Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

News des Tages: Bahn-Sabotagen, Extrem-Wetter, Balkonkraftwerke

July 27
21:10 2023

1. Schnipp, schnapp – so easy ist Sabotage bei der Bahn

Vermutlich haben Sie beim Wort »Bahn« schon aufgehört zu lesen. Denn was soll jetzt kommen, außer einer Story über Verspätungen, marode Strecken und allgemeines Versagen?

In puncto Versagen liegen Sie nicht ganz falsch, und doch ist die Bahn-Recherche meines Kollegen Serafin Reiber außergewöhnlich, weil sie frappierende Dollhaus-Elemente aufweist. Sie geht so:

Im vergangenen Herbst stoppte der Bahnverkehr in ganz Norddeutschland, weil Unbekannte wichtige Kabel für die interne Kommunikation des Konzerns zerschnitten hatten. Die Bahn war alarmiert, Verkehrsminister Wissing womöglich noch alarmierter, der Generalbundesanwalt nahm Ermittlungen auf.

Jetzt, im Juli, entdeckte Kollege Reiber an den Bahngleisen des Berliner Außenrings im Norden der Stadt: Kabel. In der Böschung lagen sie, schwarze, blaue, zum Teil aufgewickelt. Telekommunikationskabel, für Daten.

Genau an dieser Stelle hatte am frühen Morgen des 8. Oktober vorigen Jahres die Sabotage stattgefunden, wie auch wenige Stunden zuvor in Herne in Nordrhein-Westfalen. Wir erinnern uns: Nichts ging mehr Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, stundenlang musste der Bahnverkehr ruhen.

Mehr als neun Monate nach der Tat liegen die notdürftig reparierten Kabel im Berliner Norden frei zugänglich und ungeschützt in der Böschung.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte – und was die Bahn dazu sagt: Sabotage für Anfänger

2. Hören wir hin, wenn die Erde brüllt?

»Die Erde brüllt uns gerade an« – ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Gesagt hat ihn die amerikanische Meteorologin Bernadette Woods Placky. Sie sollte die Hitzeglocke erklären, die seit Wochen über weiten Teilen der USA liegt und Städte wie Phoenix im Bundesstaat Arizona zu lebensfeindlichen Zonen macht.

Nicht nur die USA kochen: Dieser Juli ist so heiß wie kein anderer Monat je zuvor. Das zeigen unter anderem Berechnungen der Weltwetterorganisation.

Die Erde brüllt uns an, mit Feuersbrünsten, Stürmen, Hitzewellen auf dem Land. Doch manchmal brüllt sie auch in vermeidlich paradiesischer Stille, unter Wasser, im Meer.

Denn auch der Nordatlantik ist so warm wie nie zu vor. Eine Boje vor der Küste Floridas meldete diese Woche einen Rekord: 38 Grad Celsius, Badewannentemperatur . In der ganzen Region ist das Wasser auffallend warm und bedroht Tiere und Pflanzen.

Wissenschaftler diskutieren, ob man Leinentücher über die Riffe in den Florida Keys spannen kann. Damit will man für die Korallen zumindest den Stress durch die UV-Strahlen im Sonnenlicht reduzieren. Oder ob man einzelne Exemplare umsiedelt, um deren Genmaterial zu erhalten. »Es geht darum, zu retten, was noch zu retten ist«, sagt ein Forscher, »sonst verlieren wir diese Arten komplett.«

  • Lesen Sie hier mehr: Der Juli ist der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnung

  • Und: Was die Hitze für Floridas Unterwasserwelt bedeutet

3. Zerbröselt auf Ihrem Balkon gerade eine tolle Idee?

Als in der Energiekrise die ersten Abschlagsrechnungen für Strom eintrudelten, begann auf deutschen Balkonen der Siegeszug kleiner Solaranlagen aus dem Baumarkt. Würde Deutschland tatsächlich eine geniale Lösung für ein globales Problem finden? Ganz pragmatisch und klimaschonend?

Wie Kollegen aus unserem Wirtschaftsressort berichten, bekommen viele der Klein-Kraftwerkbetreiber dieser Tage Post, mit dem Hinweis, dass Sie ein Bauteil ersetzen müssen.

