuropa, in den USA und China, im Nahen Osten waren die Temperaturen teils lebensbedrohlich. In Florida hat das Meer an manchen Orten eine Rekord-Oberflächentemperatur von mehr als 38 Grad erreicht – sie lässt Korallen und Fische sterben.

Zugleich scheitert die Menschheit daran, den Ausstoß von Treibhausgasen schnell genug zu senken.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse einer Studie bemerkenswert, die in der deutschen Bevölkerung die Stimmung gemessen hat und zum Schluss kam: Die Unterstützung für die Klima- und Umweltbewegung hat sich in Deutschland seit 2021 halbiert. Damals sagten 68 Prozent, die Klima- und Umweltbewegung habe grundsätzlich ihre Unterstützung. 2023 sind es noch 34 Prozent. Und während damals noch 63 Prozent der Meinung waren, die Bewegung sei »offen dafür, dass Leute wie ich bei ihr mitmachen«, sind es heute nur noch 29 Prozent.

Das ist besorgniserregend. Die Klimakrise ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die aber gerade im großen Kulturkampf zerrieben wird. Die Radikalisierung von Klimaaktivisten, insbesondere der »Letzten Generation«, stößt weite Teile der Bevölkerung ab. Auf der anderen Seite gibt es eine gar nicht so kleine Gemeinde von Klimaleugnern, die wider alle wissenschaftliche Evidenz behaupten, es gäbe gar keinen menschengemachten Klimawandel.

Die Mehrheit allerdings, auch das belegen Umfragen, ist über die Folgen der Klimakrise besorgt. Doch je polarisierter die Auseinandersetzung um das Klima wird, desto weniger handlungsfähig ist die Gesellschaft als Ganzes.

  • Neue Studie: Juli-Hitzewelle in Südeuropa wäre ohne Klimawandel praktisch unmöglich gewesen

Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel

  • Das Land braucht eine Agenda 2030: Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle. Das Land steht vor einer neuen Phase des Dauerdümpelns. Die Bundesregierung muss handeln.

Postfaschistin Meloni im Weißen Haus

Im Weißen Haus wird heute ein postfaschistischer Gast aus Europa erwartet: Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni besucht US-Präsident Joe Biden. Das ist eine Ehre, die anderen rechtspopulistischen Staats- und Regierungschefs wie dem Brasilianer Jair Bolsonaro oder dem Ungarn Viktor Orbán nie zuteilwurde. Meloni verfolgt zu Hause zwar eine rechte Familien- und Migrationspolitik. Sie bewegt sich außen- und europapolitisch aber im westlichen Konsens – und insbesondere hat sie sich eindeutig als Unterstützerin der Ukraine positioniert.

Biden will mit ihr vor allem über China reden. Denn Italien gehörte in der Vergangenheit zu den EU-Ländern, die eine besonders große Nähe zu China zeigten. Es trat 2019 als erstes G7-Land der Neuen Seidenstraße bei, einem chinesischen globalen Handels- und Wirtschaftsprojekt. Doch Meloni distanzierte sich zuletzt stärker von China. Auch das ist ganz im Sinne des Gastgebers.

Joe Biden hat gerade noch andere Sorgen: Sein Sohn Hunter Biden, der wegen Steuervergehen vor Gericht steht, wollte gestern eigentlich eine Abmachung mit der Staatsanwaltschaft schließen, um mit geringer Strafe davonzukommen. Doch gestern fiel der Deal vorerst auseinander – und wenn sich seine Anwälte und die Staatsanwälte nicht doch noch einigen, wird es wohl zum Prozess kommen.

Das könnte erstens dazu führen, dass Bidens Sohn doch noch eine Gefängnisstrafe droht. Und es würde zweitens mit Sicherheit eine wochenlange Berichterstattung auf allen Kanälen über den Prozess gegen Bidens Problemsohn nach sich ziehen. Auch für den Präsidenten wäre das eine Belastung – insbesondere mit Blick auf den Wahlkampf.

Kinotipp: »Oppenheimer«

Am Dienstag habe ich Ihnen vom neuen »Barbie«-Film vorgeschwärmt (und ja, er ist wirklich fantastisch) – und nun empfehle ich Ihnen genauso begeistert »Oppenheimer«, das große Kino-Epos über den Vater der Atombombe. Gehen Sie hin! 180 Minuten, keine Sekunde ist langweilig. Die Regie von Christopher Nolan ist atemberaubend, die Schauspielleistung von Cillian Murphy als J. Robert Oppenheimer Oscar-würdig. Das Großartige an dem Film ist, wie er dramaturgisch die Lebensgeschichte Oppenheimers bis zum Abwurf der Atombombe verknüpft mit den politischen Prozessen, die in der McCarthy-Zeit gegen ihn geführt wurden.

