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Michael Müller in Berlin: Der Corona-Krisengewinner

December 18
11:06 2020
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Dominik Butzmann / DER SPIEGEL

Als Ende Oktober die zweite Corona-Welle schon anrollte, tanzten dem Regierenden Bürgermeister mal wieder seine Mäuse auf dem Tisch. Rund 500 Hedonisten feierten eine »Pornceptual«-Party, sie tanzten unter freiem Himmel in Latex und Leder. Am selben Tag spielte der 1. FC Union Berlin vor 4500 Zuschauern in der Alten Försterei.

Es waren typische Nachrichten aus der deutschen Hauptstadt. Und ausgerechnet der Mann, in dessen Reich all das möglich war, sollte Deutschland nun durch den Corona-Winter führen. Es wirkte wie das Drehbuch für einen Katastrophenfilm.

Doch in den zweieinhalb Monaten, in denen der Sozialdemokrat Michael Müller die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) nun leitet, hat er ein kleines Wunder vollbracht. Die 16 Bundesländer handeln einheitlicher. Müller, der vor Kurzem noch von seinem CSU-Kollegen Markus Söder als Chaos-Bürgermeister belächelt wurde, zeigt auf einmal, dass er ein Ministerpräsident auf Augenhöhe ist. Dabei ist er selbst auf dem Absprung.

Anders als Söder, von dem er den Vorsitz der MPK übernommen hatte, widerspricht Müller der Kanzlerin im Namen der Länder. Zum Beispiel Mitte November, Müller saß im Kanzleramt an einem Schreibtisch mit Angela Merkel, die Länderkollegen waren per Video zugeschaltet. Die Stimmung war angespannt. Am Vorabend hatte das Kanzleramt eine unabgestimmte Beschlussvorlage verschickt, die bald auch den Weg in die Öffentlichkeit fand. Das hielten die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten für einen schweren Fehler. Sie wollten endlich ein Bild der Geschlossenheit abgeben. Und dann solch ein Alleingang des Kanzleramts.

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