Es gibt da nämlich einen Haken: Wenn Solarpanels auf dem Balkon die Sonnenenergie einsammeln, machen sie daraus Gleichstrom. Damit der über die Steckdose ins Hausnetz fließt, muss er erst in Wechselstrom umgewandelt werden. Diese Aufgabe erledigt ein sogenannter Wechselrichter. Und mindestens ein Hersteller, die chinesische Firma Deye, hat Wechselrichter verkauft, und zwar ziemlich viele, die nicht den deutschen Sicherheitsvorschriften genügen. Haben Sie eine Solaranlage an Ihrer Balkonbrüstung?

  • Welche Gefahr besteht, warum Sie den Wechselrichter checken und gegebenenfalls austauschen sollten und ob das für Sie teuer wird, lesen hier: Warum viele Balkonkraftwerke jetzt ein Problem haben

Nachrichten und Hintergründe zum Krieg in der Ukraine:

  • Putin verspricht Afrikanischer Union kostenloses Getreide: Das Getreideabkommen hat er aufgekündigt. Trotzdem verspricht Wladimir Putin beim Gipfel in Sankt Petersburg: Russland werde »ein zuverlässiger Lieferant von Nahrung für Afrika« sein. Doch bei dem Treffen gibt es auch einen heiklen Moment.

  • Russin den Handschlag verweigert – Ukrainerin Kharlan wird disqualifiziert: Die ukrainische Fechterin Olga Kharlan versagte bei der Weltmeisterschaft ihrer russischen Kontrahentin den Handschlag. Die reagierte pikiert und der Verband mit Disqualifikation.

  • Nordkorea und Russland bekräftigen ihre militärische Zusammenarbeit: Russlands Verteidigungsminister Schoigu ist nach Nordkorea gereist. Dort ließ er sich von Machthaber Kim verschiedene Rüstungsgüter zeigen. Beide Seiten wollen ihre militärische Partnerschaft stärken.

  • Hier finden Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine: Das News-Update

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Europäische Zentralbank erhöht Leitzins auf 4,25 Prozent: Um die Inflation zu bändigen, erhöht die Europäische Zentralbank zum neunten Mal in Folge die Zinsen. Für Sparer sind das gute Nachrichten.

  • Mehr als 40 Prozent der Deutschen befürworten Öffnung der CDU zur AfD in Kommunen: Eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD in der Kommunalpolitik: Für eine Mehrheit der Deutschen ist eine solche Öffnung der Christdemokraten keine Option. Allerdings würden auch mehr als zwei Fünftel den Schritt begrüßen.

  • Lily Collins spielt Mikropuppe »Polly Pocket«: Nach dem großen Erfolg von »Barbie« plant Spielzeughersteller Mattel mehr Verfilmungen aus dem Universum. Insgesamt sollen 14 weitere Projekte in der Entwicklung sein – darunter auch »Polly Pocket«.

Meine Lieblingsgeschichte heute: New York, eine Stadt wie für Ratten gemacht

Ich war überrascht, als ich zum ersten Mal in New York war. Wie schnell ich mich zurechtfand! Broadway, Times Square, Carnegie Hall, Rockefeller Center, Central Park: Straßen, Plätze und Gebäude in New York scheinen auch einer europäischen Landpomeranze wie mir sofort vertraut. Diese Stadt ist, neben allem anderen, was sie sonst noch ist, einer der größten Kinostars der Welt. Und wie bei allen omnipräsenten Stars meint man, sie zu kennen. Noch näher hat mich ein Kollege, unser USA-Korrespondent Marc Pitzke, gerade mit New York bekannt gemacht. Ich versehe diese Lese-Empfehlung allerdings mit einem Warnhinweis. Marcs Story ist nicht gerade appetitlich.

Marc lebt seit 30 Jahren in New York, im Eingangsbereich seines Wohnhauses in Brooklyn fand er kürzlich eine tote Ratte. Kammerjäger Jamal machte hilfreiche Angaben wie »sie hatte eine Familie«, und, richtig, in einem »dunklen, muffigen Lagerraum« des Hauses hatte sich »ein ganzes Rattenrudel« aus Papier und Laub eine Herberge gebaut.

Ich wäre in jenem Moment wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen. Marc ging auf Rattenpirsch. Laut Schätzungen leben in New York zwischen zwei und acht Millionen der Tiere. Stimmt die höhere Zahl, wäre das eine Ratte pro Einwohner. Wobei sich Erstere deutlich schneller multiplizieren als Letztere.