Und er erzählt meisterhaft von der moralischen Gratwanderung des Entwicklerteams – das antrat, die Nazis beim Bau der Bombe zu überholen, und schließlich erlebte, wie sie gegen ein fast schon am Boden liegendes Japan eingesetzt wurde. Am Dienstag hatten »Barbie« und »Oppenheimer« in den USA zusammen bereits 300 Millionen Dollar eingespielt. Es fühlt sich gut an, nach den Jahren der Pandemie wieder großes Kino in vollen Sälen zu erleben. Eine Welt, in der nur noch gestreamt würde, wäre eine ärmere Welt.

  • Christopher Nolans »Oppenheimer«: »Jetzt bin ich der Tod geworden«

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Die Startfrage heute: Wer ernennt in Deutschland die Bundesminister?

Verliererin des Tages…

…ist die Musikwelt. Am Mittwoch ist die irische Popsängerin Sinéad O’Connor gestorben, mit erst 56 Jahren. 1990 wurde »Nothing Compares 2 U« durch sie zum Welthit. Der Song, den Prince für sie schrieb und den er später selbst als kräftige Soulnummer interpretierte, war in ihrer Version unendlich traurig, abgründig und schön. Er gehört zu den großen Balladen des vergangenen Jahrhunderts.

Sinéad O’Connor war stolz auf ihre Rolle als »troublemaker«, als politische Provokateurin. Als sie 1992 live im Fernsehen ein Bild von Papst Johannes Paul II. zerriss und dazu »War« von Bob Marley sang, um gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zu protestieren, erntete sie einen weltweiten Wutsturm von Katholiken. Heute muss man sagen: Sie war mit ihrem Protest ihrer Zeit voraus.

Sie war privat ein zutiefst trauriger Mensch. In ihrer Kindheit hatte sie unter einer missbräuchlichen und gewalttätigen Mutter gelitten, sie kam als Teenager in ein Heim. Ihre Kindheitserfahrungen machten aus ihre eine wütende Kämpferin für Gerechtigkeit. Sie sprach schon früh offen über psychische Probleme, outete sich als bipolar und sprach offen über Missbrauch und Suizidgedanken. Im vergangenen Jahr nahm sich ihr 17-jähriger Sohn das Leben. Danach wollte sie nie wieder live auftreten. Sinéad O’Connor hinterlässt drei Kinder, eine betroffen machende Lebensgeschichte und unsterbliche Musik.

  • Weltweite Reaktionen auf den Tod von Sinéad O’Connor: »Sie ging keine Kompromisse ein, und das machte ihr Leben noch schwieriger«

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Soldaten verkünden Machtübernahme der Armee: Stundenlang wurde Nigers Präsident Mohamed Bazoum am Mittwoch in seinem Palast festgehalten – von Mitgliedern der eigenen Garde. Am späten Abend verkünden dann Soldaten im Fernsehen die Machtübernahme.

  • Durchbruch bei Tarifverhandlung der Lufthansa mit Piloten: Im monatelangen Tarifstreit zwischen Lufthansa und Gewerkschaft liegt ein »Paket« auf dem Tisch: 7,5 Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung. Ist ein Streik zur Ferienzeit damit abgewendet?

  • Whistleblower berichtet unter Eid von US-Bergungsprogramm für Ufos: Die USA haben außerirdische Flugobjekte geborgen und untersucht: Das behauptet zumindest ein hoher Ex-Mitarbeiter des Pentagon – unter Eid vor dem US-Kongress. Kritiker bleiben aber skeptisch.

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

  • Die Dollar-Schlacht ums Weiße Haus: Kandidaten der Republikaner verprassen im Vorfeld von US-Wahlen Millionen. Besonders lässt es der Anti-Woke-Kämpfer Ron DeSantis krachen. Dabei setzen viele Wirtschaftsbosse auf einen anderen Bewerber .

  • So kann die Versicherung gegen Starkregen und Fluten funktionieren: Seit der Flut im Ahrtal diskutiert die Politik über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. Ausgerechnet die Versicherer lehnen das ab – und verweisen auf hohe Prämien. Dabei zeigt Frankreich, wie es anders geht .

  • »Walter Ulbricht hätte sich für seine Überzeugungen erschießen lassen«: Ein Betonkommunist und gehasster Apparatschik – war da noch mehr? Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk hat sich tief in Walter Ulbrichts Biografie versenkt. Und eine »gewisse Sympathie« für den einstigen DDR-Staatschef entwickelt .

  • Marmor, Champagner und ein Rolex-Shop auf hoher See: Explora Journeys will die Luxuskreuzfahrt neu erfinden. Ihr erstes Schiff geht jetzt auf Jungfernfahrt. Luxus bedeute auch Nachhaltigkeit, sagt die Reederei – und organisiert Helikopterflüge auf Gletscher .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Mathieu von Rohr, Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts

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