Das Nagerproblem ist in New York nichts Neues, aber, schreibt Marc, »so schlimm wie jetzt war es noch nie«. Die lange Coronapandemie verbannte Menschen in ihre Stuben, Ratten eroberten den öffentlichen Raum.

Die Versuche der Stadt, das Ungeziefer zu bekämpfen, wirken unbeholfen bis absurd. Für Marc und seinen Kammerjäger Jamal immerhin die Chance auf eine wunderbare, lange Freundschaft.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: New York, Hauptstadt der Ratten

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

  • Im Putschgürtel: Mit der Machtübernahme der Militärs ist dem Westen der letzte verlässliche Partner in der Sahelzone weggebrochen. Tausende internationale Soldaten sind im Niger stationiert, auch Kräfte der Bundeswehr. Was wird nun aus ihnen?

  • Verliert der Westen in Afrika den Anschluss? Afrikanische Staatschefs aus 17 Ländern sind zu Gast bei Wladimir Putin. Neben Russland ringen sämtliche Großmächte um Einfluss und Rohstoffe auf dem Kontinent. Die Bedingungen diktieren immer öfter die Afrikaner selbst – und Europa geht immer öfter leer aus .

  • Ein Exil-Katalane wird Königsmacher von Madrid: Wer Spanien nach dem knappen Wahlergebnis regiert, wird ausgerechnet Katalanenführer Carles Puigdemont entscheiden – und zwar aus dem Exil in Belgien. Seinen Preis hat er bereits genannt .

  • No Bühl, No Party: Waru, ein Stofftier-Koala im Deutschlandtrikot, ist der Glücksbringer im deutschen Team. Gehäkelt hat das inzwischen populär gewordene Maskottchen Klara Bühl, die gute Seele mit den vielen Talenten .

Was heute weniger wichtig ist

Jeder weiß, dass Sneaker heutzutage ein Statussymbol sind und die Zeiten, als man »Turnschuhe« für zweistellige Beträge kaufte und dies bei legerer Fußbekleidung auch für angemessen hielt, längst vorbei sind. Trotzdem hat mich diese Meldung überrascht. Das Auktionshaus Sotheby’s hat für den stolzen Preis von 50.000 US-Dollar ein Paar weiße Sneaker im Angebot. Das Besondere an den in den Neunzigern angefertigten Tretern: Sie tragen das Apple-Logo. Der Konzern hat die Schuhe damals eigens für Mitarbeiter anfertigen lassen und die Schuhe an sie verschenkt. Vielleicht kommt Apple-Chef Tim Cook, stets auf der Suche nach »one more thing«, bei diesen Preisen auf Ideen?

Mini-Hohlspiegel

»Vor dem Shakespeare sorgte ein Solokünstler auf seiner Gitarre und Munter Monika mit englischen Volksliedern für eine wohlige Atmosphäre.«
Aus der »Westfälischen Rundschau«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Und heute Abend?

Setzen wir uns kurz den Achtzigerjahre-Walkman auf. Ich war ein Teenager in der Ära der Pastell-Pullunder, Vokuhila-Frisuren und Synthesizer-Mucke. Gerade gibt es eine Netflix-Doku, die uns mit einem lauten »Popp« in diese Zeit zurückbeamt. »Wham!« erzählt die Story einer der damals erfolgreichsten Bands.

Alles beginnt in einer Grundschule in England mit einem schüchternen Jungen mit Nerd-Brille, der in eine neue Klasse kommt. Der Lehrer fragt die Schüler, wer sich denn um den Neuen kümmern würde? Und das coolste Kind der ganzen Klasse hebt die Hand, und fortan sind der schüchterne und der coole Junge beste Freunde. Ein paar Jahre später sind sie das populärste Pop-Duo der Welt: George Michael (der Schüchterne) und Andrew Ridgeley (der Coole).

Damals stand ich nicht auf die Musik von Wham!, das war mir alles zu seicht, die Teenie-Hysterie um die Band war mir unheimlich. Und die dämlichste Songzeile, die es jemals gab (»Guilty feet have got no rhythm« aus »Careless Whisper«), werde ich George Michael wohl nie verzeihen.

Der Netflix-Film aber ist wunderschön, weil er die Geschichte einer tiefen, unerschütterlichen Freundschaft erzählt. Die Musik hat für mich heute unwiderstehlichen nostalgischen Schmelz. Und geht immer noch in die Beine. Schieben Sie also die Couch beiseite, Sie haben hinterher garantiert Lust auf eine Danceparty.

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